Frühe Geschichte (bis 843)
Von den Germanen zu Karl dem Großen
Die Wurzeln der deutschen Geschichte
Darstellungen der deutschen Geschichte beginnen häufig mit den germanischen Stämmen, die in römischen Quellen seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. greifbar werden. Zu diesen Völkern gehörten etwa Cherusker und Sueben, später auch Alemannen, Franken und Sachsen. Germanen und Deutsche sind allerdings nicht gleichzusetzen: Ein „deutsches“ Bewusstsein und ein deutsches Reich entwickelten sich erst viele Jahrhunderte später.
Die Römerzeit
Die Begegnung zwischen Germanen und Römern war ein entscheidender Faktor für die frühe Geschichte Mitteleuropas. Während die Römer unter Augustus versuchten, Germanien bis zur Elbe zu unterwerfen, erlitten sie in der Varusschlacht (9 n. Chr.), traditionell „Schlacht im Teutoburger Wald“ genannt, eine schwere Niederlage gegen ein Bündnis germanischer Stämme unter dem Cheruskerfürsten Arminius.
Wichtige Ereignisse der frühen deutschen Geschichte
Die Völkerwanderung
Die Völkerwanderung (375–568 n. Chr.) brachte große Bewegungen germanischer Stämme mit sich. Westgoten, Ostgoten, Vandalen und andere Völker zogen durch Europa und gründeten neue Reiche. Diese Zeit der Umbrüche führte zum Untergang des Weströmischen Reiches und zur Entstehung neuer germanisch-romanischer Kulturen.
Das Frankenreich
Aus der Völkerwanderung ging das Frankenreich als dominante Macht hervor. Unter dem Merowinger Chlodwig I. (482–511) traten die Franken zum katholischen Christentum über. Ihren Höhepunkt erreichte die fränkische Macht unter dem Karolinger Karl dem Großen (768–814).
Der Vertrag von Verdun
Der Vertrag von Verdun (843) teilte das Frankenreich unter den Enkeln Karls des Großen auf. Ludwig der Deutsche erhielt im Wesentlichen die Gebiete östlich des Rheins, dazu linksrheinisch Mainz, Worms und Speyer. Das Ostfrankenreich gilt als eine Wurzel des späteren deutschen Reiches; die ältere Vorstellung, 843 markiere die „Geburtsstunde“ Deutschlands, gilt in der Forschung jedoch als überholt – die Entstehung eines deutschen Reiches war ein Prozess, der sich über das 9. und 10. Jahrhundert erstreckte.
Mittelalter (843–1517)
Kaisertum von 962 bis 1806
Von Otto dem Großen bis zu den Habsburgern
Das Mittelalter war eine prägende Epoche der deutschen Geschichte. Das Heilige Römische Reich – der Zusatz „Deutscher Nation“ kam erst im 15. Jahrhundert auf – entwickelte sich zu einer der bedeutendsten politischen Einheiten Europas und hinterließ ein Erbe, das bis heute nachwirkt.
Die Ottonen
Mit Otto I. dem Großen (936–973) begann die große Zeit des ostfränkisch-deutschen Reiches. Seine Kaiserkrönung 962 in Rom markierte die Erneuerung des Kaisertums und begründete eine Tradition, die fast 850 Jahre bestehen sollte. Das Reich verstand sich als Nachfolger des antiken Römischen Reiches.
Das ottonische Reichskirchensystem
Die Ottonen entwickelten das Reichskirchensystem, bei dem Bischöfe und Äbte wichtige Verwaltungsaufgaben übernahmen. Dies stärkte sowohl die königliche Macht als auch die Rolle der Kirche in der deutschen Gesellschaft. Klöster wie Fulda, Reichenau und Sankt Gallen wurden zu Zentren der Bildung und Kultur.
Salier (1024–1125)
Heinrich IV. und der Investiturstreit mit Papst Gregor VII. Der Gang nach Canossa (1077) wurde zum Symbol für den Machtkampf zwischen Kaiser und Papst.
Staufer (1138–1254)
Friedrich Barbarossa und Friedrich II. führten das Reich zu kultureller und politischer Blüte. Die Kreuzzüge und die Sizilienpolitik prägten diese Zeit.
Interregnum (1254–1273)
Die „kaiserlose Zeit“ schwächte die Zentralgewalt. Territoriale Gewalten und Städte gewannen an Bedeutung.
