36 Jahre Deutsche Einheit: Ost und West in Zahlen (Stand 2026)

Wie weit ist die Angleichung zwischen Ost und West 36 Jahre nach der Wiedervereinigung? Kurz gesagt: Bei Wirtschaftskraft, Löhnen und Haushaltseinkommen erreicht der Osten heute je nach Kennzahl und Abgrenzung zwischen gut 70 und gut 90 Prozent des westdeutschen Niveaus. Beim Rentenwert und bei der Erwerbstätigkeit von Frauen gibt es keinen Unterschied mehr, bei Vermögen, Erbschaften und Führungspositionen bleibt der Abstand groß. Diese Seite bündelt die aktuellsten amtlichen Werte (Stand: 19. September 2026) und nennt zu jeder Zahl Bezugsjahr, Quelle und die Frage, ob Berlin mitgezählt wird.

Ost und West 2026: Überblick und Abgrenzung

Die wichtigsten Zahlen auf einen Blick

  • Bevölkerung: Ende 2025 lebten in den fünf östlichen Flächenländern 12,35 Millionen Menschen, in den zehn westlichen Ländern 67,42 Millionen (jeweils ohne Berlin). 1990 waren es 14,8 und 61,6 Millionen.
  • Wirtschaftskraft: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) je Einwohner lag 2025 im Osten bei rund 72 Prozent des Westniveaus (ohne Berlin), mit Berlin bei rund 80 Prozent (eigene Berechnung auf Basis amtlicher Länderdaten).
  • Löhne: Vollzeitbeschäftigte verdienten 2025 im Osten (ohne Berlin) durchschnittlich 4.121 Euro brutto im Monat, im Westen (einschließlich Berlin) 4.961 Euro – das sind rund 83 Prozent (eigene Berechnung).
  • Arbeitslosigkeit: 2025 lag die Quote im Osten (mit Berlin) bei 8,6 Prozent, im Westen (ohne Berlin) bei 6,4 Prozent – nach 20,6 Prozent im Osten im Rekordjahr 2005 (Bezugsgröße: abhängige zivile Erwerbspersonen).
  • Rente: Seit dem 1. Juli 2023 gilt ein einheitlicher Rentenwert; seit dem 1. Juli 2026 beträgt er 42,52 Euro.
  • Geburtenrate: 2025 bekamen Frauen in den östlichen Flächenländern durchschnittlich 1,22 Kinder, in den westlichen Ländern 1,34.
  • Führungspositionen: 12,1 Prozent der Spitzenpositionen waren 2024 mit Ostdeutschen besetzt – bei einem Bevölkerungsanteil von etwa 20 Prozent.
  • Demokratie: 51 Prozent der Befragten in Ostdeutschland waren 2025 mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden, bundesweit 60 Prozent.

Wer Ost und West vergleicht, muss zuerst klären, was „Osten“ bedeutet. Das Statistische Bundesamt zählt zu den östlichen Bundesländern in der Regel Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, zu den westlichen die übrigen zehn Länder. Berlin wird oft gesondert ausgewiesen, weil die Stadt aus einem früheren Ost- und einem früheren Westteil besteht.

Andere Statistiken ordnen Berlin unterschiedlich zu: Die Bundesagentur für Arbeit rechnet Berlin zum Osten, die Verdienststatistik seit 2007 zum Westen. Das verändert die Ergebnisse erheblich. Berlin hat eine deutlich höhere Wirtschaftsleistung je Einwohner als die ostdeutschen Flächenländer. Zählt man die Hauptstadt zum Osten, steigt dessen BIP je Einwohner im Verhältnis zum Westen um rund acht Prozentpunkte (2025, eigene Berechnung).

So lesen Sie die Zahlen auf dieser Seite

Ost und West sind immer mit Abgrenzung angegeben („mit Berlin“ oder „ohne Berlin“). Wo eine Quelle die Zuordnung Berlins nicht nennt, steht das ausdrücklich dabei. Werte mit „rund“ oder „knapp“ sind gerundet. Verhältniszahlen, die nicht direkt aus einer Quelle stammen, sind als eigene Berechnung gekennzeichnet. Alle Geldbeträge sind nominal, regionale Preisunterschiede sind also nicht herausgerechnet.

Einen Bericht zum Stand der Deutschen Einheit für 2026 hatte die Beauftragte der Bundesregierung für Ostdeutschland bis zum Redaktionsschluss am 19. September 2026 nicht veröffentlicht; der jüngste Bericht erschien 2025 unter dem Titel „35 Jahre: Aufgewachsen in Einheit?“. Die Zahlen auf dieser Seite stammen deshalb direkt aus den neuesten Veröffentlichungen der amtlichen Statistik – vor allem von Destatis, den Statistischen Ämtern der Länder, der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Rentenversicherung.

