Entstehung der DDR nach 1945
Von der Besatzungszone zum Staat
7. Oktober 1949: Gründung der DDR
Aus der sowjetischen Besatzungszone wird ein sozialistischer Staat
Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 war das Ergebnis der Spaltung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) entstand unter maßgeblichem sowjetischen Einfluss ein sozialistischer deutscher Staat.
Die sowjetische Besatzungszone
Nach der Kapitulation Deutschlands 1945 wurde das Gebiet der späteren DDR von der Roten Armee besetzt. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) übernahm die Verwaltung und leitete tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen ein.
Der Weg zur Staatsgründung
Die Bodenreform
Bereits im September 1945 begann die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone. Großgrundbesitzer mit mehr als 100 Hektar Land wurden entschädigungslos enteignet. Das Land wurde an Kleinbauern, Landarbeiter und Umsiedler verteilt.
Entstehung der SED
Ein entscheidender Schritt war die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 21./22. April 1946. Diese Fusion fand gegen den Willen vieler Sozialdemokraten statt und schuf die Grundlage für die spätere kommunistische Herrschaft.
Walter Ulbricht, der bereits aus dem Moskauer Exil zurückgekehrt war, spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau der kommunistischen Strukturen. Seine Gruppe Ulbricht hatte schon 1945 mit dem systematischen Aufbau einer kommunistischen Verwaltung begonnen.
Wirtschaftliche Transformation
Parallel zur politischen Neuordnung erfolgte die wirtschaftliche Transformation. Bis 1948 wurden über 9.000 Betriebe verstaatlicht oder in Volkseigentum überführt. Die Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild sollte die kapitalistische Marktwirtschaft ersetzen.
Die Verfassung von 1949
Die erste DDR-Verfassung vom 7. Oktober 1949 proklamierte die DDR als "demokratischen Staat deutscher Nation". Sie garantierte formell Grundrechte und Meinungsfreiheit, die in der Praxis jedoch nie verwirklicht wurden.
Die Verfassung sah ein Mehrparteiensystem vor, doch alle Parteien wurden in der Nationalen Front zusammengefasst und de facto von der SED kontrolliert. Die scheinbare Demokratie war von Beginn an eine Fassade für die kommunistische Einparteienherrschaft.
Politisches System und Führung
Diktatur des Proletariats
SED-Einparteienherrschaft 1949-1989
Führungsanspruch der Arbeiterklasse unter Parteiherrschaft
Das politische System der DDR war geprägt von der Diktatur der SED. Trotz formal demokratischer Institutionen lag alle Macht bei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und ihren führenden Funktionären.
Die SED als Staatspartei
Die SED war nicht nur eine Partei, sondern der alleinige Machthaber im Staat. Ihr Führungsanspruch wurde 1968 sogar in der neuen Verfassung festgeschrieben. Das Politbüro der SED traf alle wichtigen Entscheidungen, die formellen Staatsorgane setzten diese nur um.
Die großen Parteichefs
Walter Ulbricht (1950-1971)
Erster Parteichef der SED, prägte den Aufbau des Sozialismus und ordnete 1961 den Mauerbau an. Seine Ära war geprägt von Kollektivierung und ideologischer Härte.
Erich Honecker (1971-1989)
Führte die DDR 18 Jahre lang, proklamierte die "Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik" und erlebte den Niedergang des Systems.
Egon Krenz (1989)
Letzter SED-Chef, konnte den Zusammenbruch der DDR nicht mehr verhindern und musste nach wenigen Wochen zurücktreten.
Staatssicherheit - Die Stasi
Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), kurz Stasi genannt, war das wichtigste Machtinstrument der SED. Mit über 90.000 hauptamtlichen Mitarbeitern und schätzungsweise 189.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM) überwachte die Stasi die gesamte Bevölkerung.
Die Stasi sammelte systematisch Informationen über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Ihr Auftrag war es, "Feinde des Sozialismus" zu identifizieren und unschädlich zu machen. Dies führte zu einem Klima der Angst und des Misstrauens in der gesamten Gesellschaft.
Scheindemokratische Institutionen
Die DDR verfügte über formal demokratische Institutionen, die jedoch alle der SED untergeordnet waren. Die Volkskammer als Parlament hatte keine wirkliche Macht, da alle wichtigen Entscheidungen bereits im Politbüro getroffen wurden.