Die Städtezeit
Seit dem 11. Jahrhundert wuchsen die Städte, vor allem im 12. und 13. Jahrhundert erlebte das Reich eine Welle von Stadtgründungen. Alte Römerstädte wie Köln und Augsburg sowie neue Gründungen wie Lübeck entwickelten sich zu wirtschaftlichen Zentren. Die Hanse, ein Bund norddeutscher Kaufmannsstädte, dominierte den Handel in Nord- und Ostsee.
Die Hanse
Die Hanse war mehr als nur ein Handelsbund – sie war ein wirtschaftliches und kulturelles Netzwerk, das von London bis Nowgorod reichte. Lübeck als „Königin der Hanse“ war ihr wichtigster Ort; die Hanse prägte den Fernhandel in Nord- und Ostsee über Jahrhunderte und brachte vielen Kaufleuten großen Wohlstand.
Die Habsburger
Mit Rudolf I. wurde 1273 erstmals ein Habsburger römisch-deutscher König. Danach wechselten sich Könige aus verschiedenen Dynastien ab, vor allem Luxemburger, Wittelsbacher und Habsburger; ab 1438 blieb die Krone mit nur wenigen Jahren Unterbrechung bis 1806 bei den Habsburgern. Österreich wurde so zur führenden Macht im Reich.
Maximilian I.
Kaiser Maximilian I. (1493–1519) wurde als „der letzte Ritter“ bezeichnet. Er leitete mit dem Wormser Reichstag von 1495 wichtige Reichsreformen ein und begründete durch geschickte Heiratspolitik die spätere Weltmacht der Habsburger. Über das Reich seines Enkels Karl V. hieß es, in ihm gehe „die Sonne nie unter“.
Deutsche Ostsiedlung
Im Hoch- und Spätmittelalter zogen zahlreiche Siedler aus dem Westen des Reiches nach Osten. Die Deutsche Ostsiedlung brachte deutsche Siedler, Kultur und Recht in die Gebiete östlich von Elbe und Saale. Städte wie Berlin, Dresden und Breslau entstanden oder wurden deutsch geprägt.
Frühe Neuzeit (1517–1789)
Deutschland im Umbruch
Von Luther bis Friedrich dem Großen
Die frühe Neuzeit brachte Deutschland tiefgreifende Veränderungen. Die Reformation spaltete das Reich, der Dreißigjährige Krieg verwüstete das Land, aber aus der Krise erwuchsen neue Kräfte, die Deutschland modernisierten.
Die Reformation
Die Veröffentlichung von Martin Luthers 95 Thesen (1517) in Wittenberg – ob er sie tatsächlich an die Tür der Schlosskirche schlug, ist in der Forschung umstritten – löste eine geistige Revolution aus. Die Reformation spaltete Deutschland in katholische und protestantische Territorien und hatte weitreichende politische, gesellschaftliche und kulturelle Folgen.
Die Zeit der Reformation
Der Dreißigjährige Krieg
Der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) gilt als die größte Katastrophe der deutschen Geschichte vor den Weltkriegen. Was als Konfessionskonflikt begann, entwickelte sich zu einem europäischen Machtkampf. Schätzungen zufolge verlor das Reich etwa ein Drittel seiner Bevölkerung, regional sehr unterschiedlich.
Der Aufstieg Preußens
Aus den Trümmern des Dreißigjährigen Krieges erhob sich eine neue Macht: Brandenburg-Preußen. Die Hohenzollern bauten aus dem kleinen Kurfürstentum eine Großmacht auf, die schließlich Österreich als führende deutsche Macht herausforderte.
Der Große Kurfürst
Friedrich Wilhelm (1640–1688), der Große Kurfürst, legte die Grundlagen der preußischen Macht. Er schuf ein stehendes Heer, baute die Verwaltung aus und förderte die Wirtschaft. Mit dem Edikt von Potsdam (1685) nahm er französische Hugenotten auf, was Brandenburg demografisch und wirtschaftlich stärkte.
Friedrich der Große
Friedrich II. (1740–1786) machte Preußen zur europäischen Großmacht. Die Eroberung Schlesiens und die Behauptung Preußens im Siebenjährigen Krieg (1756–1763) begründeten den preußisch-österreichischen Dualismus, der Deutschland bis 1866 prägte.
