Deutsche Geschichte: Von den Anfängen bis heute

Die deutsche Geschichte umspannt über 2000 Jahre und ist geprägt von tiefgreifenden Wandlungen, großen Errungenschaften und dramatischen Wendepunkten. Von den germanischen Stämmen über das Heilige Römische Reich bis zur modernen Bundesrepublik Deutschland - diese umfassende Darstellung führt Sie durch die wichtigsten Epochen, Ereignisse und Entwicklungen, die Deutschland zu dem gemacht haben, was es heute ist.

Frühe Geschichte (bis 843)

Die deutsche Geschichte beginnt mit den germanischen Stämmen, die seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. in Mitteleuropa siedelten. Diese Völker - darunter Cherusker, Sueben, Franken und Alemannen - prägten durch ihre Kultur, Sprache und gesellschaftlichen Strukturen die Grundlagen dessen, was später Deutschland werden sollte.

Die Römerzeit

Die Begegnung zwischen Germanen und Römern war ein entscheidender Faktor für die frühe deutsche Geschichte. Während die Römer unter Augustus versuchten, Germanien bis zur Elbe zu erobern, scheiterten sie spektakulär in der Schlacht im Teutoburger Wald (9 n. Chr.) unter der Führung des Cheruskerfürsten Arminius (Hermann).

Wichtige Ereignisse der frühen deutschen Geschichte

9 n. Chr.
Schlacht im Teutoburger Wald - Arminius vernichtet drei römische Legionen unter Varus
375
Hunneneinfall - Beginn der Völkerwanderung in Europa
476
Ende des Weströmischen Reiches - Germanische Königreiche entstehen
800
Kaiserkrönung Karls des Großen - Wiederbelebung des römischen Kaisertums
843
Vertrag von Verdun - Teilung des Frankenreichs in West-, Mittel- und Ostfranken

Die Völkerwanderung

Die Völkerwanderung (375-568 n. Chr.) brachte große Bewegungen germanischer Stämme mit sich. Westgoten, Ostgoten, Vandalen und andere Völker zogen durch Europa und gründeten neue Reiche. Diese Zeit der Umbrüche führte zum Untergang des Weströmischen Reiches und zur Entstehung neuer germanisch-romanischer Kulturen.

Das Frankenreich

Aus der Völkerwanderung ging das Frankenreich als dominante Macht hervor. Unter Chlodwig I. (482-511) bekehrten sich die Franken zum Christentum und begründeten eine Dynastie, die Europa jahrhundertelang prägen sollte. Der Höhepunkt wurde unter Karl dem Großen (768-814) erreicht.

1.200.000
km² umfasste das Frankenreich unter Karl dem Großen
800
Kaiserkrönung Karls des Großen in Rom
46
Jahre regierte Karl der Große
"Karl der Große war nicht nur Herrscher über das Frankenreich, sondern auch Erneuerer der abendländischen Kultur. Seine Bildungsreform und die Förderung von Klöstern und Schulen legten den Grundstein für die mittelalterliche Zivilisation." - Einhard, Biograph Karls des Großen

Der Vertrag von Verdun

Der Vertrag von Verdun (843) teilte das Frankenreich unter den Enkeln Karls des Großen auf. Das Ostfrankenreich, das später das Heilige Römische Reich werden sollte, gilt als Keimzelle Deutschlands. Ludwig der Deutsche erhielt die Gebiete östlich des Rheins - die Geburtsstunde des deutschen Reiches.

Mittelalter (843-1517)

Das Mittelalter war die prägende Epoche der deutschen Geschichte. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation entwickelte sich zu einer der mächtigsten politischen Einheiten Europas und hinterließ ein Erbe, das Deutschland bis heute prägt.

Die Ottonen

Mit Otto I. dem Großen (936-973) begann die große Zeit des deutschen Reiches. Seine Kaiserkrönung 962 in Rom markierte die Erneuerung des Kaisertums und begründete eine Tradition, die fast 850 Jahre bestehen sollte. Das Reich verstand sich als Nachfolger des antiken Römischen Reiches.

Das ottonische Reichskirchensystem

Die Ottonen entwickelten das Reichskirchensystem, bei dem Bischöfe und Äbte wichtige Verwaltungsaufgaben übernahmen. Dies stärkte sowohl die königliche Macht als auch die Rolle der Kirche in der deutschen Gesellschaft. Klöster wie Fulda, Reichenau und Sankt Gallen wurden zu Zentren der Bildung und Kultur.