Wahlen in der DDR
Wahlen fanden zwar regelmäßig statt, waren aber reine Propaganda-Veranstaltungen. Es gab nur eine Einheitsliste der Nationalen Front, für die die Bürger mit "Ja" oder "Nein" stimmen konnten. Nein-Stimmen waren möglich, aber selten und mit Risiken verbunden.
Die Wahlbeteiligung lag offiziell immer bei über 99%, und die Zustimmung zur Einheitsliste bei über 98%. Diese Zahlen spiegelten nicht den wahren Volkswillen wider, sondern waren Ergebnis von Druck und Manipulation.
Blockparteien
Neben der SED existierten scheinbar unabhängige Parteien wie CDU, LDPD, NDPD und DBD. Diese Blockparteien waren jedoch völlig der SED untergeordnet und dienten nur zur Verschleierung der Einparteienherrschaft.
Demokratischer Zentralismus
Das Prinzip des Demokratischen Zentralismus bestimmte alle politischen Strukturen. Entscheidungen wurden von oben nach unten getroffen, Kritik oder abweichende Meinungen waren nicht geduldet. Die Partei hatte immer recht, und ihre Beschlüsse waren für alle bindend.
Ideologie und Propaganda
Die SED rechtfertigte ihre Herrschaft mit der marxistisch-leninistischen Ideologie. Der Aufbau des Sozialismus und später des Kommunismus wurde als historische Mission dargestellt. Die DDR verstand sich als Arbeiter- und Bauernstaat, in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen überwunden sei.
Propaganda war allgegenwärtig und begann bereits im Kindergarten. Der Marxismus-Leninismus war Pflichtfach in Schulen und Universitäten. Kritik an der Ideologie oder am System war als "konterrevolutionär" verboten und wurde strafrechtlich verfolgt.
Wirtschaftssystem und Planwirtschaft
Sozialistische Planwirtschaft
Zentrale Planung statt freier Markt
Fünfjahrespläne sollten Wohlstand für alle schaffen
Die DDR-Wirtschaft funktionierte nach dem Prinzip der zentralen Planwirtschaft. Statt Angebot und Nachfrage bestimmten staatliche Pläne, was produziert wurde. Dieses System sollte die Ausbeutung beseitigen, führte aber zu chronischen Problemen.
Grundlagen der Planwirtschaft
Alle wichtigen Produktionsmittel befanden sich in Volkseigentum. Die Staatliche Plankommission erstellte Fünfjahrespläne, die detailliert festlegten, welche Betriebe was und in welcher Menge produzieren sollten. Private Unternehmen gab es praktisch nicht.
Volkseigene Betriebe (VEB)
Der Großteil der Industrie war in Volkseigenen Betrieben (VEB) organisiert. Diese staatlichen Unternehmen erhielten ihre Produktionsziele von der zentralen Planung und lieferten ihre Erzeugnisse an staatlich festgelegte Abnehmer.
Die VEBs waren nicht nur Produktionsstätten, sondern auch soziale Zentren. Sie organisierten Kinderbetreuung, Urlaubsreisen, kulturelle Veranstaltungen und Weiterbildung für ihre Beschäftigten. Der Betrieb war eine Art "zweite Familie" für viele DDR-Bürger.
Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften
In der Landwirtschaft wurden die privaten Bauernhöfe in den 1950er Jahren zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammengeschlossen. Diese Kollektivierung erfolgte teilweise unter Zwang und stieß auf erheblichen Widerstand.
Die LPGs sollten durch gemeinsame Nutzung von Maschinen und Arbeitskräften effizienter wirtschaften als Einzelbauern. Tatsächlich sank jedoch oft die Produktivität, da die individuellen Anreize fehlten.
Probleme der Planwirtschaft
Die zentrale Planung führte zu strukturellen Problemen, die das System zunehmend lähmten. Die Planer konnten unmöglich alle Bedürfnisse und Marktveränderungen vorausehen und entsprechend reagieren.
Chronischer Mangel
Trotz hoher Produktionszahlen herrschte in der DDR chronischer Mangel an Konsumgütern. Während manche Produkte im Überfluss vorhanden waren, fehlten andere völlig. Warteschlangen vor Geschäften gehörten zum Alltag.