Bevölkerung, Wanderung und Demografie

Am 31. Dezember 1990 lebten in den östlichen Bundesländern 14,8 Millionen Menschen, in den westlichen 61,6 Millionen und in Berlin 3,4 Millionen. Nach Angaben von Destatis ging die Einwohnerzahl der östlichen Flächenländer bis Ende 2024 um 16 Prozent auf 12,4 Millionen zurück. Im Westen stieg sie im gleichen Zeitraum um 10 Prozent auf 67,5 Millionen.

Auch 2025 schrumpfte der Osten stärker: Die Bevölkerung der östlichen Bundesländer ging um 0,5 Prozent (minus 57.000 Personen) zurück, die der westlichen um 0,1 Prozent (minus 68.000). Den stärksten Rückgang unter allen Flächenländern verzeichneten Thüringen mit minus 1,0 Prozent und Sachsen-Anhalt mit minus 0,7 Prozent. Berlin wuchs dagegen um 0,4 Prozent. Das meldet Destatis in einer Pressemitteilung vom 16. Juni 2026.

Bevölkerung und Demografie in Ost und West
KennzahlOstWestDeutschlandBezugsjahr
Einwohner (Stichtag 31.12.)14,8 Mio. (ohne Berlin)61,6 Mio. (ohne Berlin)79,8 Mio. (davon Berlin 3,4 Mio.)1990
Einwohner (Stichtag 31.12.)12.351.371 (ohne Berlin)¹67.415.169 (ohne Berlin)¹83.467.117 (davon Berlin 3.700.577)2025
Durchschnittsalter38,1 Jahre (mit Berlin-Ost)39,6 Jahre (mit Berlin-West)39,3 Jahre1990
Durchschnittsalter47,6 Jahre (ohne Berlin)44,5 Jahre (ohne Berlin)44,9 Jahre2024
Geburtenrate (Kinder je Frau)1,22 (Flächenländer ohne Berlin)1,34 (westliche Bundesländer)1,322025

¹ Summe der amtlichen Länderwerte (Bevölkerungsfortschreibung auf Basis des Zensus 2022), eigene Addition. Quellen: Destatis, Themenseite „35 Jahre Deutsche Einheit“, Bevölkerung nach Bundesländern, Pressemitteilung zur Geburtenziffer vom 1. Juli 2026.

Wanderung: rund 1,2 Millionen Menschen per Saldo nach Westen

Zwischen 1991 und 2024 zogen nach Destatis rund 1,2 Millionen Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt. Der größte Teil dieser Abwanderung fiel in die ersten beiden Jahrzehnte nach der Einheit. Seit Mitte der 2010er-Jahre ist der Saldo nahezu ausgeglichen:

1991
Allein in diesem Jahr verlassen im Saldo etwa 165.000 Menschen die östlichen Bundesländer in Richtung Westen.
1991–2000
Der Wanderungsverlust des Ostens gegenüber dem Westen summiert sich auf etwa 611.000 Personen.
2001–2010
Im Saldo ziehen weitere rund 553.000 Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt.
2011–2016
Die Abwanderung verlangsamt sich deutlich: Der Saldo liegt bei insgesamt rund minus 70.000.
2017–2022
Trendumkehr: Erstmals ziehen mehr Menschen von West nach Ost als umgekehrt (Saldo plus 18.000).
2023 und 2024
Leichter Wanderungsverlust des Ostens: minus 3.000 (2023) und minus 4.000 Personen (2024).

Ein älterer Osten

Die starke Abwanderung in den 1990er- und 2000er-Jahren und der Geburteneinbruch nach der Wende prägen die Altersstruktur bis heute. 1990 war die Bevölkerung im Osten mit durchschnittlich 38,1 Jahren noch jünger als im Westen (39,6 Jahre). 2024 lag das Durchschnittsalter in den östlichen Flächenländern bei 47,6 Jahren und damit gut drei Jahre über dem westdeutschen Wert von 44,5 Jahren (jeweils ohne Berlin).

Geburtenrate: vom Einbruch zur Angleichung – und wieder darunter

Nach der Wende brach die Geburtenrate im Osten ein: In den östlichen Ländern einschließlich Berlin-Ost sank sie von 1,52 Kindern je Frau im Jahr 1990 auf 0,77 im Jahr 1994. Seit den 2000er-Jahren haben sich die Werte in Ost und West etwa angeglichen. 2025 lag die Geburtenrate in den östlichen Flächenländern mit 1,22 Kindern je Frau aber wieder spürbar unter dem Wert der westlichen Bundesländer (1,34). Bundesweit waren es 1,32. Die Spanne unter den Ländern reichte von 1,16 in Sachsen bis 1,38 in Niedersachsen.