Salier (1024-1125)

Heinrich IV. und der Investiturstreit mit Papst Gregor VII. Der Gang nach Canossa (1077) wurde zum Symbol für den Machtkampf zwischen Kaiser und Papst.

Staufer (1138-1254)

Friedrich Barbarossa und Friedrich II. führten das Reich zu kultureller und politischer Blüte. Die Kreuzzüge und die Sizilienpolitik prägten diese Zeit.

Interregnum (1254-1273)

Die "kaiserlose Zeit" schwächte die Zentralgewalt. Territoriale Gewalten und Städte gewannen an Bedeutung.

Die Städtezeit

Ab dem 11. Jahrhundert erlebte Deutschland eine Städtegründungswelle. Städte wie Köln, Hamburg, Lübeck und Augsburg entwickelten sich zu wirtschaftlichen Zentren. Die Hanse, ein Bund norddeutscher Kaufmannsstädte, dominierte den Handel in Nord- und Ostsee.

Die Hanse

Die Hanse war mehr als nur ein Handelsbund - sie war ein politisches und kulturelles Netzwerk, das von London bis Nowgorod reichte. Lübeck als "Königin der Hanse" führte diese mächtige Vereinigung, die den Fernhandel revolutionierte und deutschen Bürgern zu großem Wohlstand verhalf.

200
Städte gehörten zur Hanse
300
Jahre währte die Hanseblüte
4000
Kilometer erstreckte sich das Handelsnetz

Die Habsburger

Ab 1273 prägten die Habsburger das Heilige Römische Reich. Rudolf I. begründete eine Dynastie, die - mit kurzen Unterbrechungen - bis 1806 die Kaiserkrone trug. Unter Habsburg entwickelte sich Österreich zur zweiten deutschen Großmacht neben Brandenburg-Preußen.

Maximilian I.

Kaiser Maximilian I. (1493-1519) wurde als "der letzte Ritter" bezeichnet. Er modernisierte das Reich durch Verwaltungsreformen und begründete durch geschickte Heiratspolitik die spätere Weltmacht der Habsburger. Sein Enkel Karl V. beherrschte ein Reich, "in dem die Sonne nie unterging".

Deutsche Ostsiedlung

Im Mittelalter expandierte Deutschland nach Osten. Die Deutsche Ostsiedlung brachte deutsche Siedler, Kultur und Recht in die Gebiete östlich der Elbe. Städte wie Berlin, Dresden und Breslau entstanden oder wurden deutsch geprägt.

Frühe Neuzeit (1517-1789)

Die frühe Neuzeit brachte Deutschland tiefgreifende Veränderungen. Die Reformation spaltete das Reich, der Dreißigjährige Krieg verwüstete das Land, aber aus der Krise erwuchsen neue Kräfte, die Deutschland modernisierten.

Die Reformation

Martin Luthers Thesenanschlag (1517) in Wittenberg löste eine geistige Revolution aus. Die Reformation spaltete Deutschland in katholische und protestantische Territorien und hatte weitreichende politische, gesellschaftliche und kulturelle Folgen.

Die Zeit der Reformation

1517
Thesenanschlag - Luther kritisiert Missstände der Kirche
1521
Reichstag zu Worms - Luther wird geächtet, steht aber zu seinen Überzeugungen
1555
Augsburger Religionsfrieden - "Wessen Land, dessen Religion"
1618-1648
Dreißigjähriger Krieg - Verwüstung Deutschlands
1648
Westfälischer Friede - Ende der Religionskriege

Der Dreißigjährige Krieg

Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war die größte Katastrophe in der deutschen Geschichte vor den Weltkriegen. Was als Religionskonflikt begann, entwickelte sich zu einem europäischen Machtkampf. Deutschland verlor etwa ein Drittel seiner Bevölkerung.

"Der Krieg ernährt den Krieg" - diese zynische Maxime des Feldherrn Wallenstein charakterisierte eine Zeit, in der sich Söldnerheere von der Bevölkerung ernährten und ganze Landstriche entvölkerten.

Der Aufstieg Preußens

Aus den Trümmern des Dreißigjährigen Krieges erhob sich eine neue Macht: Brandenburg-Preußen. Die Hohenzollern bauten aus dem kleinen Kurfürstentum eine Großmacht auf, die schließlich Österreich als führende deutsche Macht herausforderte.

Der Große Kurfürst

Friedrich Wilhelm (1640-1688), der Große Kurfürst, legte die Grundlagen der preußischen Macht. Er schuf ein stehendes Heer, baute die Verwaltung aus und förderte die Wirtschaft. Seine Aufnahme der französischen Hugenotten stärkte Preußen demografisch und wirtschaftlich.