Aufklärung und Bildungsreform
Das 18. Jahrhundert brachte Deutschland die Aufklärung. Denker wie Kant, Lessing und Herder prägten das geistige Leben. Universitäten wie Göttingen und Halle wurden zu Zentren der neuen Wissenschaften. Mit Goethe und Schiller begann eine Epoche, die in der Weimarer Klassik einen Höhepunkt der deutschen Literatur erreichte.
Deutsche Kleinstaaterei
Das Reich bestand aus rund 300 weitgehend selbstständigen Territorien – von großen Kurfürstentümern bis zu winzigen Herrschaften, hinzu kamen zahlreiche reichsritterschaftliche Gebiete. Diese Zersplitterung hemmte die wirtschaftliche Entwicklung, führte aber auch zu einer reichen kulturellen Vielfalt.
19. Jahrhundert (1789–1871)
Von Napoleon zur Reichsgründung
Der Weg zur deutschen Einheit
Das 19. Jahrhundert war ein entscheidendes Jahrhundert der deutschen Geschichte. Zwischen 1789 und 1871 wurde aus dem zersplitterten Heiligen Römischen Reich über mehrere Zwischenstufen ein deutscher Nationalstaat. Revolutionen, Kriege und politische Umwälzungen prägten diese dramatische Epoche.
Die Napoleonische Zeit
Die Französische Revolution und Napoleon veränderten Deutschland grundlegend. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 beseitigte die alte Ordnung und schuf Raum für neue politische Strukturen.
Weg zur deutschen Einheit
Die Befreiungskriege
Die Befreiungskriege (1813–1815) stärkten das deutsche Nationalbewusstsein. Die Völkerschlacht bei Leipzig wurde zum Symbol des Kampfes gegen die Fremdherrschaft. Allerdings standen Rheinbundstaaten wie Sachsen noch 1813 an der Seite Napoleons.
Der Deutsche Bund
Der Wiener Kongress (1814/15) schuf den Deutschen Bund als lockeren Zusammenschluss von fast 40 souveränen Fürstenstaaten und Freien Städten. Österreich und Preußen rivalisierten um die Führung, während nationale und liberale Bewegungen nach Einheit und Verfassung strebten.
Die Revolution von 1848
Die Deutsche Revolution von 1848 war der erste Versuch, Deutschland zu einen und zu demokratisieren. Die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche arbeitete eine Verfassung aus und bot dem preußischen König Friedrich Wilhelm IV. im April 1849 die deutsche Kaiserkrone an – vergeblich, er lehnte ab.
Die Reichsgründung
Otto von Bismarck erreichte, was 1848 gescheitert war: die deutsche Einheit – allerdings als „kleindeutsche“ Lösung ohne Österreich und unter preußischer Führung. Schon 1862 hatte er als preußischer Ministerpräsident erklärt, die großen Fragen der Zeit würden nicht durch Reden und Mehrheitsbeschlüsse entschieden, sondern „durch Eisen und Blut“. Drei Kriege (1864, 1866, 1870/71) schufen das Deutsche Kaiserreich.
Der preußisch-österreichische Krieg
Der Deutsche Krieg (1866) entschied den Dualismus zwischen Preußen und Österreich zugunsten Preußens. Österreich schied aus der deutschen Politik aus, und Preußen gründete den Norddeutschen Bund als Vorstufe zum Reich.
Der Deutsch-Französische Krieg
Der Deutsch-Französische Krieg (1870/71) vollendete die deutsche Einigung. Die süddeutschen Staaten traten dem Norddeutschen Bund bei. Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum Deutschen Kaiser proklamiert.
Die Industrielle Revolution
Parallel zur politischen Einigung erlebte Deutschland die Industrielle Revolution. Das Ruhrgebiet entwickelte sich zu einem der größten Industriereviere Europas. Eisenbahnen verbanden das Land, neue Erfindungen revolutionierten Produktion und Alltag.
Der Deutsche Zollverein
Der Deutsche Zollverein (1834) einte Deutschland wirtschaftlich vor der politischen Einigung. Unter preußischer Führung entstand ein gemeinsamer Markt, der den Handel förderte und die Basis für die spätere politische Einheit schuf.
Deutsches Reich (1871–1933)
Vom Kaiserreich zur Republik
Deutschland als europäische Großmacht
Das Deutsche Kaiserreich machte Deutschland zur führenden Kontinentalmacht Europas. Die Ära war geprägt von industriellem Aufschwung, kultureller Blüte, aber auch von wachsenden internationalen Spannungen, die schließlich in den Ersten Weltkrieg mündeten.
