Lichtfest Leipzig 2026 am 9. Oktober – Programm, Ort und Geschichte

Das Lichtfest Leipzig 2026 findet am Freitag, 9. Oktober 2026, statt: Von 19 bis 23 Uhr führt ein „Lichtweg“ mit sechs Stationen durch die Leipziger Innenstadt – zwischen Nikolaikirche und Matthäikirchhof. Schon um 17 Uhr beginnt das Friedensgebet in der Nikolaikirche, um 18:15 Uhr folgt dort die Rede zur Demokratie. Das Lichtfest erinnert an den 9. Oktober 1989, als in Leipzig rund 70.000 Menschen friedlich gegen die SED-Diktatur demonstrierten. Alle Angaben auf dieser Seite geben den Stand vom 19. September 2026 wieder.

Lichtfest 2026 auf einen Blick

Seit 2009 erinnert Leipzig jedes Jahr am 9. Oktober mit dem Lichtfest an die entscheidende Montagsdemonstration von 1989. Die organisatorische Verantwortung trägt die Leipzig Tourismus und Marketing GmbH (LTM). Für die thematischen Schwerpunkte ist laut offiziellem Programmheft der Beirat „Kuratorium Friedliche Revolution 1989“ zuständig, dessen Vorsitzender Oberbürgermeister Burkhard Jung ist. Eingebunden ist außerdem die Initiative „Tag der Friedlichen Revolution – Leipzig 9. Oktober 1989“, ein Zusammenschluss von 21 Institutionen.

9.10.
Freitag, 9. Oktober 2026
19–23
Uhr: Lichtweg durch die Innenstadt
6
Stationen auf dem Lichtweg 2026
37.
Jahrestag der Montagsdemonstration

Das Konzept 2026: ein Lichtweg statt einer zentralen Bühne

Das Lichtfest 2026 ist als Lichtweg durch die Innenstadt angelegt. Zwischen Nikolaikirche und Matthäikirchhof verbinden Lichtinstallationen, Performance und Bilder von 1989 Geschichte mit Gegenwart. Nach Angaben der Veranstalter gestalten internationale Künstlerinnen und Künstler gemeinsam mit lokalen Projektpartnern sowie Leipziger Schülerinnen und Schülern eine europäische Perspektive.

Der Lichtweg kann in beide Richtungen begangen werden; eine Reihenfolge ist nicht vorgegeben, und Sie können an jeder Station beginnen. Orangefarbene Straßenleuchten weisen am Abend den Weg. Der Augustusplatz, über viele Jahre der zentrale Ort des Lichtfests, gehört 2026 nicht zu den Stationen. Neu ist auch der Standort der traditionellen Kerzen-89: Das Kerzenpodest steht erstmals am Thomaskirchhof, Ecke Klostergasse.

Der Abend im Überblick

17 Uhr

Nikolaikirche

Friedensgebet mit Predigt von Superintendent Dr. Joachim Jeska aus Osnabrück.

18:15–19 Uhr

Nikolaikirche

Rede zur Demokratie, gehalten von der deutsch-amerikanischen Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook.

19–23 Uhr

Innenstadt zwischen Nikolaikirche und Matthäikirchhof

Lichtweg mit sechs Stationen, darunter das Kerzenpodest in Form einer „89“.

19:45 Uhr

Markt

Grußworte zum Lichtfest.

Stand der Informationen

Die Angaben beruhen auf dem offiziellen Programm und dem Programmheft der LTM, abgerufen am 19. September 2026. Maßgeblich ist bei Änderungen die offizielle Seite lichtfest.leipziger-freiheit.de, auf der auch das vollständige Programmheft als PDF bereitsteht.

Programm 2026: Friedensgebet, Rede und Lichtweg

Friedensgebet in der Nikolaikirche

Um 17 Uhr beginnt in der Nikolaikirche das Friedensgebet – wie jedes Jahr am 9. Oktober. Veranstalterin ist die Kirchgemeinde St. Nikolai. Das Motto 2026 lautet „Unsere VerANTWORTung …“. Die Predigt hält Superintendent Dr. Joachim Jeska aus Osnabrück; das Programmheft verweist dabei auf die lange Tradition Osnabrücks als Friedensstadt. Musikalisch durchzieht das Friedensgebet die Kantate „Selig sind …“ von André Engelbrecht, aufgeführt vom Bachchor an der Nikolaikirche und dem Ensemble St. Nikolai unter der Leitung von Markus Kaufmann.