Mangelwirtschaft
Bananen, Südfrüchte, Kaffee und westliche Konsumgüter waren ständig Mangelware. Bückware hieß das, was unter dem Ladentisch verkauft wurde.
Trabant und Wartburg
Auf ein Auto mussten DDR-Bürger bis zu 15 Jahre warten. Der Trabant wurde zum Symbol der DDR-Wirtschaft und ihrer Innovationsschwäche.
Wohnraum
Neue Wohnungen waren extrem knapp. Junge Paare warteten oft jahrelang auf eine eigene Wohnung und mussten bei den Eltern leben.
Technologischer Rückstand
Die DDR-Wirtschaft hinkte technologisch immer weiter hinter dem Westen hinterher. Innovationen kamen langsam voran, da Konkurrenzdruck und Marktmechanismen fehlten. Besonders in der Computertechnologie und Elektronik wurde der Rückstand immer größer.
Das COCOM-Embargo des Westens erschwerte den Technologietransfer zusätzlich. Hochwertige westliche Technologie durfte nicht in die DDR exportiert werden, was die Modernisierung der Industrie behinderte.
Wirtschaftsreformen und Scheitern
Verschiedene Reformversuche sollten die Wirtschaft effizienter machen. Das Neue Ökonomische System (NÖS) unter Walter Ulbricht in den 1960er Jahren führte marktwirtschaftliche Elemente ein, wurde aber bald wieder zurückgenommen.
Verschuldung und Niedergang
Um den Lebensstandard zu halten, verschuldete sich die DDR zunehmend im Westen. Die Auslandsverschuldung stieg auf über 20 Milliarden D-Mark. Gleichzeitig sanken die Produktivität und die Qualität der Erzeugnisse.
Ende der 1980er Jahre war das System am Ende. Die Infrastruktur zerfiel, die Umwelt war massiv geschädigt, und die Bevölkerung verlor das Vertrauen in die Reformfähigkeit der Regierung.
Gesellschaft und Alltag in der DDR
Leben im Sozialismus
Zwischen Gemeinschaft und Überwachung
Alltag in der "ersten deutschen Arbeiter- und Bauernmacht"
Das Leben in der DDR war geprägt von einem starken Gemeinschaftsgefühl, sozialer Sicherheit, aber auch von Überwachung und eingeschränkter Freiheit. Die sozialistische Gesellschaft sollte den "neuen Menschen" formen.
Soziale Errungenschaften
Die DDR bot ihren Bürgern eine umfassende soziale Absicherung. Vollbeschäftigung war verfassungsrechtlich garantiert, ebenso das Recht auf Wohnung, Bildung und Gesundheitsversorgung. Diese sozialen Errungenschaften waren real und prägten das Leben positiv.
Bildung und Erziehung
Das Bildungssystem der DDR war leistungsorientiert und durchlässig. Arbeiter- und Bauernkinder erhielten bessere Bildungschancen als in der Bundesrepublik. Das polytechnische Bildungssystem verband theoretisches Lernen mit praktischer Arbeit.
Allerdings war Bildung stark ideologisch geprägt. Marxismus-Leninismus war Pflichtfach, und kritisches Denken wurde nur in engen Grenzen geduldet. Wer politisch nicht linientreu war, hatte schlechtere Bildungschancen.
Gleichberechtigung der Frau
Die Gleichberechtigung der Frau war in der DDR weiter fortgeschritten als im Westen. Fast alle Frauen waren berufstätig, und es gab umfassende Kinderbetreuungsmöglichkeiten. Das sogenannte "Babyjahr" ermöglichte es Müttern, ein Jahr bei vollem Gehalt zu Hause zu bleiben.
Dennoch blieben traditionelle Rollenverteilungen bestehen. Frauen übernahmen zusätzlich zur Berufstätigkeit oft noch den Großteil der Hausarbeit. Führungspositionen waren weiterhin überwiegend männlich besetzt.
Kulturelles Leben
Kultur hatte in der DDR einen hohen Stellenwert. Theater, Oper und Konzerte waren stark subventioniert und für alle erschwinglich. Die Kulturpolitik sollte die Arbeiterklasse an die Hochkultur heranführen.
Literatur und Kunst
Autoren wie Christa Wolf, Stefan Heym und Wolf Biermann prägten die DDR-Kultur, gerieten aber oft in Konflikt mit der Zensur.
