Die Ursachen des Mauerfalls
Eine Kombination aus inneren und äußeren Faktoren
Von der Friedlichen Revolution zur politischen Wende
Der Mauerfall war kein spontanes Ereignis, sondern das Ergebnis einer komplexen Kombination von politischen, gesellschaftlichen und internationalen Entwicklungen. Die Ursachen reichen von der wachsenden Unzufriedenheit der DDR ➜-Bevölkerung bis hin zu den grundlegenden Veränderungen in der Sowjetunion unter Michail Gorbatschow.
Die Friedliche Revolution
Die wichtigste Ursache für den Mauerfall war die Friedliche Revolution ➜, die sich seit Anfang 1989 in der DDR entwickelte. Die Menschen gingen auf die Straße, um politische Reformen, Reisefreiheit und demokratische Rechte zu fordern.
Entwicklung der Friedlichen Revolution
Die Montagsdemonstrationen entwickelten sich zum zentralen Element der Friedlichen Revolution. Was am 4. September 1989 mit rund 1.200 Menschen in Leipzig begann, wurde zu einer landesweiten Bewegung mit Hunderttausenden Teilnehmern. Der Ruf „Wir sind das Volk!“, in Leipzig erstmals am 2. Oktober 1989 zu hören, hallte bald durch die ganze DDR.
Internationale Entwicklungen
Parallel zu den inneren Entwicklungen in der DDR veränderte sich auch die internationale Lage grundlegend. Diese äußeren Faktoren waren entscheidend dafür, dass die Friedliche Revolution erfolgreich war.
Gorbatschows Reformen
Die Politik von Michail Gorbatschow mit den Schlagworten Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) veränderte die Rahmenbedingungen für die Entwicklungen in Osteuropa fundamental. Erstmals seit Jahrzehnten signalisierte die sowjetische Führung, dass sie nicht mehr bereit war, die kommunistischen Regime in Osteuropa mit militärischer Gewalt zu stützen.
Die Sinatra-Doktrin
Unter Gorbatschow rückte die Sowjetunion von der Breschnew-Doktrin ab, die ein Eingreifen in sozialistischen „Bruderstaaten“ rechtfertigte. Sein Außenamtssprecher Gennadi Gerassimow sprach am 25. Oktober 1989 scherzhaft von der „Sinatra-Doktrin“ – in Anspielung auf Frank Sinatras Lied „My Way“. Die osteuropäischen Länder sollten ihren eigenen Weg gehen dürfen, ohne sowjetische Intervention befürchten zu müssen.
Der Eiserne Vorhang bröckelt
Der Abbau der Grenzanlagen an der ungarisch-österreichischen Grenze ab dem 2. Mai 1989 war ein entscheidender Katalysator. Tausende DDR-Bürger versuchten, über Ungarn in den Westen zu gelangen; am 11. September 1989 öffnete Ungarn seine Westgrenze schließlich offiziell für DDR-Bürger. Das verstärkte den Druck auf die DDR-Führung erheblich.
Politische Krise in der DDR
Die DDR-Führung unter Erich Honecker reagierte zunächst mit Härte auf die wachsenden Proteste. Doch die Situation geriet zunehmend außer Kontrolle, und innerhalb der SED-Führung wuchsen die Zweifel an der bisherigen Politik.
Honeckers Sturz
Am 18. Oktober 1989 wurde Erich Honecker von Politbüromitgliedern zum Rücktritt gedrängt; offiziell trat er „aus gesundheitlichen Gründen“ als Generalsekretär der SED zurück. Sein Nachfolger Egon Krenz übernahm auch die Ämter des Staatsratsvorsitzenden und des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Krenz versprach eine „Wende“ und Reformen, konnte aber das Vertrauen der Bevölkerung nicht mehr zurückgewinnen.
Die neue Führung stand vor einem unlösbaren Dilemma: Einerseits musste sie auf die Forderungen der Bevölkerung reagieren, andererseits gefährdete jede Reform die Existenz des SED-Staates.
Chronologie des 9. November 1989
9. November 1989
Stunde für Stunde zum historischen Moment
Der 9. November 1989 begann als ein ganz normaler Donnerstag und endete als einer der bedeutendsten Tage der deutschen Geschichte. Die Ereignisse überschlugen sich in wenigen Stunden, und am Ende war die Berliner Mauer Geschichte.
