Geschichte der DDR: Die Deutsche Demokratische Republik 1949–1990

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) existierte von 1949 bis 1990 als sozialistischer Staat auf deutschem Boden. Fast 41 Jahre lang prägten kommunistische Ideologie, Planwirtschaft und die Herrschaft der SED das Leben der Menschen im Land – Ende 1989 waren es rund 16,4 Millionen. Dieser umfassende historische Überblick beleuchtet Entstehung, Entwicklung und das Ende der DDR sowie die Lebenswirklichkeit ihrer Bürger.

Entstehung der DDR nach 1945

Die Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7. Oktober 1949 war das Ergebnis der Spaltung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg. Aus der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) entstand unter maßgeblichem sowjetischen Einfluss ein sozialistischer deutscher Staat.

Die sowjetische Besatzungszone

Nach der Kapitulation Deutschlands 1945 wurde das Gebiet der späteren DDR von der Roten Armee besetzt. Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) übernahm die Verwaltung und leitete tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzungen ein.

Der Weg zur Staatsgründung

1945
Bodenreform: Enteignung von Großgrundbesitzern, Verteilung an Kleinbauern und Neusiedler
1946
Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur SED (Vorsitzende: Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl); Volksentscheid in Sachsen über die Enteignung von Industriebetrieben
1946–1948
Enteignete Betriebe werden in Volkseigentum überführt, Aufbau der Planwirtschaft
1948/49
Der Deutsche Volksrat erarbeitet eine Verfassung (Beschluss am 19. März 1949), der III. Deutsche Volkskongress bestätigt sie am 30. Mai 1949
7. Oktober 1949
Gründung der DDR – am 11. Oktober wird Wilhelm Pieck zum Präsidenten der DDR gewählt

Die Bodenreform

Bereits im September 1945 begann die Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone. Großgrundbesitzer mit mehr als 100 Hektar Land sowie als NS- und Kriegsverbrecher eingestufte Eigentümer wurden entschädigungslos enteignet. Das Land wurde an Kleinbauern, Landarbeiter und Umsiedler verteilt.

über 3
Millionen Hektar wurden enteignet – rund 30 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche
559.089
Privatpersonen erhielten Land, darunter die Inhaber von rund 200.000 Neubauernstellen
über 11.000
landwirtschaftliche Betriebe wurden bis 1948 enteignet

Entstehung der SED

Ein entscheidender Schritt war die Zwangsvereinigung von KPD und SPD zur Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) am 21./22. April 1946. Diese Fusion fand gegen den Willen vieler Sozialdemokraten statt und schuf die Grundlage für die spätere kommunistische Herrschaft.

Walter Ulbricht, der bereits aus dem Moskauer Exil zurückgekehrt war, spielte eine Schlüsselrolle beim Aufbau der kommunistischen Strukturen. Seine Gruppe Ulbricht hatte schon 1945 mit dem systematischen Aufbau einer kommunistischen Verwaltung begonnen.

Wirtschaftliche Transformation

Parallel zur politischen Neuordnung erfolgte die wirtschaftliche Transformation. Banken, Bergbau und große Teile der Industrie wurden enteignet und in Volkseigentum überführt. In Sachsen stimmten beim Volksentscheid vom 30. Juni 1946 offiziell 77,6 Prozent für die Enteignung von Betrieben sogenannter Kriegs- und Naziverbrecher; die übrigen Länder der Zone folgten ohne Abstimmung. Die Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild sollte die kapitalistische Marktwirtschaft ersetzen.

„Es muss demokratisch aussehen, aber wir müssen alles in der Hand haben.“ – Walter Ulbricht, Mai 1945, überliefert von Wolfgang Leonhard in „Die Revolution entläßt ihre Kinder“ (1955)

Die Verfassung von 1949

Die erste DDR-Verfassung, die am 7. Oktober 1949 in Kraft trat, begann in Artikel 1 mit dem Satz „Deutschland ist eine unteilbare demokratische Republik“. Sie garantierte formell Grundrechte und Meinungsfreiheit, die in der Praxis jedoch nicht gewährleistet waren.

Die Verfassung sah ein Mehrparteiensystem vor, doch alle Parteien wurden in der Nationalen Front zusammengefasst und de facto von der SED kontrolliert. Die scheinbare Demokratie war von Beginn an eine Fassade für die kommunistische Einparteienherrschaft.

Politisches System und Führung

Das politische System der DDR war geprägt von der Diktatur der SED. Trotz formal demokratischer Institutionen lag alle Macht bei der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands und ihren führenden Funktionären.

Die SED als Staatspartei

Die SED war nicht nur eine Partei, sondern der alleinige Machthaber im Staat. Ihr Führungsanspruch wurde 1968 sogar in der neuen Verfassung festgeschrieben. Das Politbüro der SED traf alle wichtigen Entscheidungen, die formellen Staatsorgane setzten diese nur um.

Die Parteichefs der SED

Walter Ulbricht (1950–1971)

Generalsekretär, ab 1953 Erster Sekretär des Zentralkomitees der SED, prägte den Aufbau des Sozialismus und setzte 1961 mit Zustimmung Moskaus den Mauerbau durch. Seine Ära war geprägt von Kollektivierung und ideologischer Härte.