Rede zur Demokratie

Von 18:15 bis 19 Uhr hält Cathryn Clüver Ashbrook in der Nikolaikirche die Rede zur Demokratie. Die 1976 in Wiesbaden geborene deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlerin ist Expertin für US-Politik und internationale Beziehungen. Laut Programmheft beschäftigt sie sich am Beispiel der Entwicklungen in den USA mit Angriffspunkten von innen auf liberale Demokratien – und zeigt, wie sich dieselben Muster auch in Europa beobachten lassen.

Angaben zu Einlass, Platzvergabe oder einer Übertragung enthält das Programmheft nicht.

Der Lichtweg: die sechs Stationen

Alle sechs Stationen sind von 19 bis 23 Uhr zu erleben; die Nummerierung folgt dem offiziellen Programm.

Stationen des Lichtwegs am 9. Oktober 2026, 19–23 Uhr (Stand: 19.09.2026)
Nr.ProjektOrtMitwirkende
1„Unsere VerANTWORTung …“ – Open-Air-FotoausstellungGrimmaische Straße 9–15Archiv Bürgerbewegung Leipzig, Gerda-Taro-Schule
2„Faces of Light“ – LichtinstallationZeitgeschichtliches Forum, Grimmaische Straße 6László Zsolt Bordos (Ungarn)
3„Aufbruch – Umbruch –? Verbunden in Vielfalt“ – TanzperformanceMarktTanzcompany TARO TANZ
4Kerzen-89 und ZeitzeugengesprächeThomaskirchhof, Ecke KlostergasseModeration: Nils Straatmann
5„PERPETUUM“ – VideoinstallationDittrichring 12–16Katja Heitmann (Hamburg)
6„Der Aktenschrank“ – VideoinstallationInnenhof MatthäikirchhofKünstlerkollektiv mammasONica (Italien)

Fotos von 1989 in der Grimmaischen Straße

Das Archiv Bürgerbewegung Leipzig zeigt zehn großformatige Fotomotive aus dem Jahr 1989. Schülerinnen und Schüler eines Geschichtskurses der Gerda-Taro-Schule haben die Bilder kommentiert.

Gesichter des Herbstes am Zeitgeschichtlichen Forum

Für „Faces of Light“ projizieren Beamer Archivporträts von Menschen, die am Herbst 1989 beteiligt waren, auf die Fensterflächen des Museums; Lichtstrahlen reichen bis in den Straßenraum. Bordos gilt laut Programm als Pionier des 3D-Projektionsmappings.

Tanz auf dem Markt

Rund 140 Schülerinnen und Schüler der Klassen 6 bis 12 tanzen in der Tanzcompany TARO TANZ – von den Hoffnungen des Jahres 1989 bis zu heutigen Gefährdungen der Demokratie. Hauptperformances: 19:15, 20:30, 21:30 und 22:30 Uhr.

Kerzen-89 am Thomaskirchhof

Am Kerzenpodest können Sie ein Teelicht aufstellen; Kerzen gibt es kostenfrei an allen Kerzen- und Infoständen. Nils Straatmann spricht hier mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen – etwa über die Frage „bleiben oder gehen?“, über Hoffnungen, Ängste und Medienfreiheit.

Bewegung als Erinnerung am Dittrichring

Die Hamburger Choreografin Katja Heitmann sammelt und bewahrt „menschliche Bewegung“. Nach Angaben des Programms haben bereits mehr als 2.500 Menschen ihre persönlichen Bewegungen für das Projekt „PERPETUUM“ gespendet, das als immersive Videoinstallation gezeigt wird.

Der Aktenschrank im Stasi-Innenhof

Das italienische Kollektiv mammasONica verwandelt den Innenhof der ehemaligen Stasi-Zentrale am Matthäikirchhof in eine Projektionsfläche. Digitale Animation trifft hier auf handgefertigte Stop-Motion-Szenen aus Plastilin. Der Zugang erfolgt ausschließlich über die Kleine Fleischergasse, der Ausgang über die Große Fleischergasse.