Die verhängnisvolle Pressekonferenz
Der Schlüsselmoment des Tages war die Pressekonferenz von Günter Schabowski, die um 18:00 Uhr begann. Das SED-Politbüromitglied informierte die Presse über die Beratungen des Zentralkomitees und sollte dabei auch eine neue Reiseregelung bekannt geben – doch seine missverständliche Antwort auf eine Nachfrage veränderte den Lauf der Geschichte.
Stunde für Stunde: Der 9. November 1989
Der entscheidende Moment
Als Günter Schabowski kurz vor 19 Uhr gefragt wurde, wann die neue Reiseregelung in Kraft trete, blätterte er in seinen Papieren und antwortete zögerlich: „Das tritt nach meiner Kenntnis … ist das sofort, unverzüglich.“
Diese wenigen Worte setzten eine Lawine in Gang. Obwohl die Regelung erst am nächsten Tag bekannt gegeben werden sollte und Ausreisen weiterhin nur nach Antrag und Genehmigung vorsah, interpretierten die Medien und die Bevölkerung Schabowskis Aussage als sofortige Grenzöffnung.
Die Nacht der Entscheidung
Nach der Pressekonferenz entwickelten sich die Ereignisse mit unglaublicher Geschwindigkeit. Die Nachricht von der angeblichen Grenzöffnung verbreitete sich über Radio und Fernsehen in Windeseile.
Der Ansturm auf die Grenzübergänge
Bereits ab etwa 20:30 Uhr sammelten sich Menschen vor dem Grenzübergang Bornholmer Straße. Zunächst waren es nur wenige Dutzend, doch die Menge wuchs schnell auf Hunderte und später auf Tausende an.
Die Grenzposten waren völlig überfordert. Sie hatten keine Anweisungen für eine solche Situation erhalten und wussten nicht, wie sie reagieren sollten. Oberstleutnant Harald Jäger, stellvertretender Leiter der Passkontrolleinheit der Staatssicherheit und an diesem Abend diensthabender Leiter am Übergang, stand vor einer schwierigen Entscheidung.
Die Rolle der Medien
West-Berliner Radiosender und das Fernsehen berichteten live von den Ereignissen und verstärkten den Ansturm auf die Grenzübergänge.
Spontane Solidarität
West-Berliner eilten zu den Grenzübergängen, um die DDR-Bürger zu begrüßen und zu unterstützen.
Grenzsoldaten im Dilemma
Die Grenztruppen standen zwischen den widersprüchlichen Signalen aus Ost-Berlin und dem Druck der Massen.
Die historische Entscheidung
Zunächst ließ die Passkontrolle nur einzelne Personen ausreisen und machte deren Pässe ungültig – sie sollten nicht zurückkehren dürfen. Als die Lage immer bedrohlicher wurde, meldete Jäger nach der Rekonstruktion des Historikers Hans-Hermann Hertle gegen 23:30 Uhr seinem Vorgesetzten: „Es ist nicht mehr zu halten, wir müssen die GÜST aufmachen.“ (GÜST: Grenzübergangsstelle). Ohne entsprechenden Befehl ließ er die Kontrollen einstellen und den Übergang öffnen. Tausende DDR-Bürger passierten nun ohne Kontrolle die Grenze nach West-Berlin.
Dieser Moment gilt als der eigentliche Mauerfall. Bis kurz nach Mitternacht waren auch alle anderen innerstädtischen Berliner Grenzübergänge geöffnet. Die Mauer stand zwar noch, hatte aber ihre trennende Funktion verloren; ihr offizieller Abriss begann am 13. Juni 1990.
Schlüsselmomente der historischen Nacht
Die Stunden, die Geschichte schrieben
Emotionen, Tränen und unglaubliche Freude
Die Nacht vom 9. auf den 10. November 1989 war geprägt von unbeschreiblichen Emotionen. Familien, die jahrzehntelang getrennt waren, fielen sich in die Arme. Fremde Menschen umarmten sich auf der Straße. Es war eine Nacht voller Tränen der Freude und der Hoffnung.
Die ersten Schritte in die Freiheit
Die ersten DDR-Bürger, die die Grenze passieren durften, konnten ihr Glück kaum fassen. Viele hatten seit dem Mauerbau 1961 nicht mehr auf der anderen Seite gestanden. Ihre ersten Schritte nach West-Berlin wurden zu historischen Momenten.