Erich Honecker (1971–1989)

Führte die SED 18 Jahre lang, proklamierte die „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ und erlebte den Niedergang des Systems.

Egon Krenz (1989)

Letzter Generalsekretär der SED (18. Oktober bis 3. Dezember 1989), konnte den Zusammenbruch der SED-Herrschaft nicht mehr verhindern und musste nach wenigen Wochen zurücktreten.

Staatssicherheit – die Stasi

Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), kurz Stasi genannt, war das wichtigste Machtinstrument der SED. Mit zuletzt rund 91.000 hauptamtlichen Mitarbeitern und schätzungsweise 189.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM, Stand 1989) überwachte die Stasi große Teile der Gesellschaft.

91.015
Hauptamtliche Stasi-Mitarbeiter (Stichtag 31.10.1989)
189.000
Inoffizielle Mitarbeiter 1989 (geschätzt)
rund 112
Kilometer Akten verwahrt heute das Stasi-Unterlagen-Archiv

Die Stasi sammelte systematisch Informationen über alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens. Ihr Auftrag war es, vermeintliche Gegner des Systems aufzuspüren und sie durch Verhaftung oder sogenannte „Zersetzung“ auszuschalten. Dies führte zu einem Klima der Angst und des Misstrauens in der gesamten Gesellschaft.

Scheindemokratische Institutionen

Die DDR verfügte über formal demokratische Institutionen, die jedoch alle der SED untergeordnet waren. Die Volkskammer als Parlament hatte keine wirkliche Macht, da alle wichtigen Entscheidungen bereits im Politbüro getroffen wurden.

Wahlen in der DDR

Wahlen fanden zwar regelmäßig statt, waren aber reine Propaganda-Veranstaltungen. Es gab nur eine Einheitsliste der Nationalen Front. Üblich war das sogenannte „Zettelfalten“: Der Stimmzettel wurde ohne Gang in die Wahlkabine gefaltet und eingeworfen und zählte damit als Zustimmung. Als Nein-Stimme galt ein Zettel nur, wenn alle Kandidaten einzeln durchgestrichen waren. Wer die Wahlkabine benutzte, machte sich verdächtig.

Die offizielle Wahlbeteiligung lag stets bei rund 98 Prozent oder darüber, die Zustimmung zur Einheitsliste bei den Volkskammerwahlen stets über 99 Prozent; bei der Kommunalwahl im Mai 1989 wurden 98,85 Prozent verkündet. Diese Zahlen spiegelten nicht den wahren Volkswillen wider, sondern waren Ergebnis von Druck und Manipulation.

Blockparteien

Neben der SED existierten scheinbar unabhängige Parteien wie CDU, LDPD, NDPD und DBD. Diese Blockparteien waren jedoch völlig der SED untergeordnet und dienten nur zur Verschleierung der Einparteienherrschaft.

Demokratischer Zentralismus

Das Prinzip des Demokratischen Zentralismus bestimmte alle politischen Strukturen. Entscheidungen wurden von oben nach unten getroffen, Kritik oder abweichende Meinungen waren nicht geduldet. Die Beschlüsse der Parteiführung waren für alle Parteigliederungen bindend.

Ideologie und Propaganda

Die SED rechtfertigte ihre Herrschaft mit der marxistisch-leninistischen Ideologie. Der Aufbau des Sozialismus und später des Kommunismus wurde als historische Mission dargestellt. Die DDR verstand sich als Arbeiter- und Bauernstaat, in dem die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen überwunden sei.

Propaganda war allgegenwärtig und begann bereits im Kindergarten. In den Schulen vermittelte seit 1957 das Pflichtfach Staatsbürgerkunde die Staatsideologie, an Hochschulen war ein Grundlagenstudium im Marxismus-Leninismus verpflichtend. Offene Kritik am System konnte etwa als „staatsfeindliche Hetze“ (§ 106 des DDR-Strafgesetzbuchs von 1968) strafrechtlich verfolgt werden.

„Die Deutsche Demokratische Republik ist ein sozialistischer Staat deutscher Nation. Sie ist die politische Organisation der Werktätigen in Stadt und Land, die gemeinsam unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei den Sozialismus verwirklichen.“ – Artikel 1 der DDR-Verfassung von 1968

Wirtschaftssystem und Planwirtschaft

Die DDR-Wirtschaft funktionierte nach dem Prinzip der zentralen Planwirtschaft. Statt Angebot und Nachfrage bestimmten staatliche Pläne, was produziert wurde. Dieses System sollte die Ausbeutung beseitigen, führte aber zu chronischen Problemen.

Grundlagen der Planwirtschaft

Alle wichtigen Produktionsmittel befanden sich in Volkseigentum. Die Staatliche Plankommission erstellte Fünfjahrespläne, die detailliert festlegten, welche Betriebe was und in welcher Menge produzieren sollten. Private Unternehmen spielten spätestens nach der Verstaatlichungswelle von 1972 – abgesehen von Handwerk und kleinem Einzelhandel – kaum noch eine Rolle.

Volkseigene Betriebe (VEB)

Der Großteil der Industrie war in Volkseigenen Betrieben (VEB) organisiert. Diese staatlichen Unternehmen erhielten ihre Produktionsziele von der zentralen Planung und lieferten ihre Erzeugnisse an staatlich festgelegte Abnehmer.