Lebenserwartung: Unterschiede vor allem bei Männern

Die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt betrug 2025 in Deutschland nach Destatis 83,6 Jahre für Frauen und 79,1 Jahre für Männer. Die folgende Tabelle zeigt die Länderwerte der aktuellen Sterbetafel 2023/2025 für die östlichen Länder und Berlin sowie die höchsten und niedrigsten Werte im Westen.

Lebenserwartung bei Geburt nach Bundesländern (Sterbetafel 2023/2025, in Jahren)
LandMännerFrauenRegionBezugszeitraum
Brandenburg78,0683,68Ost2023–2025
Mecklenburg-Vorpommern76,7683,13Ost2023–2025
Sachsen78,3884,23Ost2023–2025
Sachsen-Anhalt76,3782,51Ost2023–2025
Thüringen77,7383,38Ost2023–2025
Berlin78,7483,58gesondert2023–2025
Baden-Württemberg (höchste Werte)80,2884,41West2023–2025
Saarland (niedrigster Wert Frauen)77,8882,03West2023–2025
Deutschland78,8283,43gesamt2023–2025

Das Bild ist uneinheitlich: Männer in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern haben die niedrigste Lebenserwartung aller Länder. Frauen in Sachsen erreichen dagegen mit 84,23 Jahren den zweithöchsten Wert nach Baden-Württemberg, die niedrigste Lebenserwartung von Frauen verzeichnet das westdeutsche Saarland.

Wirtschaftskraft und Produktivität

Die wichtigste Kennzahl für die wirtschaftliche Angleichung ist das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner. Der Arbeitskreis „Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder“ (VGRdL) der Statistischen Ämter hat im März 2026 erste Länderergebnisse für 2025 vorgelegt (Berechnungsstand August 2025/Februar 2026). Die folgenden Ost-West-Werte für 2025 haben wir aus diesen amtlichen Länderergebnissen selbst berechnet: Summe der Länder geteilt durch die Bevölkerung am 31. Dezember 2025 beziehungsweise durch die Erwerbstätigen im Jahresdurchschnitt 2025.

rund 72 %
BIP je Einwohner Ost in Prozent des Westens, jeweils ohne Berlin (2025, eigene Berechnung)
rund 80 %
BIP je Einwohner Ost mit Berlin in Prozent des Westens ohne Berlin (2025, eigene Berechnung)
rund 85 %
BIP je Erwerbstätigen Ost in Prozent des Westens, jeweils ohne Berlin (2025, eigene Berechnung)
Wirtschaftskraft und Produktivität 2025 (eigene Berechnung, gerundet)
KennzahlOstWest (ohne Berlin)DeutschlandBezugsjahr
BIP je Einwohner, ohne Berlinrund 40.300 Eurorund 55.700 Eurorund 53.600 Euro2025
BIP je Einwohner, Ost mit Berlinrund 44.600 Eurorund 55.700 Eurorund 53.600 Euro2025
BIP je Erwerbstätigen, ohne Berlinrund 83.900 Eurorund 99.200 Eurorund 97.200 Euro2025
BIP je Erwerbstätigen, Ost mit Berlinrund 88.100 Eurorund 99.200 Eurorund 97.200 Euro2025

Grundlage: BIP in jeweiligen Preisen nach Ländern (AK VGRdL, März 2026), Bevölkerung am 31.12.2025 (Destatis), Erwerbstätige am Arbeitsort 2025 (AK Erwerbstätigenrechnung, Berechnungsstand Mai 2026). Weil die amtliche Pro-Kopf-Rechnung die durchschnittliche Jahresbevölkerung verwendet, können amtliche Werte leicht abweichen.

Wie sich der Abstand seit 1991 entwickelt hat

Der Aufholprozess seit der Einheit ist beträchtlich. Nach Destatis stieg das preisbereinigte BIP je Einwohner zwischen 1991 und 2024 in Thüringen um 163 Prozent – der stärkste Zuwachs aller Länder. Schleswig-Holstein verzeichnete mit plus 17 Prozent den schwächsten Anstieg, Deutschland insgesamt legte um 40 Prozent zu. Dennoch lagen auch 2024 die drei Länder mit dem niedrigsten BIP je Einwohner im Osten: Sachsen-Anhalt (36.517 Euro), Thüringen (36.942 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (37.656 Euro). Der Bundesdurchschnitt betrug nach dem Datenstand dieser Destatis-Übersicht vom Herbst 2025 50.819 Euro.