Die wilhelminische Zeit
Unter Kaiser Wilhelm II. (1888–1918) erreichte das Kaiserreich seinen Höhepunkt, aber auch seine Krise. Die aggressive Außenpolitik des Kaisers führte zur Isolierung Deutschlands und trug zur Entstehung der Koalition bei, die Deutschland im Ersten Weltkrieg besiegte.
Die Bismarckschen Reformen
Otto von Bismarck schuf nicht nur das Reich, sondern legte auch die Grundlagen des modernen deutschen Sozialstaats. Seine Sozialgesetze (Krankenversicherung 1883, Unfallversicherung 1884, Invaliditäts- und Altersversicherung 1889) wurden international zum Vorbild.
Ära Bismarck (1871–1890)
Auf den Gründerboom folgt der Börsenkrach von 1873, die Industrialisierung setzt sich dennoch fort. Deutschland entwickelt sich zu einer der führenden Industrienationen Europas. Bismarck als „Eiserner Kanzler“ prägt die Politik.
Wilhelminisches Zeitalter (1890–1918)
Kaiser Wilhelm II. strebt ein „persönliches Regiment“ an. Weltpolitik und Flottenrüstung führen zu internationalen Spannungen.
Erster Weltkrieg (1914–1918)
Der „Große Krieg“ erschüttert Europa. Deutschland kämpft an zwei Fronten und geht schließlich als Verlierer hervor.
Der Erste Weltkrieg
Der Erste Weltkrieg (1914–1918) beendete das Kaiserreich und veränderte die Welt. Deutschland führte einen Zweifrontenkrieg und musste im November 1918 um Waffenstillstand bitten; die militärische Niederlage besiegelte das Ende der Monarchie.
Die Revolution von 1918
Die Novemberrevolution 1918 stürzte das Kaiserreich. Matrosen in Kiel begannen den Aufstand, der sich über ganz Deutschland ausbreitete. Am 9. November 1918 rief Philipp Scheidemann in Berlin die Republik aus; Kaiser Wilhelm II. ging ins Exil in die Niederlande.
Die Weimarer Republik
Die Weimarer Republik (1919–1933) war Deutschlands erster Versuch einer parlamentarischen Demokratie. Trotz bedeutender kultureller und wissenschaftlicher Leistungen scheiterte sie an inneren und äußeren Belastungen.
Die Verfassung von Weimar
Die am 11. August 1919 unterzeichnete Weimarer Verfassung schuf eine moderne parlamentarische Demokratie mit weitgehenden Grundrechten und dem Frauenwahlrecht. Gleichzeitig enthielt sie Schwächen – etwa das Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten nach Artikel 48 –, die ihre spätere Aushöhlung erleichterten.
Krisenzeiten der Weimarer Republik
Die Goldenen Zwanziger
Zwischen 1924 und 1929 erlebte Deutschland die „Goldenen Zwanziger“. Berlin wurde zu einer Kulturmetropole Europas, die Wirtschaft erholte sich vorübergehend, und 1926 trat Deutschland dem Völkerbund bei.
Das Ende der Republik
Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 zerstörte die Grundlagen der Weimarer Republik. Massenarbeitslosigkeit, politische Radikalisierung, die Regierung mit Notverordnungen ohne parlamentarische Mehrheit und die mangelnde Kompromissfähigkeit der demokratischen Parteien ebneten Hitler den Weg zur Macht.
Nationalsozialismus (1933–1945)
Diktatur, Krieg und Holocaust
Deutschland unter der NS-Herrschaft
Die NS-Zeit (1933–1945) war die dunkelste Periode der deutschen Geschichte. Die nationalsozialistische Diktatur entfesselte den Zweiten Weltkrieg und verübte beispiellose Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Die Machtübertragung
Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Paul von Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Die Nationalsozialisten selbst sprachen von „Machtergreifung“. Innerhalb weniger Monate errichteten sie eine Diktatur; mit der Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933 wurden zentrale Grundrechte außer Kraft gesetzt.
Die Gleichschaltung
Die Nationalsozialisten „gleichschalteten“ systematisch alle gesellschaftlichen Bereiche. Parteien wurden verboten, Gewerkschaften zerschlagen, Medien zensiert und alle Bereiche des öffentlichen Lebens der NS-Ideologie unterworfen.