11.400
private und halbstaatliche Betriebe wurden 1972 verstaatlicht
8.500
volkseigene Betriebe mit rund 4 Millionen Beschäftigten übernahm 1990 die Treuhandanstalt
1951
Beginn des ersten Fünfjahrplans (1951–1955)

Die VEB waren nicht nur Produktionsstätten, sondern auch soziale Zentren. Sie organisierten Kinderbetreuung, Urlaubsreisen, kulturelle Veranstaltungen und Weiterbildung für ihre Beschäftigten. Der Betrieb war eine Art „zweite Familie“ für viele DDR-Bürger.

Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften

In der Landwirtschaft wurden die privaten Bauernhöfe zwischen 1952 und 1960 zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammengeschlossen. Diese Kollektivierung erfolgte vor allem in der Schlussphase 1960 unter massivem Zwang und stieß auf erheblichen Widerstand.

Die LPG sollten durch gemeinsame Nutzung von Maschinen und Arbeitskräften effizienter wirtschaften als Einzelbauern. Kurzfristig verschlechterte die Zwangskollektivierung jedoch die Versorgungslage spürbar und trug zur Fluchtbewegung vor dem Mauerbau bei.

Probleme der Planwirtschaft

Die zentrale Planung führte zu strukturellen Problemen, die das System zunehmend lähmten. Die Planer konnten unmöglich alle Bedürfnisse und Marktveränderungen voraussehen und entsprechend reagieren.

Chronischer Mangel

Trotz hoher Produktionszahlen herrschte in der DDR chronischer Mangel an Konsumgütern. Während manche Produkte im Überfluss vorhanden waren, fehlten andere völlig. Warteschlangen vor Geschäften gehörten zum Alltag.

Mangelwirtschaft

Bananen, Südfrüchte, Kaffee und westliche Konsumgüter waren ständig Mangelware. Bückware hieß das, was unter dem Ladentisch verkauft wurde.

Trabant und Wartburg

Auf ein neues Auto mussten DDR-Bürger oft zehn bis 15 Jahre, teils noch länger warten. Der Trabant wurde zum Symbol der DDR-Wirtschaft und ihrer Innovationsschwäche.

Wohnraum

Neue Wohnungen waren extrem knapp. Junge Paare warteten oft jahrelang auf eine eigene Wohnung und mussten bei den Eltern leben.

Technologischer Rückstand

Die DDR-Wirtschaft hinkte technologisch immer weiter hinter dem Westen hinterher. Innovationen kamen langsam voran, da Konkurrenzdruck und Marktmechanismen fehlten. Besonders in der Computertechnologie und Elektronik wurde der Rückstand immer größer.

Das COCOM-Embargo des Westens erschwerte den Technologietransfer zusätzlich. Hochwertige westliche Technologie durfte nicht in die DDR exportiert werden, was die Modernisierung der Industrie behinderte.

Wirtschaftsreformen und Scheitern

Verschiedene Reformversuche sollten die Wirtschaft effizienter machen. Das 1963 eingeführte Neue Ökonomische System (NÖS) unter Walter Ulbricht setzte stärker auf betriebliche Eigenverantwortung und Gewinnanreize, wurde aber bald wieder zurückgenommen.

Verschuldung und Niedergang

Um den Lebensstandard zu halten, verschuldete sich die DDR zunehmend im Westen. Ende 1989 lag die Nettoverschuldung gegenüber dem Westen nach späteren Berechnungen der Deutschen Bundesbank bei rund 20 Milliarden D-Mark; das sogenannte Schürer-Papier vom 30. Oktober 1989 hatte sie noch mit 49 Milliarden Valutamark beziffert. Gleichzeitig sanken die Produktivität und die Qualität der Erzeugnisse.

Ende der 1980er Jahre war das System am Ende. Die Infrastruktur zerfiel, die Umwelt war massiv geschädigt, und die Bevölkerung verlor das Vertrauen in die Reformfähigkeit der Regierung.

„Allein ein Stoppen der Verschuldung würde im Jahre 1990 eine Senkung des Lebensstandards um 25–30 % erfordern und die DDR unregierbar machen.“ – „Analyse der ökonomischen Lage der DDR mit Schlußfolgerungen“ (Schürer-Papier), Vorlage für das SED-Politbüro, 30. Oktober 1989

Gesellschaft und Alltag in der DDR

Das Leben in der DDR war geprägt von einem starken Gemeinschaftsgefühl, sozialer Sicherheit, aber auch von Überwachung und eingeschränkter Freiheit. Die sozialistische Gesellschaft sollte den „neuen Menschen“ formen.

Soziale Errungenschaften

Die DDR bot ihren Bürgern eine umfassende soziale Absicherung. Die Verfassung von 1968 garantierte das Recht auf Arbeit, auf Bildung, auf Schutz der Gesundheit und auf Wohnraum. Viele Menschen erlebten diese Absicherung als Stärke des Systems; wirtschaftlich war sie auf Dauer jedoch nicht tragfähig.