Bei der Produktivität, also der Wirtschaftsleistung je Erwerbstätigen, ist der Abstand kleiner als beim BIP je Einwohner. Der Grund: Gemessen an der Einwohnerzahl arbeiten in den östlichen Flächenländern weniger Menschen – 2025 kamen dort rund 48 Erwerbstätige auf 100 Einwohner, im Westen rund 56 (eigene Berechnung, Erwerbstätige am Arbeitsort). Dazu tragen der höhere Anteil älterer Menschen und Pendlerströme bei, etwa aus Brandenburg nach Berlin. Für den verbleibenden Produktivitätsabstand verweist die Ostbeauftragte der Bundesregierung auf die Wirtschaftsstruktur: Im Osten gebe es deutlich mehr kleine und mittlere Betriebe, die trotz vieler guter Produkte oft von den Weltmärkten abgekoppelt seien.

Löhne, Einkommen und Vermögen

Die Verdienste im Osten sind seit 1991 deutlich schneller gestiegen als im Westen: Laut Destatis haben sie sich mehr als vervierfacht, im Westen mehr als verdoppelt. Damals verdienten Vollzeitbeschäftigte in den östlichen Ländern durchschnittlich 924 Euro brutto im Monat, im Westen einschließlich Berlin-West 1.987 Euro – mehr als doppelt so viel. Nach der aktuellen Zeitreihe von Destatis (Stand: 1. April 2026) lag der Durchschnitt 2025 im Osten bei 4.121 Euro und im Westen (einschließlich Berlin) bei 4.961 Euro. Das entspricht rund 83 Prozent des Westniveaus; die Lücke beträgt 840 Euro im Monat (eigene Berechnung).

Verdienste und Einkommen in Ost und West
KennzahlOstWestDeutschlandBezugsjahr
Bruttomonatsverdienst Vollzeit, Durchschnitt, ohne Sonderzahlungen924 Euro (neue Länder)³1.987 Euro (mit Berlin-West)1.832 Euro1991
Bruttomonatsverdienst Vollzeit, Durchschnitt, ohne Sonderzahlungen4.121 Euro (ohne Berlin)4.961 Euro (mit Berlin)4.851 Euro2025
Bruttojahresverdienst Vollzeit, Median, mit Sonderzahlungen46.013 Euro (ohne Berlin)55.435 Euro (Berlin in der Mitteilung nicht zugeordnet)54.066 Euro2025
Unbereinigter Gender Pay Gap5 % (ohne Berlin)17 % (mit Berlin)16 %2024
Von der Mindestlohnerhöhung auf 13,90 Euro betroffene Jobsrund 14 %rund 12 %bis zu 4,8 Mio. JobsErhöhung zum 1.1.2026, Basis April 2025
Nettoäquivalenzeinkommen, Medianknapp 25.900 Euro (ohne Berlin)gut 28.100 Euro (ohne Berlin)gut 27.600 Euro2024
Armutsgefährdungsquote16,9 % (mit Berlin)15,1 % (ohne Berlin)15,5 %2024

³ Abgrenzung der Verdienststatistik: Der Westen umfasst bis 2006 Berlin-West, seit 2007 ganz Berlin; die neuen Länder sind seitdem ohne Berlin ausgewiesen. Hinweis zu den Verdiensten: In der Veröffentlichung zum Jubiläum 2025 nannte Destatis für 2024 noch 3.973 Euro (Ost) und 4.810 Euro (West mit Berlin). Die aktuelle Zeitreihe weist für 2024 inzwischen 3.955 Euro und 4.803 Euro aus. Das Verhältnis von rund 83 Prozent bleibt davon unberührt.

Mittlere Jahresverdienste und Mindestlohn

Auch beim Median, also dem mittleren Verdienst, zeigt sich der Abstand: Vollzeitbeschäftigte in den östlichen Bundesländern (ohne Berlin) kamen 2025 einschließlich Sonderzahlungen wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld auf 46.013 Euro brutto im Jahr, in den westlichen Bundesländern auf 55.435 Euro – ein Abstand von 9.422 Euro oder rund 83 Prozent des westdeutschen Werts (eigene Berechnung).

Von der Erhöhung des gesetzlichen Mindestlohns von 12,82 Euro auf 13,90 Euro zum 1. Januar 2026 war der Osten stärker betroffen. Nach einer Schätzung von Destatis auf Basis der Verdiensterhebung vom April 2025 betraf sie dort rund 14 Prozent der Beschäftigungsverhältnisse, im Westen rund 12 Prozent. Wie Berlin zugeordnet ist, nennt die Mitteilung nicht. Umgekehrt ist der Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern im Osten deutlich kleiner: Der unbereinigte Gender Pay Gap lag 2024 bei 5 Prozent, im Westen einschließlich Berlin bei 17 Prozent.