Film und Fernsehen
Die DEFA produzierte künstlerisch hochwertige Filme. Das DDR-Fernsehen war beliebt, auch wenn viele Westfernsehen schauten.
Sport
Sport hatte große Bedeutung. Die DDR war trotz ihrer geringen Größe eine Olympia-Großmacht und gewann viele Medaillen.
Jugendorganisationen
Kinder und Jugendliche wurden früh in staatliche Organisationen eingebunden. Die Pioniere (1.-7. Klasse) und die FDJ (Freie Deutsche Jugend) ab der 8. Klasse sollten die Jugend ideologisch erziehen.
Diese Organisationen boten aber auch sinnvolle Freizeitaktivitäten, Ferienlager und Gemeinschaftserlebnisse. Viele DDR-Bürger erinnern sich gern an diese Zeit, auch wenn sie die ideologische Beeinflussung kritisch sehen.
Alltag und Mangelwirtschaft
Der DDR-Alltag war geprägt von der Mangelwirtschaft. Einkaufen wurde zur Kunst, da man nie wusste, was wann verfügbar war. Beziehungen und Tauschgeschäfte halfen, an begehrte Waren zu kommen.
Nischen und Rückzugsorte
Viele DDR-Bürger schufen sich private Nischen, in denen sie abseits der offiziellen Ideologie leben konnten. Die Datsche, der Kleingarten oder der private Freundeskreis boten Freiräume für ein selbstbestimmteres Leben.
Der Humor spielte eine wichtige Rolle als Ventil. Politische Witze und Ironie halfen, mit dem System umzugehen. "Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf" war ein beliebter Spruch, der die Unveränderlichkeit des Systems persiflierte.
Ostprodukte und Ostalgien
Viele DDR-Produkte waren Teil der Identität: Spreewald-Gurken, Rotkäppchen-Sekt, Trabant und andere. Nach 1990 entstand eine gewisse Nostalgie nach diesen Produkten und der DDR-Zeit allgemein.
Reisebeschränkungen
Eine der größten Einschränkungen war die Reisefreiheit. Reisen in westliche Länder waren praktisch unmöglich. Urlaub machten DDR-Bürger in anderen sozialistischen Ländern oder an der Ostsee.
Diese Beschränkung wurde als besonders belastend empfunden. Der Wunsch nach Reisefreiheit war einer der stärksten Triebkräfte für die Opposition gegen das System.
Berliner Mauer und innerdeutsche Grenze
Mauer des Schreckens
13. August 1961 - 9. November 1989
28 Jahre teilte die Mauer Berlin und Deutschland
Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 besiegelte die deutsche Teilung physisch. Die 155 Kilometer lange innerdeutsche Grenze und die 43 Kilometer lange Berliner Mauer wurden zu tödlichen Barrieren.
Der Mauerbau 1961
Bis 1961 verließen täglich Tausende DDR-Bürger über die offene Grenze in Berlin das Land. Diese Massenflucht bedrohte die Existenz der DDR. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 begannen DDR-Truppen mit dem Mauerbau.
Chronologie der Grenzsperrung
Walter Ulbricht rechtfertigte den Mauerbau als "antifaschistischen Schutzwall" gegen den Westen. Tatsächlich sollte die Mauer die eigene Bevölkerung am Verlassen des Landes hindern.
Aufbau der Grenzanlagen
Die innerdeutsche Grenze wurde zu einem der am stärksten befestigten Grenzsysteme der Welt ausgebaut. Stacheldraht, Minen, Selbstschussanlagen und bewaffnete Grenztruppen machten eine Flucht nahezu unmöglich.
Flucht und Fluchtversuche
Trotz der tödlichen Gefahr wagten viele DDR-Bürger die Flucht in den Westen. Sie gruben Tunnel, versteckten sich in Autos, sprangen aus Fenstern oder versuchten zu schwimmen. Viele bezahlten den Fluchtversuch mit dem Leben.
Bekannte Fluchtgeschichten
Peter Fechter (1962)
Der 18-jährige wurde bei einem Fluchtversuch angeschossen und verblutete im Todesstreifen, während West-Berliner hilflos zusehen mussten.
Familie Wetzel/Strelzyk (1979)
Spektakuläre Flucht mit einem selbstgebauten Heißluftballon von Thüringen nach Bayern - später verfilmt als "Nacht über Deutschland".