Bildung und Erziehung

Vor allem in den Anfangsjahren förderte die DDR gezielt Arbeiter- und Bauernkinder, etwa über die Arbeiter-und-Bauern-Fakultäten. Der Zugang zu Abitur und Studium war jedoch begrenzt und hing auch von politischer Zuverlässigkeit ab. Das polytechnische Bildungssystem verband theoretisches Lernen mit praktischer Arbeit.

91 %
der Frauen im erwerbsfähigen Alter waren 1989 berufstätig oder in Ausbildung
10
Klassen umfasste die Polytechnische Oberschule (POS)
0 %
offizielle Arbeitslosigkeit

Allerdings war Bildung stark ideologisch geprägt. Staatsbürgerkunde und Marxismus-Leninismus waren Pflichtfächer, und kritisches Denken wurde nur in engen Grenzen geduldet. Wer politisch nicht linientreu war, hatte schlechtere Bildungschancen.

Gleichberechtigung der Frau

Bei der Erwerbstätigkeit von Frauen und beim Ausbau der Kinderbetreuung war die DDR der Bundesrepublik voraus. Die große Mehrheit der Frauen war berufstätig. Das 1976 eingeführte „Babyjahr“ ermöglichte Müttern – zunächst ab dem zweiten Kind, ab 1986 bereits ab dem ersten – eine bezahlte Freistellung bis zum ersten Geburtstag des Kindes; gezahlt wurde eine Unterstützung in Höhe des Krankengeldes.

Dennoch blieben traditionelle Rollenverteilungen bestehen. Frauen übernahmen zusätzlich zur Berufstätigkeit oft noch den Großteil der Hausarbeit. Führungspositionen waren weiterhin überwiegend männlich besetzt.

Kulturelles Leben

Kultur hatte in der DDR einen hohen Stellenwert. Theater, Oper und Konzerte waren stark subventioniert und für alle erschwinglich. Die Kulturpolitik sollte die Arbeiterklasse an die Hochkultur heranführen.

Literatur und Kunst

Autoren wie Christa Wolf, Stefan Heym und Wolf Biermann prägten die DDR-Kultur, gerieten aber oft in Konflikt mit der Zensur.

Film und Fernsehen

Die DEFA produzierte Spiel-, Dokumentar- und Kinderfilme, von denen manche bis heute bekannt sind; zahlreiche Werke fielen jedoch der Zensur zum Opfer. Neben dem DDR-Fernsehen schauten viele Menschen Westfernsehen.

Sport

Sport hatte große Bedeutung. Die DDR war trotz ihrer geringen Größe eine Olympia-Großmacht und gewann viele Medaillen – auch mithilfe eines staatlich gelenkten Dopingprogramms (ab 1974 „Staatsplanthema 14.25“), dem oft auch minderjährige Sportler unwissentlich ausgesetzt waren.

Jugendorganisationen

Kinder und Jugendliche wurden früh in staatliche Organisationen eingebunden. Die Pioniere (1.–7. Klasse) und die FDJ (Freie Deutsche Jugend) ab der 8. Klasse sollten die Jugend ideologisch erziehen.

Diese Organisationen boten aber auch sinnvolle Freizeitaktivitäten, Ferienlager und Gemeinschaftserlebnisse. Viele DDR-Bürger erinnern sich gern an diese Zeit, auch wenn sie die ideologische Beeinflussung kritisch sehen.

Alltag und Mangelwirtschaft

Der DDR-Alltag war geprägt von der Mangelwirtschaft. Einkaufen wurde zur Kunst, da man nie wusste, was wann verfügbar war. Beziehungen und Tauschgeschäfte halfen, an begehrte Waren zu kommen.

Nischen und Rückzugsorte

Viele DDR-Bürger schufen sich private Nischen, in denen sie abseits der offiziellen Ideologie leben konnten. Die Datsche, der Kleingarten oder der private Freundeskreis boten Freiräume für ein selbstbestimmteres Leben.

Der Humor spielte eine wichtige Rolle als Ventil. Politische Witze und Ironie halfen, mit dem System umzugehen. Auch Parolen der Führung wurden zum Gegenstand von Spott – etwa Erich Honeckers Satz „Den Sozialismus in seinem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf“, den er noch am 14. August 1989 in Erfurt verkündete.

Ostprodukte und Ostalgie

Viele DDR-Produkte waren Teil der Identität: Spreewald-Gurken, Rotkäppchen-Sekt, Trabant und andere. Nach 1990 entstand eine gewisse Nostalgie nach diesen Produkten und der DDR-Zeit allgemein.

Reisebeschränkungen

Eine der größten Einschränkungen betraf die Reisefreiheit. Reisen in westliche Länder waren für die meisten Menschen nicht möglich; Ausnahmen gab es vor allem für Rentner (seit November 1964) und in dringenden Familienangelegenheiten. Urlaub machten DDR-Bürger in anderen sozialistischen Ländern oder an der Ostsee.

Diese Beschränkung wurde als besonders belastend empfunden. Der Wunsch nach Reisefreiheit war eine der stärksten Triebkräfte für Ausreisebewegung und Opposition.

„Wir wollen raus!“ – Ruf von Ausreisewilligen bei den Leipziger Montagsdemonstrationen im September 1989; andere Demonstrierende antworteten mit „Wir bleiben hier!“

Berliner Mauer und innerdeutsche Grenze

Der Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961 besiegelte die deutsche Teilung physisch. Die knapp 1.400 Kilometer lange innerdeutsche Grenze und die rund 155 Kilometer lange Grenze um West-Berlin – davon etwa 43 Kilometer quer durch die Stadt – wurden zu tödlichen Barrieren.