Haushaltseinkommen und Armutsgefährdung

Beim Nettoäquivalenzeinkommen, einem bedarfsgewichteten Haushaltseinkommen nach Steuern und Sozialabgaben, ist der Abstand kleiner als bei den Bruttolöhnen. Der Median stieg zwischen 2008 und 2024 in den östlichen Bundesländern um 65 Prozent auf knapp 25.900 Euro, in den westlichen um 46 Prozent auf gut 28.100 Euro (jeweils ohne Berlin). Der Osten erreicht damit rund 92 Prozent des Westwerts (eigene Berechnung). Die Armutsgefährdungsquote ist in den östlichen Ländern einschließlich Berlin seit 2008 von 22,9 auf 16,9 Prozent gesunken, im Westen dagegen von 12,8 auf 15,1 Prozent gestiegen.

Vermögen und Erbschaften: der größte Abstand

Am größten bleibt der Unterschied beim Vermögen. Der Vermögensaufbau begann im Osten nach 1990 von einem deutlich niedrigeren Niveau aus. Nach der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe besaßen Haushalte im Osten (mit Berlin-Ost) 1993 im Durchschnitt ein Nettogesamtvermögen von 37.900 Euro, im Westen (mit Berlin-West) 124.600 Euro. Bis 2018 hatten ostdeutsche Haushalte (mit Berlin) ihr Vermögen auf 88.000 Euro mehr als verdoppelt. Westdeutsche Haushalte (ohne Berlin) lagen mit 182.000 Euro aber immer noch um 107 Prozent darüber. Neuere Ost-West-Werte zum Vermögen enthält die Destatis-Übersicht zum Einheitsjubiläum 2025 nicht.

106,4 Mrd. €
steuerlich veranlagte Erbschaften und Schenkungen in den westlichen Ländern (2024)
6,8 Mrd. €
in den östlichen Ländern und Berlin (2024)
knapp 1.600 € / gut 400 €
pro Kopf in West bzw. Ost mit Berlin (2024)

Die Zahlen zu Erbschaften und Schenkungen erfassen nur Vermögen, das über den steuerlichen Freibeträgen lag und von den Finanzverwaltungen veranlagt wurde. Pro Kopf wurde im Westen damit fast viermal so viel übertragen wie im Osten einschließlich Berlin.

Arbeitsmarkt und Rente

Kaum eine Zahl steht so sehr für die Umbrüche nach 1990 wie die Arbeitslosenquote. In den neuen Ländern einschließlich Berlin stieg sie – bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen – von 10,2 Prozent im Jahr 1991 auf den Höchststand von 20,6 Prozent im Jahr 2005. Danach sank sie bis 2019 auf 7,1 Prozent. Seitdem ist sie wieder gestiegen, 2025 auf 8,6 Prozent. Im Westen (ohne Berlin) lag sie 2025 bei 6,4 Prozent. Der Abstand zwischen Ost und West ist damit von 9,6 Prozentpunkten im Jahr 2005 auf 2,2 Prozentpunkte geschrumpft (eigene Berechnung).

Häufig wird auch die Quote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen genannt, die etwas niedriger ausfällt: Danach lag die Arbeitslosenquote in Ostdeutschland (mit Berlin) 2005 bei 18,7 Prozent und 2025 bei 7,8 Prozent, in Westdeutschland bei 9,9 bzw. 5,9 Prozent (Quelle: bpb, Zahlen und Fakten). Beide Reihen sind korrekt – beim Vergleich kommt es darauf an, dieselbe Bezugsgröße zu verwenden.

Arbeitslosigkeit und Frauenerwerbstätigkeit in Ost und West
KennzahlOst (mit Berlin)West (ohne Berlin)DeutschlandBezugsjahr
Arbeitslosenquote²20,6 %11,0 %13,0 %2005 (Höchststand Ost)
Arbeitslosenquote²7,1 %5,1 %5,5 %2019 (Tiefstwert Ost)
Arbeitslosenquote²8,6 %6,4 %6,8 %2025
Registrierte Arbeitslose, Jahresdurchschnitt678.0712.270.0222.948.0922025
Erwerbstätigenquote von Frauen66 %54 %57 %1991
Erwerbstätigenquote von Frauen74 %74 %74 %2024

² Bezogen auf alle abhängigen zivilen Erwerbspersonen. Quelle: Statistik der Bundesagentur für Arbeit, „Arbeitslosigkeit im Zeitverlauf“, veröffentlicht von Destatis (Stand: 9. Januar 2026). In ihren Monatsberichten nennt die Bundesagentur meist die Quote bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, die – weil sie auch Selbstständige einbezieht – niedriger ausfällt. Im August 2026 lag sie bundesweit bei 6,5 Prozent (3.061.000 Arbeitslose). Werte beider Berechnungsarten lassen sich nicht direkt miteinander vergleichen.