Kerzenpatenschaft 2026

An den Kerzenständen können Sie bar oder per PayPal eine symbolische Kerzenpatenschaft übernehmen. Der Erlös geht 2026 an den Verein Haus Steinstraße e. V., ein soziokulturelles Zentrum und anerkannter Träger der Jugendhilfe in Leipzig. 2024 kamen so 8.200 Euro zusammen.

Weitere Angebote am 9. Oktober 2026

Gedenkstätten, Museen und Initiativen ergänzen das Lichtfest mit einem Begleitprogramm. Eine Auswahl aus dem Programmheft:

  • 11 Uhr: Stadtrundgang „Auf den Spuren der Friedlichen Revolution“ der Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“, Treffpunkt Hauptportal der Nikolaikirche (kostenpflichtig).
  • 14 und 16 Uhr: Sonderführung „Der Weg zur Friedlichen Revolution – 9.10.1989 in Leipzig“ im Zeitgeschichtlichen Forum (Eintritt frei).
  • 18–23 Uhr: Historische Aufnahmen der Montagsdemonstrationen im ehemaligen Stasi-Kinosaal der „Runden Ecke“.
  • 19 Uhr: „Leipziger Appell: Medienfreiheit schützen – Demokratie stärken“ mit Informationen und Gesprächen auf dem Marktplatz.
  • 19 und 19:30 Uhr: kostenlose geführte Rundgänge zu historischen Orten (circa eine Stunde, mit Leipzig erleben e. V.), Treffpunkt Brunnen auf dem Nikolaikirchhof.
  • 19–23 Uhr: Nacht der offenen Tür in der ehemaligen Stasi-Zentrale am Dittrichring 24 – mit Bundesarchiv (Stasi-Unterlagen-Archiv Leipzig), Gedenkstätte Museum in der „Runden Ecke“ und Schulmuseum (Eintritt frei).

Anreise und Tipps für Ihren Besuch

Alle Veranstaltungsorte liegen innerhalb des Leipziger Innenstadtrings. Die Veranstalter empfehlen, mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Rad oder zu Fuß anzureisen.

Mit Bus, Bahn und Rad

Mit der Straßenbahn können Sie alle Haltestellen entlang des Innenstadtrings nutzen. Wer mit der S-Bahn kommt, steigt am besten an der Station Markt aus. Wenn Sie mit dem Zug anreisen, gehen Sie vom Hauptbahnhof Leipzig zu Fuß in die Innenstadt oder fahren mit der S-Bahn bis zum Markt. Für Radfahrende stehen am Eingang der Grimmaischen Straße zusätzliche Fahrradstellplätze bereit.

Verkehrseinschränkungen am 9. Oktober

  • Die Buslinie 89 fährt am 9. Oktober ganztägig nicht durch die Innenstadt. In Richtung Hauptbahnhof wird sie über den Goerdelerring umgeleitet, in Richtung Connewitzer Kreuz über Augustusplatz und Wilhelm-Leuschner-Platz.
  • Auf den City Parkplatz Große Fleischergasse 2 ist zwischen 18 und 24 Uhr keine Einfahrt möglich; die Ausfahrt wird über den Brühl umgeleitet.
  • Wegen Straßensperrungen gilt Parkverbot auf dem Dittrichring (zwischen Thomaskirchhof und Kleiner Fleischergasse) sowie in der Großen Fleischergasse 11–23.

Mit dem Auto

Wenn Sie mit dem Auto kommen, empfiehlt die Stadt die Park-&-Ride-Parkplätze an der Leipziger Messe, am Völkerschlachtdenkmal, in Lausen, in der Plovdiver Straße und am Schönauer Ring sowie die Parkplätze am Sportforum. Von dort fahren Sie mit öffentlichen Verkehrsmitteln weiter in die Innenstadt.

Barrierefreiheit

Nach Angaben der Veranstalter sind alle Projekte des Lichtwegs rollstuhlgerecht und für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erreichbar. Auf der Seite zur Barrierefreiheit des Lichtfests sollen die Kunstwerke zusätzlich beschrieben werden – Texte, Bilder, Projektionen, Lichtstimmungen, Geräusche und räumliche Situationen –, damit Sie Ihren Besuch vorbereiten können. Die Seite ist laut Hinweis noch im Aufbau.