Emotionale Wiedersehen
Besonders bewegend waren die spontanen Familienzusammenführungen. Menschen, die sich seit Jahren oder sogar Jahrzehnten nicht gesehen hatten, standen sich plötzlich wieder gegenüber. Diese Szenen gingen um die Welt und wurden zum Symbol für die Überwindung der deutschen Teilung und die Wiedervereinigung ➜.
Spontane Hilfsbereitschaft
Die Solidarität der West-Berliner war überwältigend. Viele eilten sofort zu den Grenzübergängen, um die DDR-Bürger zu begrüßen. In den folgenden Tagen standen die Besucher Schlange, um das Begrüßungsgeld der Bundesrepublik von 100 D-Mark abzuholen; in West-Berlin hatten die auszahlenden Banken dafür zeitweise sogar nachts geöffnet.
Viele West-Berliner empfingen die DDR-Besucher mit Blumen, Sekt und kleinen Geschenken. Diese spontane Hilfsbereitschaft prägte das Bild der historischen Nacht und wurde zum Sinnbild der Verbundenheit zwischen Ost und West.
Die Mauer wird attackiert
Bereits in der Nacht und in den Tagen danach begannen Menschen damit, die Berliner Mauer physisch zu attackieren. Mit Hämmern, Meißeln und bloßen Händen schlugen sie Stücke aus der Betonbarriere. Die „Mauerspechte“ wurden zu einem Symbol für den Bürgerwillen, die Teilung endgültig zu überwinden.
Das berühmte Brandenburger Tor
Das Brandenburger Tor, das seit 1961 im Sperrgebiet lag und für normale Bürger nicht zugänglich war, wurde zum Zentrum der Feierlichkeiten. Zwischen 1 und 2 Uhr nachts überwanden Tausende die Mauer vor dem Tor, kletterten auf den Betonwall und liefen über den Pariser Platz. Ein regulärer Grenzübergang am Brandenburger Tor wurde erst am 22. Dezember 1989 eröffnet.
Die Bilder von Menschen, die auf der Mauer tanzten und feierten, während im Hintergrund das Brandenburger Tor zu sehen war, gingen um die Welt und wurden zu den ikonischen Aufnahmen des Mauerfalls.
Chaos und Ordnung
Die Situation war vielerorts chaotisch, verlief aber weitgehend friedlich. Grenzposten und Polizei auf beiden Seiten waren von den Ereignissen überrascht und oft überfordert – die Nacht war vor allem von Freude und Erleichterung geprägt.
Organisation im Chaos
Trotz der chaotischen Umstände entwickelte sich schnell eine Art spontane Organisation. Um den Andrang zu bewältigen, wurden in den folgenden Tagen zahlreiche neue Grenzübergänge geschaffen und dafür Breschen in die Mauer geschlagen.
Auch der Nahverkehr stellte sich auf den Ansturm ein: Die West-Berliner Verkehrsbetriebe setzten zusätzliche Busse ein und ließen in der Nacht zum 10. November mehrere U-Bahn-Linien sowie die S-Bahn durchgehend fahren. In den folgenden Tagen kam es in West-Berlin und in den grenznahen Gebieten dennoch zu kilometerlangen Staus.
Die Nacht ohne Schlaf
Viele Berliner – sowohl im Osten als auch im Westen – schliefen in dieser historischen Nacht nicht. Sie wollten jeden Moment dieses einmaligen Ereignisses bewusst miterleben und Teil der Geschichte werden.
Folgen und Auswirkungen des Mauerfalls
Vom Mauerfall zur Wiedervereinigung
Knapp elf Monate, die Deutschland veränderten
Der Mauerfall war nur der Anfang eines rasanten Transformationsprozesses. Innerhalb von knapp elf Monaten führte der Weg vom Fall der Mauer zur Wiedervereinigung Deutschlands am 3. Oktober 1990.
Politische Folgen
Der Mauerfall beschleunigte eine politische Entwicklung, die nicht nur die DDR, sondern ganz Osteuropa erfasste. In Polen und Ungarn hatte der Umbruch bereits zuvor begonnen; nach dem Fall der Berliner Mauer brachen auch in weiteren Staaten Osteuropas die kommunistischen Regime zusammen.