Der Weg in die Diktatur
Der Zweite Weltkrieg
Der Zweite Weltkrieg (1939–1945) begann mit dem deutschen Überfall auf Polen. Mit dem Angriff auf die Sowjetunion 1941 und dem Kriegseintritt Japans und der USA weitete er sich zu einem weltweiten Krieg aus. Die Zahl der Todesopfer wird auf 50 bis 65 Millionen Menschen geschätzt.
Der Holocaust
Der Holocaust (hebräisch: Shoah) war der systematisch geplante und durchgeführte Völkermord an den europäischen Jüdinnen und Juden. Rund sechs Millionen von ihnen wurden ermordet – in Vernichtungslagern wie Auschwitz-Birkenau, Treblinka, Sobibor und Belzec, bei Massenerschießungen, in Ghettos und Konzentrationslagern. Auch Hunderttausende Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen (NS-„Euthanasie“) und weitere Gruppen wurden Opfer nationalsozialistischer Vernichtungspolitik.
Der Widerstand
Trotz der totalitären Kontrolle gab es deutschen Widerstand gegen das NS-Regime. Von kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandsgruppen über christlich motivierte Gegner und Einzelne wie Georg Elser bis hin zum militärischen Widerstand um das Attentat vom 20. Juli 1944 – mutige Menschen riskierten ihr Leben für ein anderes Deutschland. Sie blieben jedoch eine kleine Minderheit.
Das Ende der NS-Herrschaft
Am 8. Mai 1945 trat die bedingungslose Kapitulation der Wehrmacht in Kraft. Hitler hatte sich am 30. April das Leben genommen, das „Tausendjährige Reich“ war nach nur zwölf Jahren zusammengebrochen. Deutschland lag in Trümmern und wurde von den Siegermächten besetzt.
Die Stunde Null
Das Jahr 1945 gilt vielen als „Stunde Null“ der deutschen Geschichte – ein Begriff, den Historiker heute differenziert sehen, weil es in Personal, Recht und Mentalitäten auch viele Kontinuitäten gab. Das Land war physisch zerstört und moralisch diskreditiert. Aus dieser totalen Niederlage musste ein neues Deutschland entstehen.
Nachkriegszeit (1945–1990)
Zwei deutsche Staaten – ein Volk
45 Jahre der Spaltung
Die Nachkriegszeit teilte Deutschland in zwei Staaten mit unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systemen. Die Teilung wurde zum Symbol des Kalten Krieges, ihre Überwindung 1990 zum Triumph der Freiheit.
Die Besatzungszeit
Nach der Kapitulation teilten die Siegermächte Deutschland in vier Besatzungszonen auf. USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich übernahmen die Kontrolle und begannen mit der Entnazifizierung und dem Wiederaufbau.
Der Marshallplan
Das 1947 von US-Außenminister George C. Marshall angekündigte Hilfsprogramm (European Recovery Program, ab 1948) unterstützte den Wiederaufbau Westeuropas. Zusammen mit der Währungsreform vom Juni 1948 trug es zum wirtschaftlichen Aufschwung der 1950er Jahre („Wirtschaftswunder“) bei und band Westdeutschland in den Westen ein.
Der Weg zur Teilung
Die Bundesrepublik Deutschland
Mit der Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Das Grundgesetz schuf eine stabile parlamentarische Demokratie, die sich als „Provisorium“ verstand, sich aber dauerhaft bewährte.
Die Adenauer-Ära
Konrad Adenauer (1949–1963) prägte die ersten vierzehn Jahre der Bundesrepublik. Seine Politik der Westintegration, der europäischen Einigung und der sozialen Marktwirtschaft legte die Grundlagen für Deutschlands Erfolg.
Die Deutsche Demokratische Republik
Die DDR (1949–1990) entstand aus der sowjetischen Besatzungszone als sozialistischer deutscher Staat. Die SED errichtete eine Diktatur nach sowjetischem Vorbild, die sich nur mit Repression und ab 1961 mit der Abschottung durch die Mauer dauerhaft behaupten konnte.
Der 17. Juni 1953
Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zeigte die verbreitete Ablehnung der SED-Herrschaft. Sowjetische Panzer schlugen den Aufstand nieder; deutlich wurde, dass sich das Regime letztlich auf die sowjetische Militärmacht stützte.