Digital unterwegs

In der kostenlosen App „Explore Leipzig – City Tours“ sind alle Projekte des Lichtwegs parallel digital abrufbar, auf Deutsch und Englisch sowie mit Audiofassung.

Praktische Tipps

Zeit einplanen

Wenn Sie Friedensgebet und Rede zur Demokratie erleben möchten, kommen Sie frühzeitig zur Nikolaikirche – offizielle Angaben zum Einlass gibt es bislang nicht.

Warm anziehen

Der Lichtweg findet abends im Freien statt. Warme, wetterfeste Kleidung und bequeme Schuhe sind empfehlenswert.

Was für 2026 noch nicht offiziell veröffentlicht ist

Stand 19. September 2026 nennen die offiziellen Quellen keine Angaben zu einer Fernseh- oder Livestream-Übertragung von Friedensgebet und Rede, zu Einlass und Platzvergabe in der Nikolaikirche, zur erwarteten Besucherzahl sowie zu Gebärdensprachdolmetschung, Audiodeskription oder barrierefreien Toiletten. Wer die Grußworte um 19:45 Uhr auf dem Markt spricht, geht aus dem Programmheft nicht eindeutig hervor. Prüfen Sie kurz vorher die offizielle Seite.

Geschichte des Lichtfests seit 2009

Das Lichtfest entstand zum 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution und hat sein Format seitdem immer wieder verändert – vom Lichtring über den gesamten Innenstadtring bis zu kleineren, dezentralen Ausgaben. Gezeigt wurden vor allem Mappings, Installationen und Performances.

197
Kunstschaffende (2009–2025)
20
Nationen als Partner und Beteiligte (2009–2025)
100+
Projekte seit 2009 (Stand 2025)
2009
Das erste Lichtfest zum 20. Jahrestag. Unter dem Motto „Aufbruch Leipzig – 20 Jahre Friedliche Revolution und Einheit Europas“ gab es Lichtinstallationen, Musik und Performances entlang des halben Innenstadtrings. Eröffnet wurde auf dem Augustusplatz; es sprachen unter anderem Hans-Dietrich Genscher und Kurt Masur. Besucher füllten das Kerzenpodest „Leipzig 89“ mit Teelichtern (Rückblick 2009).
2014
25. Jahrestag auf dem ganzen Ring. Das Lichtfest erstreckte sich erstmals über den gesamten Innenstadtring: Auf 3,6 Kilometern gab es über 20 Stationen. Rund 200.000 Menschen kamen, darunter Bundespräsident Joachim Gauck sowie die Staatspräsidenten Polens, Tschechiens, der Slowakei und Ungarns (Rückblick 2014).
2019
30. Jahrestag. Unter dem Titel „Herbst 89 – Aufbruch zur Demokratie“ entstanden ab dem 4. September sechs Lichträume entlang des Rings. Trotz Regen und der tragischen Ereignisse in Halle am selben Tag kamen rund 75.000 Menschen; mit 25.000 Teelichtern entstand der Schriftzug „Leipzig 89“. Es sprach unter anderem Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (Rückblick 2019).
2020
Kleine Ausgabe in der Pandemie. Wegen der Corona-Pandemie fand das Lichtfest nicht wie gewohnt mit Tausenden Besuchern auf dem Augustusplatz statt, sondern deutlich kleiner auf dem Nikolaikirchhof. Rund 10.000 Kerzen bildeten die „89“; die Veranstaltung wurde im Fernsehen und als Internet-Stream übertragen (Rückblick 2020).
2021–2023
Dezentrales Konzept. Statt eines einzigen Festplatzes gab es Lichtinstallationen auf Augustusplatz, Burgplatz und Richard-Wagner-Platz, die Kerzen-89 stand auf dem Nikolaikirchhof. 2021 gab es kein Bühnenprogramm. Zu den Gästen zählten 2021 der Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko und 2022 die Memorial-Mitbegründerin Irina Scherbakowa (Rückblick 2021).
2024
35. Jahrestag. Das Lichtfest kehrte auf den gesamten Innenstadtring entlang der authentischen Demonstrationsroute zurück, von 19 bis 24 Uhr, mit über 20 Künstlerteams. Grußworte sprach unter anderem Bundeskanzler Olaf Scholz. Als „Lichtfest XXL“ waren Installationen zusätzlich vom 10. bis 12. Oktober zu sehen; das Kerzenpodest stand auf dem Augustusplatz (Rückblick 2024).
2025
Lichtweg und Grundsteinlegung. Fünf Lichtkunstprojekte ost- und westdeutscher Kunstschaffender bildeten einen Lichtweg am Neumarkt und im Schillerpark, wo auch die Kerzen-89 stand. Im Rahmen des Lichtfests wurde der Grundstein für das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal gelegt; die Rede zur Demokratie hielt Nino Haratischwili (Rückblick 2025).
2026
Lichtweg zwischen Nikolaikirche und Matthäikirchhof. Sechs Stationen, europäische Perspektive, die Kerzen-89 erstmals am Thomaskirchhof.