Der Mauerbau 1961

Zwischen 1949 und 1961 verließen rund 2,7 Millionen Menschen die DDR, die meisten über die offene Sektorengrenze in Berlin. Allein vom 1. bis zum 13. August 1961 flohen über 47.000 Menschen. Diese Massenflucht bedrohte die Existenz der DDR. In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 riegelten Volkspolizei, Grenzpolizei und Betriebskampfgruppen, gesichert von der Nationalen Volksarmee, die Grenze zu West-Berlin ab.

Chronologie der Grenzsperrung

13. August 1961
Beginn des Mauerbaus – zunächst Stacheldraht, dann Mauern aus Steinen und Betonteilen
24. August 1961
Günter Litfin wird als erster Flüchtling an der Berliner Mauer erschossen
ab 1962
Schrittweiser Ausbau der Sperranlagen mit Hinterlandmauer und Grenzstreifen („Todesstreifen“)
ab 1975
Bau der sogenannten „Grenzmauer 75“ aus Betonfertigteilen in Berlin

Die SED-Führung rechtfertigte den Mauerbau als „antifaschistischen Schutzwall“ gegen den Westen. Tatsächlich sollte die Mauer die eigene Bevölkerung am Verlassen des Landes hindern.

Aufbau der Grenzanlagen

Die innerdeutsche Grenze wurde zu einem der am stärksten befestigten Grenzsysteme der Welt ausgebaut. Stacheldraht, Minenfelder, Selbstschussanlagen (die Minen und Selbstschussanlagen wurden bis 1985 abgebaut) und bewaffnete Grenztruppen machten eine Flucht nahezu unmöglich.

knapp 1.400
Kilometer innerdeutsche Grenze
rund 155
Kilometer Grenze um West-Berlin
rund 50.000
Angehörige zählten die Grenztruppen in den 1970er und 1980er Jahren

Flucht und Fluchtversuche

Trotz der tödlichen Gefahr wagten viele DDR-Bürger die Flucht in den Westen. Sie gruben Tunnel, versteckten sich in Autos, sprangen aus Fenstern oder versuchten zu schwimmen. Viele bezahlten den Fluchtversuch mit dem Leben.

Bekannte Fluchtgeschichten

Peter Fechter (1962)

Der 18-Jährige wurde am 17. August 1962 bei einem Fluchtversuch angeschossen und verblutete im Todesstreifen, während West-Berliner hilflos zusehen mussten.

Familien Strelzyk und Wetzel (1979)

Spektakuläre Flucht von acht Personen mit einem selbstgebauten Heißluftballon von Thüringen ins bayerische Naila am 16. September 1979 – später verfilmt als „Mit dem Wind nach Westen“ (1982) und „Ballon“ (2018).

Chris Gueffroy (1989)

Letzter Flüchtling, der an der Berliner Mauer erschossen wurde. Der 20-Jährige starb in der Nacht vom 5. auf den 6. Februar 1989. Als letztes Todesopfer an der Mauer gilt Winfried Freudenberg, der am 8. März 1989 nach der Flucht mit einem selbstgebauten Ballon abstürzte.

Opfer der Grenze

An der Berliner Mauer kamen zwischen 1961 und 1989 nach Forschungen der Stiftung Berliner Mauer und des Zentrums für Zeithistorische Forschung mindestens 140 Menschen ums Leben. Für die innerdeutsche Grenze ermittelte der Forschungsverbund SED-Staat der Freien Universität Berlin 327 Todesopfer. Hinzu kommen Menschen, die bei Fluchtversuchen über die Ostsee oder über andere Ostblockstaaten starben. Unter den Toten waren überwiegend junge Männer, aber auch Grenzsoldaten und Unbeteiligte. Viele weitere wurden verletzt oder zu langjährigen Haftstrafen verurteilt.

Grenzsoldaten, die Fluchten verhinderten, wurden mit Prämien und Auszeichnungen belohnt. Der sogenannte Schießbefehl galt bis ins Frühjahr 1989: Erst nach dem Tod von Chris Gueffroy wurde der Schusswaffengebrauch gegen Flüchtende am 3. April 1989 auf mündliche Anweisung untersagt.

Grenzübergänge und Kontrollen

Nur an wenigen Stellen war ein legaler Grenzübertritt möglich. Der bekannteste Übergang war Checkpoint Charlie in Berlin. Hier fanden strenge Kontrollen statt, und nur bestimmte Personengruppen durften passieren.

Bundesbürger konnten die DDR mit Einreisegenehmigung besuchen, West-Berliner erst nach den Passierscheinabkommen ab 1963 und regulär seit 1972. Sie mussten einen Zwangsumtausch leisten und wurden scharf kontrolliert. DDR-Bürger durften nur in Ausnahmefällen ausreisen, meist zu Verwandtenbesuchen oder aus humanitären Gründen.