Friedrich der Große

Friedrich II. (1740-1786) machte Preußen zur europäischen Großmacht. Seine Eroberung Schlesiens und seine Siege im Siebenjährigen Krieg etablierten den preußisch-österreichischen Dualismus, der Deutschland bis 1866 prägte.

80.000
Soldaten hatte Friedrich der Große
46
Jahre regierte Friedrich II.
200.000
Hugenotten fanden in Preußen Zuflucht

Aufklärung und Bildungsreform

Das 18. Jahrhundert brachte Deutschland die Aufklärung. Denker wie Kant, Lessing und Herder prägten das geistige Leben. Universitäten wie Göttingen und Halle wurden zu Zentren der neuen Wissenschaften. Die deutsche Literatur erlebte mit Goethe und Schiller ihre erste Blütezeit.

Deutsche Kleinstaaterei

Deutschland bestand aus über 300 Einzelstaaten - von großen Kurfürstentümern bis zu winzigen Rittergütern. Diese Zersplitterung hemmte die wirtschaftliche Entwicklung, führte aber auch zu einer reichen kulturellen Vielfalt.

19. Jahrhundert (1789-1871)

Das 19. Jahrhundert war das entscheidende Jahrhundert der deutschen Geschichte. In nur 82 Jahren verwandelte sich das zersplitterte Heilige Römische Reich in den modernen deutschen Nationalstaat. Revolutionen, Kriege und politische Umwälzungen prägten diese dramatische Epoche.

Die Napoleonische Zeit

Die Französische Revolution und Napoleon veränderten Deutschland grundlegend. Das Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 beseitigte die alte Ordnung und schuf Raum für neue politische Strukturen.

Weg zur deutschen Einheit

1806
Ende des Heiligen Römischen Reichs - Napoleon zerschlägt die alte Ordnung
1813
Völkerschlacht bei Leipzig - Befreiung von der französischen Herrschaft
1815
Wiener Kongress - Gründung des Deutschen Bundes
1848
Deutsche Revolution - Kampf um Einheit und Freiheit
1871
Reichsgründung - Wilhelm I. wird deutscher Kaiser

Die Befreiungskriege

Die Befreiungskriege (1813-1815) erweckten das deutsche Nationalbewusstsein. Die Völkerschlacht bei Leipzig wurde zum Symbol des Kampfes für die Freiheit. Erstmals kämpften Deutsche gemeinsam gegen einen äußeren Feind.

Der Deutsche Bund

Der Wiener Kongress (1815) schuf den Deutschen Bund als lockeren Zusammenschluss von 39 deutschen Staaten. Österreich und Preußen rivalisierten um die Führung, während nationale und liberale Bewegungen nach Einheit und Verfassung strebten.

Die Revolution von 1848

Die Deutsche Revolution von 1848 war der erste Versuch, Deutschland zu einen und zu demokratisieren. Die Frankfurter Nationalversammlung in der Paulskirche arbeitete eine Verfassung aus und bot dem preußischen König die deutsche Kaiserkrone an - vergeblich.

"Die deutsche Einheit und die deutsche Freiheit sind unzertrennlich miteinander verbunden." - Robert Blum, Demokrat und Märtyrer der Revolution von 1848

Die Reichsgründung

Otto von Bismarck erreichte, was 1848 gescheitert war: die deutsche Einheit. Als preußischer Ministerpräsident führte er Deutschland durch "Blut und Eisen" zur Einheit. Drei Kriege (1864, 1866, 1870/71) schufen das Deutsche Kaiserreich.

Der preußisch-österreichische Krieg

Der Deutsche Krieg (1866) entschied den Dualismus zwischen Preußen und Österreich zugunsten Preußens. Österreich schied aus der deutschen Politik aus, und Preußen gründete den Norddeutschen Bund als Vorstufe zum Reich.

Der Deutsch-Französische Krieg

Der Deutsch-Französische Krieg (1870/71) vollendete die deutsche Einigung. Die süddeutschen Staaten traten dem Norddeutschen Bund bei. Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert.

25
Bundesstaaten bildeten das Deutsche Kaiserreich
41
Millionen Menschen lebten 1871 im Reich
540.000
km² umfasste das Deutsche Kaiserreich

Die Industrielle Revolution

Parallel zur politischen Einigung erlebte Deutschland die Industrielle Revolution. Das Ruhrgebiet entwickelte sich zum größten Industrierevier Europas. Eisenbahnen verbanden das Land, neue Erfindungen revolutionierten Produktion und Alltag.