Das Ende der DDR
Nach dem Mauerfall konnte die SED-Führung ihre Macht nicht mehr aufrechterhalten. Bereits am 7. November 1989 war die Regierung unter Willi Stoph zurückgetreten; neuer Ministerpräsident wurde Hans Modrow. Anfang Dezember 1989 trat Egon Krenz als SED-Generalsekretär (3. Dezember) und als Staatsratsvorsitzender (6. Dezember) zurück. Am 18. März 1990 fanden die ersten freien Wahlen zur Volkskammer statt.
Diese Wahlen brachten eine klare Mehrheit für die Parteien, die eine schnelle Wiedervereinigung anstrebten. Die CDU-geführte „Allianz für Deutschland“ erhielt 48 Prozent der Stimmen. Am 12. April 1990 wählte die Volkskammer Lothar de Maizière (CDU) zum Ministerpräsidenten; seine Koalitionsregierung führte die DDR in die Einheit.
Der Weg zur Deutschen Einheit
Internationale Auswirkungen
Der Mauerfall hatte weitreichende internationale Konsequenzen. Er beschleunigte das Ende des Kalten Krieges; 1991 lösten sich der Warschauer Pakt und schließlich auch die Sowjetunion auf.
1989 kam es in Polen, Ungarn, der Tschechoslowakei, Bulgarien und Rumänien zu tiefgreifenden Umbrüchen, die das Ende der kommunistischen Herrschaft einleiteten – überwiegend friedlich, in Rumänien jedoch gewaltsam. Der „Eiserne Vorhang“ verschwand endgültig.
Gesellschaftliche Transformation
Die gesellschaftlichen Auswirkungen des Mauerfalls waren ebenso tiefgreifend wie die politischen. Millionen von Menschen mussten sich an völlig neue Lebensbedingungen anpassen.
Familienzusammenführungen
Eine der bewegendsten Folgen des Mauerfalls waren die zahllosen Familienzusammenführungen. Familien, die seit Jahrzehnten getrennt waren, konnten sich endlich wiedersehen. Viele dieser Wiedersehen wurden zu emotionalen Höhepunkten der Wendezeit.
Reisefreiheit
Erstmals seit 1961 konnten DDR-Bürger frei reisen. Millionen nutzten diese Möglichkeit für Verwandtenbesuche und Ausflüge.
Neue Perspektiven
Besonders junge Menschen sahen plötzlich völlig neue Lebensperspektiven und Möglichkeiten vor sich.
Kultureller Austausch
Der Austausch zwischen Ost und West führte zu einer Bereicherung der deutschen Kultur und Gesellschaft.
Wirtschaftliche Herausforderungen
Die wirtschaftliche Transformation der DDR war eine der größten Herausforderungen der Nachwendezeit. Die DDR-Wirtschaft war nicht konkurrenzfähig und brach nach der Öffnung weitgehend zusammen.
Millionen von Menschen verloren ihre Arbeitsplätze, ganze Industriezweige verschwanden. Gleichzeitig entstanden aber auch neue Chancen und Möglichkeiten. Der Aufbau einer modernen Wirtschaftsstruktur in Ostdeutschland wurde zu einem gigantischen Transformationsprojekt.
Langfristige Auswirkungen
Die Auswirkungen des Mauerfalls sind bis heute spürbar. Das vereinte Deutschland gewann in Europa an Gewicht, und die friedliche Überwindung der Teilung gilt vielen als Beispiel für einen gelungenen Wandel.
Deutschland in Europa
Das wiedervereinigte Deutschland gilt als ein Motor der europäischen Integration. Die Erfahrungen der Wiedervereinigung flossen in die europäischen Integrationsprozesse ein und stärkten Deutschlands Rolle in der EU.
Gleichzeitig wurde Deutschland zu einem wichtigen Partner bei der Transformation Osteuropas und unterstützte die ehemaligen kommunistischen Länder auf ihrem Weg in die EU und NATO.
Weltweite Reaktionen auf den Mauerfall
Internationale Reaktionen
Von Washington bis Moskau – ein historischer Moment
Der Mauerfall wurde weltweit mit Begeisterung und Erleichterung aufgenommen. Die Bilder der feiernden Menschen in Berlin gingen um die Welt und wurden zum Symbol für Freiheit und Demokratie.
Reaktionen der Weltmächte
Die Reaktionen der Supermächte fielen unterschiedlich aus, aber alle erkannten die welthistorische Bedeutung des Ereignisses.