„Die Mauer wird in 50 und auch in 100 Jahren noch bestehen bleiben, wenn die dazu vorhandenen Gründe noch nicht beseitigt sind.“ – Erich Honecker am 19. Januar 1989 vor dem Thomas-Müntzer-Komitee in Ost-Berlin

Opposition und Widerstand

Widerstand und Opposition gab es in der DDR von Anfang an. Von spontanen Protesten bis hin zu organisierten Bürgerrechtsbewegungen kämpften mutige Menschen für Freiheit und Menschenrechte.

Der Aufstand vom 17. Juni 1953

Der erste große Aufstand gegen die SED-Herrschaft fand am 17. Juni 1953 statt. Ausgelöst durch eine Erhöhung der Arbeitsnormen, die faktisch Lohnkürzungen bedeutete, sowie durch Preissteigerungen und Versorgungsmängel, entwickelte sich ein landesweiter Volksaufstand mit rund einer Million Teilnehmenden.

Chronologie des Volksaufstands

16. Juni
Bauarbeiter in der Stalinallee beginnen zu streiken
17. Juni
Streiks und Demonstrationen an mehr als 700 Orten in der DDR
17. Juni
Sowjetische Panzer schlagen den Aufstand nieder
Nach 17. Juni
Verhaftungen, Prozesse und Hinrichtungen

Der Aufstand wurde von sowjetischen Panzern niedergeschlagen. Es gab mindestens 55 Todesopfer und Tausende von Verhaftungen. Der 17. Juni wurde in der Bundesrepublik zum „Tag der deutschen Einheit“ erklärt und war dort bis 1990 gesetzlicher Feiertag.

Folgen des Aufstands

Nach 1953 änderte die SED ihre Politik teilweise. Die schlimmsten Härten wurden gemildert, aber das System blieb autoritär. Der Aufstand zeigte der Führung, dass sie auf sowjetische Unterstützung angewiesen war.

Opposition in den 1960er und 70er Jahren

Nach dem Mauerbau 1961 und der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 war die Opposition zunächst geschwächt. Dennoch entstanden verschiedene Formen des zivilen Widerstands.

Kirche als Schutzraum

Die evangelische Kirche wurde zum wichtigsten Schutzraum für Andersdenkende. Obwohl auch sie unter Druck stand, bot sie Oppositionellen einen relativen Freiraum für Diskussionen und Aktivitäten.

8
evangelische Landeskirchen in der DDR
knapp 40 %
der Bevölkerung gehörten 1988 noch einer Kirche an (1949: gut 90 %)
rund 160
oppositionelle Gruppen zählte die Stasi im Juni 1989, fast alle unter dem Dach der Kirche

Kirchliche Friedensgebete, Diskussionsrunden und soziale Projekte wurden zu Keimzellen der späteren Bürgerbewegung. Der Slogan „Schwerter zu Pflugscharen“ wurde Anfang der 1980er Jahre zum Symbol der unabhängigen DDR-Friedensbewegung.

Kultureller Widerstand

Künstler, Schriftsteller und Musiker leisteten kulturellen Widerstand. Autoren wie Stefan Heym, Christa Wolf und Reiner Kunze kritisierten das System indirekt in ihren Werken.

Besonders die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann am 16. November 1976 führte zu Protesten vieler DDR-Künstler, darunter Christa Wolf, Stefan Heym und Franz Fühmann. In den folgenden Jahren verließen zahlreiche Kulturschaffende die DDR, etwa der Schauspieler Manfred Krug 1977.

Neue Bürgerbewegungen der 1980er Jahre

In den 1980er Jahren entstanden neue Bürgerrechtsbewegungen, die sich für Menschenrechte, Umweltschutz und Abrüstung einsetzten. Sie bereiteten den Boden für die spätere Friedliche Revolution ➜.

Umweltbewegung

Gruppen wie die Berliner Umwelt-Bibliothek oder das 1988 gegründete Grün-ökologische Netzwerk Arche (Zeitschrift „Arche Nova“) kämpften gegen die massive Umweltzerstörung in der DDR und für mehr Transparenz.

Friedensbewegung

Friedensgruppen protestierten gegen Militarisierung und forderten zivilen Ersatzdienst statt Wehrpflicht.

Menschenrechtsgruppen

Organisationen wie die „Initiative Frieden und Menschenrechte“ kämpften für Reisefreiheit und Demokratie.

Repression und Überwachung

Die Stasi überwachte alle Oppositionellen intensiv. Viele wurden verhaftet, zu Haftstrafen verurteilt oder unter Druck gesetzt. Die psychische Belastung durch die ständige Überwachung war enorm.

Trotz der Repression wuchs die Opposition kontinuierlich. Die Ideen von Glasnost und Perestroika aus der Sowjetunion gaben ihr zusätzlichen Auftrieb.

„Wir sind das Volk!“ – Ruf der Demonstrierenden bei den Montagsdemonstrationen im Herbst 1989

Niedergang und Friedliche Revolution

Das Jahr 1989 brachte das Ende der DDR. Die Friedliche Revolution zeigte die Macht des Volkes und führte innerhalb weniger Monate zum Zusammenbruch des sozialistischen Systems.

Krise des Systems

Bereits in den 1980er Jahren steckte die DDR in einer tiefen Krise. Die Wirtschaft stagnierte, die Infrastruktur verfiel, und die Umweltzerstörung erreichte katastrophale Ausmaße. Immer mehr Menschen verloren das Vertrauen in die Reformfähigkeit des Systems.