Der Deutsche Zollverein

Der Deutsche Zollverein (1834) einte Deutschland wirtschaftlich vor der politischen Einigung. Unter preußischer Führung entstand ein gemeinsamer Markt, der den Handel förderte und die Basis für die spätere politische Einheit schuf.

Deutsches Reich (1871-1933)

Das Deutsche Kaiserreich machte Deutschland zur führenden Kontinentalmacht Europas. Die Ära war geprägt von industriellem Aufschwung, kultureller Blüte, aber auch von wachsenden internationalen Spannungen, die schließlich in den Ersten Weltkrieg mündeten.

Die wilhelminische Zeit

Unter Kaiser Wilhelm II. (1888-1918) erreichte das Kaiserreich seinen Höhepunkt, aber auch seine Krise. Die aggressive Außenpolitik des Kaisers führte zur Isolierung Deutschlands und trug zur Entstehung der Koalition bei, die Deutschland im Ersten Weltkrieg besiegte.

Die Bismarckschen Reformen

Otto von Bismarck schuf nicht nur das Reich, sondern auch den modernen deutschen Sozialstaat. Seine Sozialgesetze (Krankenversicherung 1883, Unfallversicherung 1884, Rentenversicherung 1889) wurden zum Vorbild für die ganze Welt.

Gründerzeit (1871-1890)

Wirtschaftsaufschwung und Reichsgründungsboom. Deutschland wird zur führenden Industrienation Europas. Bismarck als "Eiserner Kanzler" prägt die Politik.

Wilhelminisches Zeitalter (1890-1918)

Kaiser Wilhelm II. übernimmt das "persönliche Regiment". Weltpolitik und Flottenrüstung führen zu internationalen Spannungen.

Erster Weltkrieg (1914-1918)

Der "Große Krieg" erschüttert Europa. Deutschland kämpft an zwei Fronten und geht schließlich als Verlierer hervor.

Der Erste Weltkrieg

Der Erste Weltkrieg (1914-1918) beendete das Kaiserreich und veränderte die Welt. Deutschland führte einen verzweifelten Zweifrontenkrieg und erlebte eine totale Niederlage, die das Ende der Monarchie besiegelte.

2.037.000
Deutsche Soldaten starben im Ersten Weltkrieg
4
Jahre dauerte der "Große Krieg"
132
Milliarden Goldmark Reparationen musste Deutschland zahlen

Die Revolution von 1918

Die Novemberrevolution 1918 stürzte das Kaiserreich. Matrosen in Kiel begannen den Aufstand, der sich über ganz Deutschland ausbreitete. Kaiser Wilhelm II. dankte ab und floh in die Niederlande. Deutschland wurde Republik.

Die Weimarer Republik

Die Weimarer Republik (1919-1933) war Deutschlands erster Versuch einer parlamentarischen Demokratie. Trotz bedeutender kultureller und wissenschaftlicher Leistungen scheiterte sie an inneren und äußeren Belastungen.

Die Verfassung von Weimar

Die Weimarer Verfassung schuf eine moderne parlamentarische Demokratie mit weitgehenden Grundrechten. Gleichzeitig enthielt sie Schwächen - wie das Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten -, die ihre Selbstzerstörung ermöglichten.

Krisenzeiten der Weimarer Republik

1919
Vertrag von Versailles - Deutschland muss schwere Friedensbedingungen akzeptieren
1923
Hyperinflation - Das Geld wird wertlos, die Mittelschicht verarmt
1929
Weltwirtschaftskrise - Massenarbeitslosigkeit erschüttert die Republik
1932
Höchststand der Arbeitslosigkeit - 6 Millionen Menschen sind ohne Arbeit
1933
Hitler wird Reichskanzler - Ende der Weimarer Republik

Die Goldenen Zwanziger

Zwischen 1924 und 1929 erlebte Deutschland die "Goldenen Zwanziger". Berlin wurde zur Kulturmetropole Europas, die Wirtschaft erholte sich, und Deutschland wurde wieder in die Völkergemeinschaft aufgenommen.

"Berlin ist die größte Kleinstadt der Welt." - Diese spöttische Bemerkung charakterisierte das kulturelle Leben der Weimarer Zeit, in der Innovationen in Kunst, Literatur und Wissenschaft weltweite Ausstrahlung hatten.

Das Ende der Republik

Die Weltwirtschaftskrise ab 1929 zerstörte die Grundlagen der Weimarer Republik. Massenarbeitslosigkeit, politische Radikalisierung und die Unfähigkeit der demokratischen Parteien zur Zusammenarbeit ebneten Hitler den Weg zur Macht.