USA: Vorsichtige Freude
Präsident George H. W. Bush reagierte zunächst verhalten auf den Mauerfall. Er wollte Gorbatschow nicht provozieren und die Entwicklungen nicht gefährden. Vor Journalisten im Weißen Haus erklärte er am 9. November 1989, er sei über die Entwicklung „sehr erfreut“ („very pleased“); auf die Frage nach seiner zurückhaltenden Reaktion antwortete er: „I am not an emotional kind of guy.“
Die amerikanische Öffentlichkeit war weniger zurückhaltend. Die Medien feierten den Mauerfall als Triumph der westlichen Werte und als Bestätigung der amerikanischen Politik im Kalten Krieg.
Sowjetunion: Pragmatische Akzeptanz
Michail Gorbatschow akzeptierte die Entwicklungen, obwohl sie seine eigenen Pläne für eine Reform des Sozialismus zunichtemachten. Ein militärisches Eingreifen hätte seine Reformpolitik und die Annäherung an den Westen gefährdet.
Großbritannien und Frankreich: Geteilte Gefühle
Die Reaktionen der europäischen Verbündeten waren gemischt. Während die Öffentlichkeit den Mauerfall feierte, hatten einige Politiker Sorgen vor einem zu mächtigen Deutschland.
Premierministerin Margaret Thatcher äußerte zunächst Bedenken, während Präsident François Mitterrand die Entwicklungen mit einer Mischung aus Freude und Sorge betrachtete.
Mediale Berichterstattung
Die internationale Medienberichterstattung über den Mauerfall war überwältigend. Fernsehstationen aus aller Welt sendeten live aus Berlin und übertrugen die historischen Bilder in die ganze Welt.
Ikonen der Berichterstattung
Einige Bilder und Berichte vom Mauerfall wurden zu Ikonen der Mediengeschichte. Besonders die Aufnahmen von Menschen, die mit Hämmern und Meißeln auf die Mauer einschlugen, gingen um die Welt.
Die Live-Berichterstattung verstärkte die Emotionalität der Ereignisse und machte Millionen von Menschen zu Zeugen der Geschichte.
Live-Berichterstattung
Internationale Fernsehsender berichteten live aus Berlin und machten den Mauerfall zu einem weltweiten Medienereignis.
Symbolkraft
Die Bilder vom Mauerfall wurden zu universellen Symbolen für Freiheit und die Überwindung von Teilung.
Globale Reichweite
Die Bilder aus Berlin wurden rund um den Globus ausgestrahlt und von einem Millionenpublikum verfolgt.
Auswirkungen auf andere geteilte Länder
Der Mauerfall hatte auch Auswirkungen auf andere geteilte Länder und Regionen. Er wurde zum Symbol dafür, dass scheinbar unüberwindbare Teilungen doch überwunden werden können.
Korea: Hoffnung und Enttäuschung
In Südkorea weckte der Mauerfall große Hoffnungen auf eine ähnliche Entwicklung. Viele Menschen hofften, dass auch die koreanische Teilung bald überwunden werden könnte. Diese Hoffnungen haben sich bis heute nicht erfüllt, aber der Mauerfall bleibt ein wichtiger Bezugspunkt für koreanische Wiedervereinigungsbestrebungen.
Andere Konflikte
Auch in anderen Konfliktregionen wurde der Mauerfall als Inspiration und Hoffnungszeichen gesehen. Von Irland bis zum Nahen Osten sahen manche Menschen in der friedlichen Überwindung der deutschen Teilung ein Hoffnungszeichen für die Lösung ihrer eigenen Konflikte.
Die historische Bedeutung des Mauerfalls
Mehr als nur ein deutscher Moment
Welthistorische Bedeutung für Freiheit und Demokratie
Der Mauerfall war weit mehr als nur ein deutsches Ereignis. Er markierte das Ende einer Epoche und den Beginn einer neuen Weltordnung. Seine Bedeutung reicht weit über Deutschland hinaus und wirkt bis heute nach.
Symbol der Freiheit
Der Mauerfall wurde zum universellen Symbol für die Überwindung von Unterdrückung und die Macht des Bürgermutes. Die Bilder der feiernden Menschen wurden zu Ikonen der Freiheitsbewegungen weltweit.
Friedliche Revolution als Vorbild
Die Art, wie die deutsche Teilung überwunden wurde – ohne Gewalt, durch Bürgermut und internationale Verständigung –, gilt vielen als Vorbild für friedlichen politischen Wandel.