Erwerbstätigkeit von Frauen: Der Westen hat aufgeholt

Bei der Erwerbstätigkeit von Frauen verlief die Angleichung in umgekehrter Richtung. 1991 waren in den östlichen Ländern einschließlich Berlin zwei Drittel der Frauen erwerbstätig (66 Prozent), im Westen etwas mehr als die Hälfte (54 Prozent). Im Osten ging die Quote in den 1990er-Jahren zurück und erreichte erst Ende der 2000er-Jahre wieder das Niveau von 1991; im Westen stieg sie seit den 2000er-Jahren an. 2024 lag sie in beiden Landesteilen bei 74 Prozent.

Rente: einheitlicher Rentenwert seit 2023

Bei der gesetzlichen Rente ist die rechnerische Angleichung abgeschlossen. Seit dem 1. Juli 2023 gilt in ganz Deutschland ein einheitlicher aktueller Rentenwert – ein Jahr früher, als es das Rentenüberleitungs-Abschlussgesetz vorsah. Zum 1. Juli 2026 stiegen die Renten laut Bundesarbeitsministerium um 4,24 Prozent. Der aktuelle Rentenwert beträgt seitdem nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung 42,52 Euro. Das ist der Monatsbetrag, den ein Jahr Beitragszahlung auf Durchschnittsverdienst in der Rente wert ist.

1. Juli 2023
Der aktuelle Rentenwert ist in Ost und West erstmals einheitlich.
1. Januar 2024
Letztes Jahr mit getrennten Rechengrößen: Beitragsbemessungsgrenze West 7.550 Euro, Ost 7.450 Euro im Monat.
1. Januar 2025
Beitragsbemessungsgrenze (8.050 Euro) und Bezugsgröße (3.745 Euro) gelten bundesweit einheitlich.
1. Januar 2026
Einheitliche Beitragsbemessungsgrenze von 8.450 Euro im Monat; gesetzlicher Mindestlohn 13,90 Euro.
1. Juli 2026
Rentenanpassung um 4,24 Prozent; aktueller Rentenwert 42,52 Euro.

Ein einheitlicher Rentenwert bedeutet nicht, dass die ausgezahlten Renten gleich hoch sind. Die Rentenhöhe hängt von den individuellen Erwerbsbiografien und Verdiensten ab, die sich in Ost und West weiterhin unterscheiden.

Führungspositionen und Einstellungen

Ostdeutsche in Führungspositionen

Wie stark Ostdeutsche in Spitzenpositionen vertreten sind, misst der Elitenmonitor. Die Langzeituntersuchung wurde von der Ostbeauftragten der Bundesregierung angestoßen und wird von den Universitäten Leipzig und Jena sowie der Hochschule Zittau/Görlitz durchgeführt. Untersucht wurden rund 3.000 Spitzenpositionen in zwölf Sektoren. Die im September 2025 veröffentlichten Ergebnisse zeigen einen leichten Anstieg, aber weiterhin eine deutliche Unterrepräsentation.

12,1 %
Anteil Ostdeutscher an Führungspositionen über alle Sektoren (2024; 2018: 10,9 %)
ca. 20 %
Anteil Ostdeutscher an der Bevölkerung (laut der Ostbeauftragten)
15,5 %
Anteil Ostdeutscher an Führungsebenen der Bundesverwaltung (2025; 2022: 13,9 %)

Zwischen den Bereichen unterscheiden sich die Werte stark. In der Politik stieg der Anteil von 19,9 Prozent (2018) auf 21,4 Prozent (2024), in der Verwaltung von 9,8 auf 12,7 Prozent. In der Wirtschaft sank er dagegen von 5,1 auf 4,0 Prozent, in der Kultur von 9,3 auf 6,8 Prozent. Nach welchen Kriterien eine Person als ostdeutsch gilt, nennt die Kurzdarstellung der Ergebnisse nicht.