Nationalsozialismus (1933-1945)

Die NS-Zeit (1933-1945) war die dunkelste Periode der deutschen Geschichte. Die nationalsozialistische Diktatur führte Deutschland in den Zweiten Weltkrieg und verübte beispiellose Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Die Machtergreifung

Am 30. Januar 1933 ernannte Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler zum Reichskanzler. Innerhalb weniger Monate verwandelten die Nationalsozialisten Deutschland von einer Demokratie in eine totalitäre Diktatur.

Die Gleichschaltung

Die Nationalsozialisten "gleichschalteten" systematisch alle gesellschaftlichen Bereiche. Parteien wurden verboten, Gewerkschaften zerschlagen, Medien zensiert und alle Bereiche des öffentlichen Lebens der NS-Ideologie unterworfen.

Der Weg in die Diktatur

30.1.1933
Hitlers Ernennung zum Reichskanzler - Beginn der NS-Herrschaft
März 1933
Ermächtigungsgesetz - Das Parlament entmachtet sich selbst
1935
Nürnberger Gesetze - Juden werden zu Bürgern zweiter Klasse
1938
Reichspogromnacht - Gewalt gegen jüdische Bürger
1939
Überfall auf Polen - Beginn des Zweiten Weltkriegs

Der Zweite Weltkrieg

Der Zweite Weltkrieg (1939-1945) begann mit Deutschlands Überfall auf Polen. Was als europäischer Konflikt begann, entwickelte sich zum ersten wirklichen Weltkrieg, der über 60 Millionen Menschen das Leben kostete.

Der Holocaust

Der Holocaust war der systematische Völkermord an den europäischen Juden und anderen von den Nationalsozialisten verfolgten Gruppen. Sechs Millionen Juden wurden in Konzentrationslagern und durch Massenerschießungen ermordet.

6.000.000
Juden wurden im Holocaust ermordet
5.300.000
Deutsche Soldaten starben im Zweiten Weltkrieg
60.000.000
Menschen kostete der Weltkrieg das Leben

Der Widerstand

Trotz der totalitären Kontrolle gab es deutschen Widerstand gegen das NS-Regime. Von kommunistischen und sozialdemokratischen Widerstandsgruppen über christlich motivierte Gegner bis hin zum militärischen Widerstand um das Attentat vom 20. Juli 1944 - mutige Deutsche riskierten ihr Leben für eine bessere Zukunft.

"Es lebe das heilige Deutschland!" - Diese letzten Worte Graf Stauffenbergs symbolisieren den Opfermut derer, die ihr Leben für ein anderes Deutschland gaben.

Das Ende der NS-Herrschaft

Am 8. Mai 1945 kapitulierte Deutschland bedingungslos. Hitler hatte sich am 30. April das Leben genommen, das "Tausendjährige Reich" war nach nur zwölf Jahren zusammengebrochen. Deutschland lag in Trümmern und wurde von den Siegermächten besetzt.

Die Stunde Null

Das Jahr 1945 markierte die "Stunde Null" der deutschen Geschichte. Das Land war physisch zerstört und moralisch diskreditiert. Aus dieser totalen Niederlage musste ein neues Deutschland entstehen.

Nachkriegszeit (1945-1990)

Die Nachkriegszeit teilte Deutschland in zwei Staaten mit unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Systemen. Die Teilung wurde zum Symbol des Kalten Krieges, ihre Überwindung 1990 zum Triumph der Freiheit.

Die Besatzungszeit

Nach der Kapitulation teilten die Siegermächte Deutschland in vier Besatzungszonen auf. USA, Sowjetunion, Großbritannien und Frankreich übernahmen die Kontrolle und begannen mit der Entnazifizierung und dem Wiederaufbau.

Der Marshallplan

Das amerikanische Hilfsprogramm (1947) leitete den wirtschaftlichen Wiederaufbau Westdeutschlands ein. Milliardenhilfen ermöglichten das "Wirtschaftswunder" und integrierten Westdeutschland in den westlichen Block.

Der Weg zur Teilung

1945
Potsdamer Konferenz - Aufteilung Deutschlands in Besatzungszonen
1948/49
Berlin-Blockade - Erste große Krise des Kalten Krieges
1949
Gründung zweier deutscher Staaten - BRD und DDR ➜ entstehen
1961
Bau der Berliner Mauer - Deutschland wird physisch geteilt
1989
Fall der Berliner Mauer - Ende der Teilung in Sicht

Die Bundesrepublik Deutschland

Am 23. Mai 1949 wurde die Bundesrepublik Deutschland gegründet. Das Grundgesetz schuf eine stabile parlamentarische Demokratie, die sich als "Provisorium" verstand, aber zum erfolgreichsten deutschen Staat der Geschichte wurde.