Gorbatschows Reformen

Michail Gorbatschow leitete in der Sowjetunion ab 1985 Reformen ein. Glasnost (Offenheit) und Perestroika (Umgestaltung) sollten den Sozialismus erneuern. Die DDR-Führung unter Erich Honecker verweigerte jedoch jeden Wandel.

Diese Weigerung isolierte die DDR zunehmend. Während andere Ostblock-Staaten Reformen einleiteten, hielt Honecker am orthodoxen Sozialismus fest. Im November 1988 ließ die Führung sogar die sowjetische Zeitschrift „Sputnik“ von der Postzeitungsliste streichen – ein faktisches Verbot, das viele Menschen empörte.

Chronologie der Friedlichen Revolution

7. Mai 1989
Oppositionelle Wahlbeobachter weisen bei der Kommunalwahl Wahlfälschung nach
Sommer 1989
Massenflucht über Ungarn und bundesdeutsche Botschaften
4. September
Erste Montagsdemonstration in Leipzig mit rund 1.200 Teilnehmenden
9. Oktober
70.000 Menschen demonstrieren friedlich in Leipzig
18. Oktober
Rücktritt Erich Honeckers, Egon Krenz wird neuer Generalsekretär der SED
9. November
Fall der Berliner Mauer

Die Montagsdemonstrationen

Die Montagsdemonstrationen in Leipzig wurden zum Symbol der Friedlichen Revolution. Was mit wenigen hundert mutigen Menschen begann, entwickelte sich zu einer Massenbewegung von Hunderttausenden.

Friedlicher Protest

Die Demonstranten blieben konsequent gewaltfrei. Ihr Ruf „Wir sind das Volk!“ und später „Wir sind ein Volk!“ drückte den Willen nach Demokratie und Einheit aus. Die Kerzen in den Händen wurden zum Symbol des friedlichen Protests.

Am 9. Oktober 1989 stand Leipzig am Scheideweg. 70.000 Menschen gingen trotz Gewaltdrohungen auf die Straße. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein – ein entscheidender Moment für die Revolution.

70.000
Demonstranten am 9. Oktober in Leipzig
300.000
Demonstranten am 30. Oktober in Leipzig
bis zu 1 Million
Menschen am 4. November auf dem Berliner Alexanderplatz (Schätzungen)

Der Fall der Mauer

Am 9. November 1989 fiel die Berliner Mauer. Ein Versehen bei einer Pressekonferenz führte dazu, dass Tausende von Ost-Berlinern zu den Grenzübergängen strömten. Die überforderten Grenzsoldaten öffneten schließlich die Schlagbäume.

Eine Nacht macht Geschichte

Die Nacht vom 9. auf den 10. November ging als Nacht des Mauerfalls in die Geschichte ein. Zehntausende feierten an und auf der Mauer, und in den folgenden Tagen schlugen „Mauerspechte“ Stücke heraus. Das Symbol der Teilung war gefallen.

In den folgenden Wochen besuchten Millionen DDR-Bürger West-Berlin und die Bundesrepublik. Die Bilder von den Warteschlangen vor Banken, wo sie ihr Begrüßungsgeld abholten, gingen um die Welt.

Ende der SED-Herrschaft

Nach dem Mauerfall ➜ brach das SED-System schnell zusammen. Am 1. Dezember 1989 strich die Volkskammer den Führungsanspruch der SED aus der Verfassung, am 3. Dezember traten Politbüro und Zentralkomitee der SED geschlossen zurück.

Die ersten freien Volkskammerwahlen am 18. März 1990 brachten einen deutlichen Sieg der Befürworter einer schnellen Wiedervereinigung ➜. Die DDR steuerte auf ihr Ende zu.

„Keine Gewalt!“ – Ruf und Leitmotiv der Demonstrierenden im Herbst 1989

Das Ende der DDR

Am 3. Oktober ➜ 1990 hörte die DDR auf zu existieren. Sie trat nach Artikel 23 des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland bei. Knapp 41 Jahre nach ihrer Gründung war die Deutsche Demokratische Republik Geschichte.

Das Ende der DDR war gleichzeitig das Ende einer Epoche. Der Kalte Krieg ging zu Ende, Deutschland war wieder vereint, und Europa veränderte sich grundlegend. Die Friedliche Revolution hatte gezeigt, dass Diktaturen ohne Gewalt überwunden werden können.

Häufig gestellte Fragen zur Geschichte der DDR

Die wichtigsten Antworten zur Deutschen Demokratischen Republik 1949–1990

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zur Geschichte der DDR. Von der Gründung 1949 bis zur Friedlichen Revolution 1989 – alle wichtigen Informationen kompakt zusammengefasst.

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) wurde am 7. Oktober 1949 aus der sowjetischen Besatzungszone gegründet. Sie existierte knapp 41 Jahre lang bis zum 3. Oktober 1990, als sie der Bundesrepublik Deutschland beitrat. Wilhelm Pieck wurde am 11. Oktober 1949 zum ersten und einzigen Präsidenten der DDR gewählt, Otto Grotewohl wurde erster Ministerpräsident.