Zufriedenheit mit der Demokratie

Der Deutschland-Monitor, eine jährliche Studie, die von der Ostbeauftragten der Bundesregierung veröffentlicht wird, untersucht politische und gesellschaftliche Einstellungen in Ost und West. Er wird vom Zentrum für Sozialforschung Halle, der Universität Jena und dem Leibniz-Institut für Sozialwissenschaften (GESIS) erstellt. Für den im Februar 2026 veröffentlichten Deutschland-Monitor 2025 wurden vom 23. April bis 30. Mai 2025 bundesweit 4.005 Menschen telefonisch befragt. Hinzu kam eine regionale Vertiefungsstudie mit 4.018 Befragten.

98 %
Zustimmung zur Idee der Demokratie, bundesweit (2025)
60 %
zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie, bundesweit (2025)
51 %
zufrieden mit dem Funktionieren der Demokratie in Ostdeutschland (2025; 2023: 43 %)

Die Idee der Demokratie findet also fast einhellig Zustimmung. Mit ihrem Funktionieren sind in Ostdeutschland weniger Menschen zufrieden als im Bundesdurchschnitt, der Anteil ist aber seit 2023 deutlich gestiegen. Im Deutschland-Monitor 2023 waren im Westen 59 Prozent sehr oder eher zufrieden. Damals gaben zudem 19 Prozent der Ostdeutschen und 8 Prozent der Westdeutschen an, sich „abgehängt“ zu fühlen.

Die persönliche Bilanz der Wiedervereinigung fällt nach dem Deutschland-Monitor 2025 mehrheitlich positiv aus. Der Anteil der Menschen in Ostdeutschland, die eher Nachteile der Einheit für Ostdeutschland sehen, ist allerdings von 26 Prozent (2023) auf 37 Prozent (2025) gestiegen. Zwischen strukturstarken und strukturschwachen Regionen Westdeutschlands unterscheiden sich die Einstellungen laut der Studie kaum. In strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands sind dagegen die Skepsis gegenüber Veränderungen überdurchschnittlich groß und die politische Unterstützung besonders gering.

Hinweis zu Umfragewerten

Die Kurzdarstellungen des Deutschland-Monitors geben nicht an, ob Berlin zum Osten oder zum Westen gezählt wird. Einen aktuellen, bundesweit erhobenen Wert zum oft zitierten Gefühl, „Bürger zweiter Klasse“ zu sein, weisen die öffentlich zugänglichen Zusammenfassungen nicht aus. Deshalb nennen wir hier keine Zahl dazu. Umfrageergebnisse unterliegen zudem statistischen Schwankungen und hängen von der Frageformulierung ab.

Einordnung: Was die Zahlen zeigen – und was nicht

36 Jahre nach der Wiedervereinigung ergibt die Statistik kein einheitliches Bild. Man kann drei Gruppen von Kennzahlen unterscheiden:

Weitgehend angeglichen

Rentenwert und Rechengrößen der Rentenversicherung, Erwerbstätigenquote von Frauen, Lebenserwartung von Frauen und die Wanderungsbilanz zwischen Ost und West, die seit Mitte der 2010er-Jahre nahezu ausgeglichen ist.

Deutlich angenähert

Löhne (rund 83 Prozent des Westniveaus), Produktivität (rund 85 Prozent ohne Berlin), Haushaltseinkommen und Arbeitslosigkeit, deren Abstand sich seit 2005 mehr als halbiert hat.

Großer Abstand

Vermögen und Erbschaften, der Anteil Ostdeutscher in Führungspositionen, die Altersstruktur und das BIP je Einwohner der ostdeutschen Flächenländer mit rund 72 Prozent des Westwerts.

In manchen Bereichen liegt der Osten sogar vorn, etwa beim deutlich geringeren Verdienstabstand zwischen Frauen und Männern. Vieles erklärt die Ausgangslage von 1990: Viele Betriebe der DDR-Planwirtschaft waren nicht wettbewerbsfähig, der wirtschaftliche Umbruch führte zu hoher Arbeitslosigkeit, und der Aufbau privater Vermögen begann im Osten von einem niedrigen Niveau aus.

Methodische Hinweise

  • Abgrenzung: Ob Berlin zum Osten, zum Westen oder zu keinem der beiden Teile gezählt wird, unterscheidet sich je nach Statistik. Vergleichen Sie deshalb nur Werte mit gleicher Abgrenzung.
  • Datenstand: Amtliche Daten erscheinen mit Verzögerung. Für viele Kennzahlen ist 2025 das jüngste verfügbare Jahr, für einige 2024 oder – beim Vermögen – 2018. Spätere Revisionen können Werte leicht verändern.
  • Nominalwerte: Alle Euro-Beträge sind nicht um regionale Preisunterschiede bereinigt.
  • Eigene Berechnungen: Die Ost-West-Quoten für BIP und Produktivität 2025 sowie die Prozentvergleiche bei den Verdiensten haben wir aus amtlichen Einzelwerten berechnet und gerundet.