Die Adenauer-Ära

Konrad Adenauer (1949-1963) prägte die ersten vierzehn Jahre der Bundesrepublik. Seine Politik der Westintegration, der europäischen Einigung und der sozialen Marktwirtschaft legte die Grundlagen für Deutschlands Erfolg.

14
Jahre regierte Konrad Adenauer
12
Millionen Flüchtlinge wurden integriert
1955
Ende der Besatzungszeit - Deutschland wird souverän

Die Deutsche Demokratische Republik

Die DDR (1949-1990) entstand aus der sowjetischen Besatzungszone als sozialistischer deutscher Staat. Unter der Herrschaft der SED entwickelte sie sich zur stabilsten Diktatur des Ostblocks, die jedoch nie die Loyalität ihrer Bürger gewann.

Der 17. Juni 1953

Der Volksaufstand vom 17. Juni 1953 zeigte den Unwillen der DDR-Bürger, das sozialistische System zu akzeptieren. Sowjetische Panzer schlugen den Aufstand nieder, aber das Regime verlor jede Legitimität.

Der Mauerbau

Am 13. August 1961 begann der Bau der Berliner Mauer. Die "Republikflucht" sollte gestoppt und die DDR stabilisiert werden. Die Mauer wurde zum Symbol der deutschen Teilung und des Kalten Krieges.

"Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten." - Walter Ulbrichts Lüge vom 15. Juni 1961 wurde zwei Monate später zur bitteren Realität für Millionen Deutsche.

Die Entspannungspolitik

Willy Brandts Ostpolitik in den 1970er Jahren verbesserte die Beziehungen zwischen beiden deutschen Staaten. Der Grundlagenvertrag 1972 normalisierte das Verhältnis, ohne die Teilung zu zementieren.

Die friedliche Revolution

1989 begann in der DDR die friedliche Revolution ➜. Ausgehend von den Montagsdemonstrationen in Leipzig entwickelte sich eine Massenbewegung, die schließlich zum Fall der Mauer und zum Ende der SED-Herrschaft führte.

Deutsche Ostpolitik

Die Ostpolitik der sozial-liberalen Koalition unter Willy Brandt suchte "Wandel durch Annäherung". Verträge mit der Sowjetunion, Polen und der DDR verbesserten das Verhältnis zum Osten und ebneten den Weg zur späteren Wiedervereinigung ➜.

Moderne Zeit (seit 1990)

Mit der Wiedervereinigung am 3. Oktober ➜ 1990 begann das neueste Kapitel der deutschen Geschichte. Deutschland entwickelte sich zur größten europäischen Demokratie und zu einer respektierten Führungsmacht in Europa und der Welt.

Die Wiedervereinigung

Die deutsche Wiedervereinigung war ein historisches Wunder, das friedlich und in Übereinstimmung mit allen Nachbarn vollzogen wurde. Die Integration der DDR in die Bundesrepublik brachte Herausforderungen mit sich, die größtenteils erfolgreich bewältigt wurden.

Deutschland im 21. Jahrhundert

1990
Deutsche Wiedervereinigung - Deutschland wird geeint
1999
Regierung zieht nach Berlin - Berlin wird wieder Hauptstadt
2002
Einführung des Euro - Deutschland übernimmt europäische Führungsrolle
2005-2021
Merkel-Ära - 16 Jahre Kanzlerschaft prägen Deutschland
seit 2021
Ampel-Koalition - Deutschland vor neuen Herausforderungen

Deutschland als europäische Führungsmacht

Das vereinte Deutschland wurde zur wirtschaftlichen und politischen Führungsmacht in Europa. Als bevölkerungsreichstes EU-Land und größte Volkswirtschaft Europas trägt Deutschland besondere Verantwortung für den Zusammenhalt der Europäischen Union.

Die Merkel-Ära

Angela Merkels 16-jährige Kanzlerschaft (2005-2021) prägte Deutschland und Europa entscheidend. Unter ihrer Führung meisterte Deutschland mehrere Krisen: die Finanzkrise, die Eurokrise, die Flüchtlingskrise und die Corona-Pandemie.