Die Ereignisse in der DDR waren Teil einer Welle friedlicher Umbrüche in Mittel- und Osteuropa: Nur gut eine Woche nach dem Mauerfall begann am 17. November 1989 die Samtene Revolution in der Tschechoslowakei.
Ende der ideologischen Konfrontation
Der Mauerfall markierte das Ende der ideologischen Konfrontation zwischen Ost und West, die das 20. Jahrhundert geprägt hatte. Viele verbanden damit die Hoffnung auf eine neue, kooperative Weltordnung.
Das Ende der Geschichte?
Der amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama hatte bereits im Sommer 1989 in dem Aufsatz „The End of History?“ die These vom „Ende der Geschichte“ formuliert – dem Sieg der liberalen Demokratie als politisches Ordnungsmodell. Nach dem Ende des Kalten Krieges baute er sie 1992 zu einem Buch aus. Die These ist seither vielfach kritisiert worden, steht aber für die Aufbruchstimmung jener Jahre.
Lehren für die Zukunft
Der Mauerfall lehrt uns wichtige Lektionen über die Macht der Zivilgesellschaft und die Möglichkeit des friedlichen Wandels auch unter schwierigsten Bedingungen.
Bedeutung des Bürgermuts
Die Friedliche Revolution zeigte, dass gewöhnliche Menschen Geschichte machen können. Die mutigen Demonstranten in Leipzig und anderen Städten bewiesen, dass Diktaturen nicht unüberwindlich sind, wenn die Menschen den Mut haben, für ihre Rechte einzustehen.
Internationale Solidarität
Der Mauerfall zeigte auch die Bedeutung internationaler Solidarität und Verständigung. Die Veränderungen in der Sowjetunion und die Unterstützung der westlichen Demokratien gelten als wichtige Voraussetzungen für den Erfolg der Friedlichen Revolution.
Vermächtnis für heute
Fast 37 Jahre nach dem Mauerfall ist sein Vermächtnis weiterhin aktuell. In einer Zeit, in der Demokratie und Freiheit wieder unter Druck stehen, erinnert der Mauerfall daran, dass diese Werte nicht selbstverständlich sind, aber verteidigt werden können.
Warnung vor neuen Mauern
Während die Berliner Mauer gefallen ist, entstehen weltweit neue Mauern und Barrieren. Der Mauerfall mahnt uns, dass Teilung keine Lösung für Konflikte ist und dass auch scheinbar dauerhafte Grenzen überwunden werden können.
Gleichzeitig zeigt er, dass scheinbar unlösbare Konflikte doch gelöst werden können, wenn der politische Wille vorhanden ist und die Menschen bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen.
Verpflichtung für die Demokratie
Das Vermächtnis des Mauerfalls ist eine Verpflichtung zur Verteidigung der Demokratie. Es erinnert uns daran, dass Freiheit und demokratische Rechte nicht selbstverständlich sind, sondern jeden Tag aufs Neue erarbeitet und verteidigt werden müssen.
In diesem Sinne ist der 9. November nicht nur ein Tag der Erinnerung an ein historisches Ereignis, sondern auch ein Tag des Nachdenkens über unsere Verantwortung für Freiheit und Demokratie heute.
Fazit: Ein Tag, der die Welt veränderte
Der 9. November 1989 war mehr als nur das Ende der Berliner Mauer – er war ein Wendepunkt der Weltgeschichte. An diesem Tag setzte sich der Wille der Menschen gegen die Diktatur durch, die Hoffnung gegen die Angst und die Freiheit gegen die Unterdrückung.
Der Mauerfall zeigt uns, dass Geschichte nicht nur von großen Führern gemacht wird, sondern von mutigen Menschen, die bereit sind, für ihre Überzeugungen einzustehen. Die Leipziger Demonstranten, die trotz Repression auf die Straße gingen, die Berliner, die in der historischen Nacht zu den Grenzübergängen strömten, und die unzähligen Menschen, die den Wandel vorantrieben – sie alle machten Geschichte.
Fast 37 Jahre später bleibt die Botschaft des Mauerfalls aktuell: Auch scheinbar unüberwindliche Mauern können fallen, und keine Teilung muss ewig dauern. Diese Botschaft gibt Hoffnung für alle, die auch heute noch unter Unterdrückung und Teilung leiden.
9. November 1989 – Für immer in unseren Herzen
Ein Tag der Hoffnung für die ganze Welt