Der Mauerbau
Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Die „Republikflucht“ sollte gestoppt und die DDR stabilisiert werden. Die Mauer wurde zum Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges.
Die Entspannungspolitik
Willy Brandts Ostpolitik ab 1969/70 verbesserte die Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten. Der Grundlagenvertrag von 1972 normalisierte das Verhältnis, ohne dass die Bundesrepublik die DDR als Ausland anerkannte; am 18. September 1973 wurden beide deutschen Staaten Mitglieder der Vereinten Nationen.
Die friedliche Revolution
1989 begann in der DDR die friedliche Revolution ➜. Ausgehend von den Montagsdemonstrationen in Leipzig entwickelte sich eine Massenbewegung, die schließlich zum Fall der Mauer und zum Ende der SED-Herrschaft führte.
Deutsche Ostpolitik
Die Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt folgte der von Egon Bahr 1963 formulierten Idee des „Wandels durch Annäherung“. Verträge mit der Sowjetunion, Polen und der DDR verbesserten das Verhältnis zum Osten und ebneten den Weg zur späteren Wiedervereinigung ➜.
Moderne Zeit (seit 1990)
Ein geeintes Land in einer globalisierten Welt
Die Bundesrepublik im vereinten Europa
Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober ➜ 1990 begann das neueste Kapitel der deutschen Geschichte. Das vereinte Deutschland ist der bevölkerungsreichste Mitgliedstaat der Europäischen Union und spielt in Europa und der Welt eine gewichtige Rolle.
Die Wiedervereinigung
Die deutsche Wiedervereinigung vollzog sich friedlich und mit Zustimmung der vier Siegermächte, die im Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 auf ihre Rechte verzichteten. Die Integration der DDR in die Bundesrepublik brachte große Herausforderungen mit sich; die Angleichung der Lebensverhältnisse zwischen Ost und West ist bis heute nicht in allen Bereichen abgeschlossen.
Deutschland seit 1990
Deutschland in der Europäischen Union
Das vereinte Deutschland ist wirtschaftlich und politisch ein Schwergewicht in Europa. Als bevölkerungsreichstes EU-Land und größte Volkswirtschaft Europas trägt Deutschland besondere Verantwortung für den Zusammenhalt der Europäischen Union.
Die Merkel-Ära
Angela Merkels 16-jährige Kanzlerschaft (2005–2021) prägte Deutschland und Europa. Ihre Amtszeit war von mehreren Krisen geprägt: der Finanzkrise, der Eurokrise, der Flüchtlingskrise und der Corona-Pandemie.
Herausforderungen der Gegenwart
Deutschland steht vor großen Herausforderungen: dem demografischen Wandel, der Digitalisierung, der Energiewende und dem Klimawandel. Wie gut diese Transformationen gelingen, wird die kommenden Jahrzehnte prägen.
Die Energiewende
Mit der Energiewende baut Deutschland seine Energieversorgung grundlegend um. Die letzten drei Kernkraftwerke gingen am 15. April 2023 vom Netz, der Ausstieg aus der Kohleverstromung ist bis spätestens 2038 beschlossen. Nach dem Klimaschutzgesetz soll Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral werden.
Integration und Vielfalt
Deutschland ist ein Einwanderungsland geworden. Menschen aus aller Welt leben und arbeiten hier. Integration ist eine der zentralen Aufgaben der Zukunft.
Digitalisierung
Von der Industrie 4.0 über den Glasfaserausbau bis zur Digitalisierung der Verwaltung – die digitale Transformation zählt zu den großen Aufgaben der kommenden Jahre.
Europäische Integration
Als bevölkerungsreichster EU-Mitgliedstaat trägt Deutschland besondere Verantwortung für die Zukunft Europas in einer globalisierten Welt.
Internationale Verantwortung
Deutschland engagiert sich für Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung. Die deutsche Außenpolitik setzt auf multilaterale Zusammenarbeit.
Deutschland heute
Die Bundesrepublik Deutschland ist heute eine stabile, wohlhabende und respektierte Demokratie. Die deutsche Geschichte zeigt, dass große Transformationen möglich sind, wenn sie von den Menschen getragen werden und auf demokratischen Werten basieren.
Bilanz und Ausblick
Rund 2000 Jahre Geschichte haben ein Land hervorgebracht, das sich intensiv mit seiner Vergangenheit auseinandersetzt. Deutschland steht heute für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und internationale Zusammenarbeit. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Werte stark genug sind, um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.