83
Millionen Menschen leben in Deutschland
4.000
Milliarden Euro beträgt das deutsche BIP
35
Jahre Deutsche Einheit (2025)

Herausforderungen der Gegenwart

Deutschland steht vor großen Herausforderungen: dem demografischen Wandel, der Digitalisierung, der Energiewende und dem Klimawandel. Die Erfahrungen aus der Geschichte zeigen, dass Deutschland solche Transformationen erfolgreich bewältigen kann.

Die Energiewende

Deutschland hat sich zum Vorreiter der Energiewende entwickelt. Der Ausstieg aus Kernkraft und Kohle sowie der Ausbau erneuerbarer Energien sollen Deutschland bis 2045 klimaneutral machen.

Integration und Vielfalt

Deutschland ist ein Einwanderungsland geworden. Menschen aus aller Welt leben und arbeiten hier. Die erfolgreiche Integration ist eine der zentralen Aufgaben der Zukunft.

Digitalisierung

Deutschland investiert massiv in die digitale Transformation. Von der Industrie 4.0 bis zum Glasfaserausbau - die digitale Zukunft wird aktiv gestaltet.

Europäische Integration

Als größter EU-Mitgliedstaat trägt Deutschland besondere Verantwortung für die Zukunft Europas in einer globalisierten Welt.

Internationale Verantwortung

Deutschland engagiert sich für Frieden, Menschenrechte und nachhaltige Entwicklung. Die deutsche Außenpolitik setzt auf multilaterale Zusammenarbeit.

Deutschland heute

Die Bundesrepublik Deutschland ist heute eine stabile, wohlhabende und respektierte Demokratie. Die deutsche Geschichte zeigt, dass große Transformationen möglich sind, wenn sie von den Menschen getragen werden und auf demokratischen Werten basieren.

"Deutschland ist unser Vaterland, Europa unsere Zukunft, die Welt unser Horizont." - Diese Worte charakterisieren die Haltung des heutigen Deutschland in einer globalisierten Welt.

Bilanz und Ausblick

2000 Jahre deutsche Geschichte haben ein Land hervorgebracht, das seine Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat. Deutschland steht heute für Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und internationale Zusammenarbeit. Die Zukunft wird zeigen, ob diese Werte stark genug sind, um die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zu meistern.

Häufig gestellte Fragen zur deutschen Geschichte

Die wichtigsten Antworten zu 2000 Jahren deutscher Geschichte

Hier finden Sie Antworten auf die häufigsten Fragen zur deutschen Geschichte. Von den germanischen Anfängen bis zur modernen Bundesrepublik - alle wichtigen Epochen und Wendepunkte kompakt erklärt.

Wann beginnt die deutsche Geschichte?

Die deutsche Geschichte beginnt mit den germanischen Stämmen im 1. Jahrhundert v. Chr. Als politische Einheit entstand Deutschland jedoch erst viel später: Das Ostfrankenreich (843) gilt als Keimzelle, das Heilige Römische Reich (962) als erste deutsche Staatsbildung. Die Begriffe "deutsch" und "Deutschland" etablierten sich erst im Mittelalter. Das moderne Deutschland entstand 1871 mit der Reichsgründung, die heutige Bundesrepublik 1949/1990.

Was war das Heilige Römische Reich Deutscher Nation?

Das Heilige Römische Reich (962-1806) war ein mittelalterlicher Staatsverband in Mitteleuropa. Es entstand mit der Kaiserkrönung Ottos I. 962 und verstand sich als Nachfolger des antiken Römischen Reiches. Der Zusatz "Deutscher Nation" kam im 15. Jahrhundert hinzu. Das Reich war ein lockerer Verband von Hunderten von Territorien unter der nominellen Führung des Kaisers. Es prägte Deutschland fast 850 Jahre lang und endete erst durch Napoleon 1806.

Welche Rolle spielte die Reformation für Deutschland?

Die Reformation (ab 1517) spaltete Deutschland konfessionell und politisch. Martin Luthers Kritik an der katholischen Kirche führte zur Entstehung des Protestantismus. Deutschland teilte sich in katholische und evangelische Gebiete, was jahrhundertelange Konflikte zur Folge hatte. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war die verheerendste Folge dieser Spaltung. Gleichzeitig förderte die Reformation Bildung, deutsche Sprache und kulturelle Entwicklung. Die konfessionelle Teilung prägte Deutschland bis ins 20. Jahrhundert.

Wie entstand das deutsche Kaiserreich 1871?