Der 9. Oktober 1989: der Tag der Entscheidung

Der 9. Oktober 1989 gilt als entscheidender Tag der Friedlichen Revolution. An diesem Montag zogen in Leipzig rund 70.000 Menschen über den Innenstadtring – die bis dahin größte Massendemonstration des Herbstes 1989. Die Staatsmacht hatte sich auf einen gewaltsamen Einsatz vorbereitet, griff aber nicht ein. Die Bundesregierung stellt den Tag in ihrer Chronik der Deutschen Einheit unter die Überschrift „Erster großer Sieg über die SED-Diktatur“.

70.000
Demonstrierende am 9. Oktober 1989
3.000
bewaffnete Kräfte in Bereitschaft (1989)
5.000
„gesellschaftliche“ Kräfte mobilisiert (1989)
120.000
Demonstrierende eine Woche später, 16.10.1989

Die Vorgeschichte: Friedensgebete und wachsende Proteste

In der Nikolaikirche fanden seit 1982 regelmäßig montags Friedensgebete statt. In der DDR boten sie eine der wenigen Gelegenheiten, Sorgen und Anliegen ungestraft auszusprechen. Im Herbst 1989 wurden sie zum Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen. Die Zahl der Teilnehmenden wuchs rasch: Am 25. September 1989 waren es rund 5.000, am 2. Oktober bereits etwa 20.000. Am 7. Oktober, dem 40. Jahrestag der DDR, setzte die Polizei in Leipzig Wasserwerfer gegen Protestierende ein; nach Angaben der LTM wurden 210 Menschen festgenommen (Auf dem Weg zum 9. Oktober). Für den folgenden Montag wurde das Schlimmste befürchtet.

Der Ablauf des Tages

Um „mögliche Provokationen im Keim zu ersticken“, versetzte die SED nach Darstellung der Bundesregierung 3.000 bewaffnete und 5.000 sogenannte gesellschaftliche Kräfte in Bereitschaft. 700 „treue Genossen“ wurden zur Nikolaikirche beordert, um die Kirchenbänke zu blockieren. Außerhalb der Stadt warteten zudem 1.500 Soldaten der Nationalen Volksarmee auf ihren Einsatz.

nach 14 Uhr
Die Nikolaikirche ist voll besetzt, draußen sammeln sich immer mehr Menschen.
17 Uhr
Friedensgebete beginnen – neben der Nikolaikirche auch in der Reformierten Kirche, der Michaeliskirche und der Thomaskirche. Alle Kirchen sind überfüllt.
ab 17:30 Uhr
Über den Leipziger Stadtfunk wird der Aufruf der „Leipziger Sechs“ verlesen, der zu Besonnenheit und Dialog aufruft.
nach den Gebeten
Der Demonstrationszug setzt sich vom Karl-Marx-Platz (heute Augustusplatz) aus über den Ring in Bewegung. Die Menschen rufen „Wir sind das Volk“ und „Keine Gewalt!“.
gegen 19:25 Uhr
Der Zug erreicht die „Runde Ecke“, den Sitz der Stasi-Bezirksverwaltung – ein besonders angespannter Moment.
gegen 20:30 Uhr
Die Demonstration löst sich friedlich auf. Angesichts der Massen auf dem Ring haben sich die Sicherheitskräfte zurückgezogen.

Der Aufruf der „Leipziger Sechs“

Kurz vor der Demonstration wandten sich sechs Leipziger Persönlichkeiten gemeinsam an die Öffentlichkeit: Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, der Theologe Peter Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange sowie die drei Sekretäre der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel. Ihr Aufruf wurde in den Kirchen der Stadt und über den Stadtfunk verlesen und forderte zu einem freien und friedlichen Dialog auf.