Chris Gueffroy (1989)
Letztes Todesopfer an der Berliner Mauer. Der 20-Jährige wurde am 5. Februar 1989 beim Fluchtversuch erschossen.
Opfer der Grenze
Mindestens 1.393 Menschen starben an der innerdeutschen Grenze und der Berliner Mauer. Die meisten waren junge Menschen, die einfach nur frei leben wollten. Viele weitere wurden verletzt oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.
Die Grenztruppen erhielten für das Verhindern von Fluchtversuchen Prämien und Auszeichnungen. Der Schießbefehl galt bis zum Ende der DDR, auch wenn er in den letzten Jahren seltener angewandt wurde.
Grenzübergänge und Kontrollen
Nur an wenigen Stellen war ein legaler Grenzübertritt möglich. Der bekannteste Übergang war Checkpoint Charlie in Berlin. Hier fanden strenge Kontrollen statt, und nur bestimmte Personengruppen durften passieren.
West-Berliner und Bundesbürger konnten die DDR besuchen, mussten aber Visa beantragen und wurden scharf kontrolliert. DDR-Bürger durften nur in Ausnahmefällen ausreisen, meist zu Verwandtenbesuchen oder aus humanitären Gründen.
Opposition und Widerstand
Widerstand im Sozialismus
Von 1953 bis 1989
Mut gegen Diktatur - Der lange Weg zur Freiheit
Widerstand und Opposition gab es in der DDR von Anfang an. Von spontanen Protesten bis hin zu organisierten Bürgerrechtsbewegungen kämpften mutige Menschen für Freiheit und Menschenrechte.
Der Aufstand vom 17. Juni 1953
Der erste große Aufstand gegen die SED-Herrschaft fand am 17. Juni 1953 statt. Ausgelöst durch Normerhöhungen und Preiserhöhungen, entwickelte sich ein landesweiter Volksaufstand mit über einer Million Teilnehmern.
Chronologie des Volksaufstands
Der Aufstand wurde von sowjetischen Panzern niedergeschlagen. Es gab mindestens 55 Todesopfer und Tausende von Verhaftungen. Der 17. Juni wurde in der Bundesrepublik zum "Tag der deutschen Einheit" erklärt.
Folgen des Aufstands
Nach 1953 änderte die SED ihre Politik teilweise. Die schlimmsten Härten wurden gemildert, aber das System blieb autoritär. Der Aufstand zeigte der Führung, dass sie auf sowjetische Unterstützung angewiesen war.
Opposition in den 1960er und 70er Jahren
Nach dem Mauerbau 1961 und der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 war die Opposition zunächst geschwächt. Dennoch entstanden verschiedene Formen des zivilen Widerstands.
Kirche als Schutzraum
Die evangelische Kirche wurde zum wichtigsten Schutzraum für Andersdenkende. Obwohl auch sie unter Druck stand, bot sie Oppositionellen einen relativen Freiraum für Diskussionen und Aktivitäten.
Kirchliche Friedensgebete, Diskussionsrunden und soziale Projekte wurden zu Keimzellen der späteren Bürgerbewegung. Der Slogan "Schwerter zu Pflugscharen" wurde zum Symbol der DDR-Friedensbewegung.
Kultureller Widerstand
Künstler, Schriftsteller und Musiker leisteten kulturellen Widerstand. Autoren wie Stefan Heym, Christa Wolf und Reiner Kunze kritisierten das System indirekt in ihren Werken.
Besonders die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann 1976 führte zu Protesten vieler DDR-Künstler. Viele verließen daraufhin selbst das Land oder wurden ausgebürgert.
Neue Bürgerbewegungen der 1980er Jahre
In den 1980er Jahren entstanden neue Bürgerrechtsbewegungen, die sich für Menschenrechte, Umweltschutz und Abrüstung einsetzten. Sie bereiteten den Boden für die spätere Friedliche Revolution ➜.
Umweltbewegung
Gruppen wie "Arche Nova" kämpften gegen die massive Umweltzerstörung in der DDR und für mehr Transparenz.
Friedensbewegung
Friedensgruppen protestierten gegen Militarisierung und forderten zivilen Ersatzdienst statt Wehrpflicht.