Das Deutsche Kaiserreich entstand durch Otto von Bismarcks Politik der "Einigung durch Eisen und Blut". Nach den Siegen über Dänemark (1864), Österreich (1866) und Frankreich (1870/71) schlossen sich die deutschen Staaten unter preußischer Führung zusammen. Am 18. Januar 1871 wurde König Wilhelm I. von Preußen im Spiegelsaal von Versailles zum deutschen Kaiser proklamiert. Das Reich umfasste 25 Bundesstaaten und war eine konstitutionelle Monarchie mit einem starken Kaiser und einem gewählten Reichstag.

Warum scheiterte die Weimarer Republik?

Die Weimarer Republik (1919-1933) scheiterte an einer Kombination von Faktoren: Die Belastungen des Versailler Vertrags, die Hyperinflation 1923, die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die politische Polarisierung schwächten die Demokratie. Konstruktionsfehler der Verfassung, wie das Notverordnungsrecht des Reichspräsidenten, ermöglichten die Aushöhlung der Demokratie. Vor allem fehlte vielen Deutschen die demokratische Tradition - die Republik hatte nicht genügend überzeugte Demokraten. Die Massenarbeitslosigkeit trieb die Menschen zu radikalen Parteien, was schließlich Hitlers Machtübernahme ermöglichte.

Wie konnte Hitler an die Macht kommen?

Hitler kam legal an die Macht, obwohl die NSDAP nie eine Mehrheit erhielt. Die Weltwirtschaftskrise, Massenarbeitslosigkeit und das Versagen der demokratischen Parteien bei der Problemlösung stärkten die Extremisten. Konservative Politiker wie Franz von Papen glaubten, Hitler "zähmen" zu können und machten ihn am 30. Januar 1933 zum Reichskanzler. Innerhalb weniger Monate bauten die Nationalsozialisten den demokratischen Rechtsstaat ab und errichteten eine totalitäre Diktatur. Die Unterschätzung Hitlers und die Bereitschaft, mit ihm zu koalieren, ermöglichten die Machtübernahme.

Warum wurde Deutschland nach 1945 geteilt?

Die deutsche Teilung war Folge des Kalten Krieges zwischen den Siegermächten. Ursprünglich wollten die Alliierten Deutschland gemeinsam verwalten und demokratisieren. Die unterschiedlichen Vorstellungen von Demokratie und Gesellschaft führten jedoch zum Bruch zwischen West und Ost. 1949 entstanden zwei deutsche Staaten: die demokratische Bundesrepublik Deutschland im Westen und die sozialistische DDR im Osten. Die Teilung vertiefte sich mit der Integration in NATO und Warschauer Pakt. Der Bau der Berliner Mauer 1961 zementierte die Spaltung für weitere 28 Jahre.

Wie gelang die deutsche Wiedervereinigung?

Die deutsche Wiedervereinigung war das Ergebnis der friedlichen Revolution in der DDR und günstiger internationaler Umstände. Die Reformpolitik Gorbatschows in der Sowjetunion, die Massendemonstrationen in der DDR und der Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 schufen die Voraussetzungen. Bundeskanzler Kohl ergriff die historische Chance und handelte mit der DDR-Regierung und den internationalen Partnern die Modalitäten der Wiedervereinigung aus. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR der Bundesrepublik bei - nur elf Monate nach dem Mauerfall war Deutschland wieder vereint.

Welche Rolle spielt Deutschland heute in Europa?

Deutschland ist heute die führende Wirtschaftsmacht und bevölkerungsreichstes Land der EU. Als größte Volkswirtschaft Europas und wichtigster Beitragszahler trägt Deutschland besondere Verantwortung für die europäische Integration. Unter Bundeskanzlerin Merkel entwickelte sich Deutschland zur "stillen Hegemonie" in Europa, die in Krisen wie der Finanzkrise oder der Flüchtlingskrise Führung übernahm. Deutschland setzt auf multilaterale Zusammenarbeit und ist Motor der europäischen Einigung, steht aber auch vor der Herausforderung, diese Führungsrolle verantwortungsvoll und im Konsens mit den Partnern auszuüben.

Was sind die wichtigsten Lehren aus der deutschen Geschichte?

Die deutsche Geschichte lehrt vor allem die Bedeutung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten. Die Katastrophen des 20. Jahrhunderts zeigten, wohin Nationalismus, Autoritarismus und Rassismus führen können. Deutschland lernte, dass Wohlstand und Frieden nur in internationaler Zusammenarbeit und europäischer Integration möglich sind. Die erfolgreiche Transformation von der Diktatur zur stabilen Demokratie beweist, dass grundlegender Wandel möglich ist. Wichtige Prinzipien sind heute: "Nie wieder Krieg", "Nie wieder Auschwitz", und die Verpflichtung zu europäischer Einigung und internationaler Zusammenarbeit.