„Wir alle brauchen freien Meinungsaustausch.“

— Aufruf der „Leipziger Sechs“, von Kurt Masur verlesen und über den Stadtfunk verbreitet, Leipzig, 9. Oktober 1989

Warum der Tag als Wendepunkt gilt

Am 9. Oktober 1989 griffen die Sicherheitskräfte nicht ein – angesichts der Menschenmassen zogen sie sich zurück, und auch die bereitstehenden NVA-Soldaten kamen nicht zum Einsatz. Die Menschen hatten ihre Angst überwunden, die Staatsmacht hatte die Kontrolle über die Straße verloren. Eine Woche später, am 16. Oktober, demonstrierten in Leipzig bereits rund 120.000 Menschen. Am 18. Oktober 1989 musste Erich Honecker als Staats- und Parteichef abtreten, Egon Krenz folgte ihm. Die Proteste griffen auf die gesamte DDR über – bis zum Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989 und schließlich zur Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990. Mehr zum politischen System lesen Sie in unserem Überblick zur Geschichte der DDR.

„Wir sind das Volk“ – „Keine Gewalt!“

Schon am 3. Oktober 2026 feiert Deutschland den 36. Jahrestag der Deutschen Einheit – mehr dazu auf unserer Seite zum Bürgerfest 2026.

Erinnerungsorte in Leipzig

Viele Orte des Herbstes 1989 liegen in der Leipziger Innenstadt nur wenige Gehminuten voneinander entfernt. Öffnungszeiten und Preise geben die Angaben der jeweiligen Einrichtungen wieder, abgerufen am 19. September 2026.

Nikolaikirche

Die Kirche im Zentrum war der Ausgangspunkt der Montagsdemonstrationen. Die Friedensgebete finden bis heute montags um 17 Uhr statt (außer in der Sommerpause), am 9. Oktober jedes Jahr mit einem besonderen Friedensgebet. Geöffnet ist die Kirche montags bis freitags von 11 bis 18 Uhr, samstags von 11 bis 16 Uhr und sonntags von 11:30 bis 14:30 Uhr; während Gottesdiensten und Veranstaltungen sind keine Besichtigungen möglich.

Museum in der „Runden Ecke“

Im ehemaligen Sitz der Stasi-Bezirksverwaltung am Dittrichring 24 zeigt das Bürgerkomitee Leipzig e. V. die Dauerausstellung „Stasi – Macht und Banalität“. Das Gebäude wurde am 4. Dezember 1989 von Bürgerinnen und Bürgern besetzt. Die Ausstellung ist derzeit täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet; der Eintritt kostet 5 Euro (ermäßigt 4 Euro) inklusive Audioguide.

Zeitgeschichtliches Forum Leipzig

Das Museum der Stiftung Haus der Geschichte in der Grimmaischen Straße 6 zeigt die Dauerausstellung „Unsere Geschichte. Diktatur und Demokratie nach 1945“. Geöffnet ist es dienstags bis sonntags und an Feiertagen von 10 bis 18 Uhr, montags ist es geschlossen. Der Eintritt ist frei; der Zugang erfolgt ebenerdig.

Der Innenstadtring

Der rund 3,6 Kilometer lange Ring um die Altstadt war die Route der Montagsdemonstrationen – vom damaligen Karl-Marx-Platz, dem heutigen Augustusplatz, vorbei an der „Runden Ecke“. Zu Jubiläen wie 2014, 2019 und 2024 wurde der Ring zur Bühne des Lichtfests.

Freiheits- und Einheitsdenkmal

Am Wilhelm-Leuschner-Platz soll das Leipziger Freiheits- und Einheitsdenkmal entstehen; den Standort bestätigte der Stadtrat am 16. Juni 2022. Projektträger ist die Stiftung Friedliche Revolution. Der Grundstein wurde am 9. Oktober 2025 im Rahmen des Lichtfests gelegt.

Quellen und weiterführende Links

Alle Angaben auf dieser Seite haben wir anhand der folgenden Quellen geprüft (Stand: 19. September 2026). Maßgeblich sind im Zweifel die Angaben der jeweiligen Herausgeber.