Wer die Geschichte hinter den Zahlen kennenlernen möchte, findet auf der Startseite einen Überblick über die Deutsche Einheit. Warum der 3. Oktober als Nationalfeiertag gilt, erklärt die Seite zum Feiertag am 3. Oktober.

Quellen und weiterführende Links

Alle Angaben auf dieser Seite haben wir anhand der folgenden Quellen geprüft (Stand: 19. September 2026). Maßgeblich sind im Zweifel die Angaben der jeweiligen Herausgeber.

Häufig gestellte Fragen: Ost und West in Zahlen

Die wichtigsten Antworten im Überblick

Laut Statistischem Bundesamt verdienten Vollzeitbeschäftigte 2025 in den östlichen Ländern (ohne Berlin) durchschnittlich 4.121 Euro brutto im Monat, im Westen einschließlich Berlin 4.961 Euro. Der Osten erreicht damit rund 83 Prozent des Westniveaus, die Lücke beträgt 840 Euro im Monat (eigene Berechnung). 1991 hatte der Osten mit 924 zu 1.987 Euro noch nicht einmal die Hälfte erreicht.

Nach unserer Berechnung auf Basis der amtlichen Länderdaten für 2025 lag das Bruttoinlandsprodukt je Einwohner in den östlichen Flächenländern bei rund 72 Prozent des westdeutschen Werts (jeweils ohne Berlin). Zählt man Berlin zum Osten, sind es rund 80 Prozent. Bei der Produktivität je Erwerbstätigen ist der Abstand kleiner: rund 85 Prozent ohne Berlin.

Ja, aber der Abstand ist deutlich kleiner geworden. Bezogen auf die abhängigen zivilen Erwerbspersonen lag die Arbeitslosenquote 2025 in den neuen Ländern einschließlich Berlin bei 8,6 Prozent und im Westen (ohne Berlin) bei 6,4 Prozent. Im Rekordjahr 2005 waren es im Osten 20,6 Prozent und im Westen 11,0 Prozent.

Der aktuelle Rentenwert ist seit dem 1. Juli 2023 in ganz Deutschland gleich. Seit dem 1. Juli 2026 beträgt er nach einer Erhöhung um 4,24 Prozent 42,52 Euro. Seit 2025 gelten auch Beitragsbemessungsgrenze und Bezugsgröße bundesweit einheitlich. Die ausgezahlten Renten können trotzdem unterschiedlich hoch sein, weil sie von den individuellen Erwerbsbiografien abhängen.

Zwischen 1991 und 2024 zogen nach Destatis rund 1,2 Millionen Menschen mehr von Ost nach West als umgekehrt. Der Großteil dieser Abwanderung fiel in die Jahre bis 2010. Von 2017 bis 2022 gewann der Osten erstmals Einwohner aus dem Westen hinzu (Saldo plus 18.000), 2023 und 2024 überwogen wieder leicht die Fortzüge.

Berlin hat eine deutlich höhere Wirtschaftsleistung je Einwohner als die ostdeutschen Flächenländer und besteht aus einem früheren Ost- und Westteil. Je nach Statistik wird die Stadt dem Osten, dem Westen oder keinem Teil zugerechnet. Beim BIP je Einwohner macht das 2025 rund acht Prozentpunkte aus (eigene Berechnung). Vergleichen Sie deshalb nur Zahlen mit gleicher Abgrenzung.

Laut Elitenmonitor waren 2024 über alle untersuchten Sektoren 12,1 Prozent der Spitzenpositionen mit Ostdeutschen besetzt, 2018 waren es 10,9 Prozent. Ihr Anteil an der Bevölkerung liegt bei etwa 20 Prozent. In der Bundesverwaltung stieg der Anteil von 13,9 Prozent (2022) auf 15,5 Prozent (2025).

Nach dem Deutschland-Monitor 2025 stimmen bundesweit 98 Prozent der Idee der Demokratie zu. Mit ihrem Funktionieren sind bundesweit 60 Prozent zufrieden, in Ostdeutschland 51 Prozent. Der ostdeutsche Wert ist seit 2023 (43 Prozent) deutlich gestiegen.

Das hängt vom Geschlecht ab. Nach der Sterbetafel 2023/2025 haben Männer in Sachsen-Anhalt (76,37 Jahre) und Mecklenburg-Vorpommern (76,76 Jahre) die niedrigste Lebenserwartung aller Länder. Frauen in Sachsen erreichen mit 84,23 Jahren dagegen den zweithöchsten Wert nach Baden-Württemberg.