Menschenrechtsgruppen
Organisationen wie die "Initiative Frieden und Menschenrechte" kämpften für Reisefreiheit und Demokratie.
Repression und Überwachung
Die Stasi überwachte alle Oppositionellen intensiv. Viele wurden verhaftet, zu Haftstrafen verurteilt oder unter Druck gesetzt. Die psychische Belastung durch die ständige Überwachung war enorm.
Trotz der Repression wuchs die Opposition kontinuierlich. Die Ideen von Glasnost und Perestroika aus der Sowjetunion gaben ihr zusätzlichen Auftrieb.
Niedergang und Friedliche Revolution
Das Ende der DDR
1989 - Jahr der Entscheidung
Friedliche Revolution beendet 40 Jahre SED-Herrschaft
Das Jahr 1989 brachte das Ende der DDR. Die Friedliche Revolution zeigte die Macht des Volkes und führte innerhalb weniger Monate zum Zusammenbruch des sozialistischen Systems.
Krise des Systems
Bereits in den 1980er Jahren steckte die DDR in einer tiefen Krise. Die Wirtschaft stagnierte, die Infrastruktur verfiel, und die Umweltzerstörung erreichte katastrophale Ausmaße. Immer mehr Menschen verloren das Vertrauen in die Reformfähigkeit des Systems.
Gorbatschows Reformen
Michail Gorbatschow leitete in der Sowjetunion ab 1985 Reformen ein. Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) sollten den Sozialismus erneuern. Die DDR-Führung unter Erich Honecker verweigerte jedoch jeden Wandel.
Diese Weigerung isolierte die DDR zunehmend. Während andere Ostblock-Staaten Reformen einleiteten, hielt Honecker am orthodoxen Sozialismus fest. Das machte die DDR zum "Museum des Sozialismus".
Chronologie der Friedlichen Revolution
Die Montagsdemonstrationen
Die Montagsdemonstrationen in Leipzig wurden zum Symbol der Friedlichen Revolution. Was mit wenigen hundert mutigen Menschen begann, entwickelte sich zu einer Massenbewegung von Hunderttausenden.
Friedlicher Protest
Die Demonstranten blieben konsequent gewaltfrei. Ihr Ruf "Wir sind das Volk!" und später "Wir sind ein Volk!" drückte den Willen nach Demokratie und Einheit aus. Die Kerzen in den Händen wurden zum Symbol des friedlichen Protests.
Am 9. Oktober 1989 stand Leipzig am Scheideweg. 70.000 Menschen gingen trotz Gewaltdrohungen auf die Straße. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein - ein entscheidender Moment für die Revolution.
Der Fall der Mauer
Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Ein Versehen bei einer Pressekonferenz führte dazu, dass Tausende von Ost-Berlinern zu den Grenzübergängen strömten. Die überforderten Grenzsoldaten öffneten schließlich die Schlagbäume.
Eine Nacht macht Geschichte
Die Nacht vom 9. auf den 10. November wurde zur Nacht der Deutschen Einheit. Zehntausende feierten auf der Mauer, hämmerten Stücke heraus und lagen sich in den Armen. Das Symbol der Teilung war gefallen.
In den folgenden Wochen strömten Millionen von DDR-Bürgern in den Westen. Die Bilder von den Warteschlangen vor Banken, wo sie ihr Begrüßungsgeld abholten, gingen um die Welt.
Ende der SED-Herrschaft
Nach dem Mauerfall ➜ brach das SED-System schnell zusammen. Am 3. Dezember trat das gesamte Politbüro zurück. Am 1. Dezember wurde der Führungsanspruch der SED aus der Verfassung gestrichen.
Die ersten freien Wahlen am 18. März 1990 brachten einen deutlichen Sieg der Befürworter einer schnellen Wiedervereinigung ➜. Die DDR steuerte auf ihr Ende zu.
Das Ende der DDR
Am 3. Oktober ➜ 1990 hörte die DDR auf zu existieren. Sie trat nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei. 41 Jahre nach ihrer Gründung war die Deutsche Demokratische Republik Geschichte.
Das Ende der DDR war gleichzeitig das Ende einer Epoche. Der Kalte Krieg war vorbei, Deutschland wieder vereint, und Europa veränderte sich grundlegend. Die Friedliche Revolution hatte gezeigt, dass Diktaturen ohne Gewalt überwunden werden können.