Die DDR war eine kommunistische Einparteiendiktatur unter Führung der SED (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands). Obwohl es formal andere Parteien gab, hatte die SED die alleinige Macht. Die wichtigsten Führer waren Walter Ulbricht (1950–1971) und Erich Honecker (1971–1989). Das System basierte auf dem Prinzip des „demokratischen Zentralismus“, wobei alle wichtigen Entscheidungen von der Parteiführung getroffen wurden.

Die Berliner Mauer wurde am 13. August 1961 gebaut, um die Massenflucht von DDR-Bürgern in den Westen zu stoppen. Seit der Staatsgründung 1949 hatten rund 2,7 Millionen Menschen die DDR verlassen, was die Existenz des Staates bedrohte. Die SED rechtfertigte den Mauerbau als „antifaschistischen Schutzwall“, tatsächlich sollte er die eigene Bevölkerung am Verlassen des Landes hindern. Die Mauer teilte 28 Jahre lang Berlin und wurde zum Symbol der deutschen Teilung.

Die DDR hatte eine zentrale Planwirtschaft, in der der Staat alle wichtigen wirtschaftlichen Entscheidungen traf. Die Staatliche Plankommission erstellte Fünfjahrespläne, die festlegten, was produziert werden sollte. Fast alle Betriebe waren Volkseigene Betriebe (VEB) in Staatsbesitz. Dieses System führte zu chronischem Mangel an Konsumgütern, technologischem Rückstand und ineffizienter Produktion, da Marktmechanismen und Konkurrenz fehlten.

Die Stasi (Ministerium für Staatssicherheit) war der Geheimdienst und das wichtigste Unterdrückungsinstrument der DDR. Mit zuletzt rund 91.000 hauptamtlichen Mitarbeitern und schätzungsweise 189.000 inoffiziellen Mitarbeitern (IM, Stand 1989) überwachte sie systematisch die Bevölkerung. Die Stasi sammelte Informationen über Millionen von DDR-Bürgern, infiltrierte alle Lebensbereiche und schuf ein Klima der Angst und des Misstrauens in der Gesellschaft.

Das Leben in der DDR war geprägt von sozialer Sicherheit, aber auch von Einschränkungen. Positive Aspekte waren Vollbeschäftigung, kostenlose Bildung und Gesundheitsversorgung sowie eine hohe Erwerbsbeteiligung von Frauen. Negative Seiten waren die Mangelwirtschaft, Reisebeschränkungen, politische Unterdrückung und die ständige Überwachung. Viele DDR-Bürger schufen sich private „Nischen“ abseits der offiziellen Ideologie, etwa in Datschen oder im Freundeskreis.

Der 17. Juni 1953 war ein landesweiter Volksaufstand gegen die SED-Herrschaft. Ausgelöst durch Normerhöhungen für Arbeiter, entwickelten sich Streiks und Demonstrationen mit rund einer Million Teilnehmenden an mehr als 700 Orten. Die Menschen forderten freie Wahlen, die Wiedervereinigung und den Rücktritt der Regierung. Der Aufstand wurde von sowjetischen Panzern niedergeschlagen. Es gab mindestens 55 Tote und Tausende Verhaftungen. In der Bundesrepublik wurde der 17. Juni zum „Tag der deutschen Einheit“ erklärt.

Die Montagsdemonstrationen begannen im September 1989 in Leipzig und wurden zum Motor der Friedlichen Revolution. Nach den Friedensgebeten in der Nikolaikirche gingen immer mehr Menschen auf die Straße. Der Ruf „Wir sind das Volk!“ wurde zum Symbol des Protests. Am 9. Oktober 1989 demonstrierten 70.000 Menschen friedlich in Leipzig – ein Wendepunkt, da die Sicherheitskräfte nicht eingriffen. Die Demonstrationen breiteten sich auf das ganze Land aus und trugen maßgeblich zum Fall der Mauer bei.

Zwischen 1949 und 1990 verließen insgesamt über 3,8 Millionen Menschen die DDR – durch Flucht oder genehmigte Ausreise. Die meisten (rund 2,7 Millionen) gingen vor dem Mauerbau 1961, als die Grenze in Berlin noch offen war. Nach dem Mauerbau gelang es nur noch knapp 40.000 Menschen, direkt über die Sperranlagen zu fliehen; weitere flohen etwa über Drittstaaten oder bei genehmigten Westreisen, rund eine halbe Million reiste legal aus. An der Berliner Mauer kamen mindestens 140 Menschen ums Leben, an der innerdeutschen Grenze nach einer Studie der Freien Universität Berlin 327. Die Fluchtbewegung war ein ständiges Problem für die DDR-Führung und schwächte das Land erheblich.

Die DDR ging an einer Kombination mehrerer Faktoren zugrunde: Die Wirtschaft war am Ende, die Infrastruktur verfallen und die Umwelt zerstört. Gorbatschows Reformen in der Sowjetunion zeigten, dass Veränderungen möglich waren, während die DDR-Führung jeden Wandel verweigerte. Die wachsende Opposition, der Mut der Bürger bei den Montagsdemonstrationen und schließlich die Massenflucht über Ungarn und die bundesdeutschen Botschaften führten zum Zusammenbruch. Der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 besiegelte das Ende der DDR.