Häufig gestellte Fragen: Lichtfest Leipzig

Die wichtigsten Antworten im Überblick

Das Lichtfest Leipzig 2026 findet am Freitag, 9. Oktober 2026, statt. Der Lichtweg durch die Innenstadt ist von 19 bis 23 Uhr zu erleben. Bereits um 17 Uhr beginnt das Friedensgebet in der Nikolaikirche, von 18:15 bis 19 Uhr folgt dort die Rede zur Demokratie.

2026 ist das Lichtfest als Lichtweg durch die Innenstadt angelegt – zwischen Nikolaikirche und Matthäikirchhof. Die sechs Stationen liegen in der Grimmaischen Straße, am Zeitgeschichtlichen Forum, auf dem Markt, am Thomaskirchhof, am Dittrichring und im Innenhof am Matthäikirchhof. Der Augustusplatz gehört 2026 nicht zu den Stationen.

Für den Lichtweg im öffentlichen Raum nennt das offizielle Programm keine Eintrittspreise oder Tickets. Teelichter für die Kerzen-89 gibt es kostenfrei an den Kerzen- und Infoständen; wer möchte, kann eine symbolische Kerzenpatenschaft übernehmen. Einzelne Angebote im Begleitprogramm, etwa der Stadtrundgang der „Runden Ecke“ um 11 Uhr, sind kostenpflichtig.

Die Rede zur Demokratie hält 2026 die deutsch-amerikanische Politikwissenschaftlerin Cathryn Clüver Ashbrook. Sie spricht am 9. Oktober von 18:15 bis 19 Uhr in der Nikolaikirche. Laut Programmheft geht es um Angriffspunkte von innen auf liberale Demokratien – am Beispiel der USA und mit Blick auf Europa.

Das Kerzenpodest in Form einer „89“ steht 2026 erstmals am Thomaskirchhof, Ecke Klostergasse. Dort können Sie im Laufe des Abends ein Teelicht aufstellen. An der Kerzen-89 finden außerdem Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen statt, moderiert von Nils Straatmann.

Die Veranstalter empfehlen die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln, mit dem Rad oder zu Fuß, da alle Orte innerhalb des Innenstadtrings liegen. Mit der S-Bahn steigen Sie am besten am Markt aus, mit der Straßenbahn eignen sich alle Haltestellen am Ring. Wer mit dem Auto kommt, nutzt am besten die von der Stadt empfohlenen Park-&-Ride-Plätze, etwa an der Leipziger Messe oder am Völkerschlachtdenkmal.

Nach Angaben der Veranstalter sind alle Projekte des Lichtwegs 2026 rollstuhlgerecht und für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen erreichbar. Beschreibungen der Kunstwerke sollen auf der Barrierefreiheitsseite des Lichtfests die Vorbereitung erleichtern; die Seite ist laut Veranstalter noch im Aufbau. Angaben zu Gebärdensprache oder Audiodeskription lagen am 19. September 2026 noch nicht vor.

Am 9. Oktober 1989 demonstrierten in Leipzig rund 70.000 Menschen friedlich, obwohl die SED 3.000 bewaffnete und 5.000 sogenannte gesellschaftliche Kräfte in Bereitschaft versetzt hatte. Die Sicherheitskräfte griffen nicht ein. Der Tag gilt deshalb als Wendepunkt der Friedlichen Revolution: Eine Woche später gingen in Leipzig rund 120.000 Menschen auf die Straße, genau einen Monat später fiel die Mauer.

So werden die sechs Unterzeichner des Aufrufs vom 9. Oktober 1989 genannt: Gewandhauskapellmeister Kurt Masur, der Theologe Peter Zimmermann, der Kabarettist Bernd-Lutz Lange und die drei Sekretäre der SED-Bezirksleitung Kurt Meyer, Jochen Pommert und Roland Wötzel. Ihr Aufruf zu freiem Dialog und Besonnenheit wurde in den Kirchen und über den Stadtfunk verlesen und trug zum friedlichen Verlauf des Abends bei.

Das Lichtfest gibt es seit 2009, dem 20. Jahrestag der Friedlichen Revolution. Seitdem findet es jedes Jahr am 9. Oktober statt. Zu Jubiläen wie 2014, 2019 und 2024 erstreckte es sich über den Innenstadtring; 2014 kamen nach Angaben der Veranstalter rund 200.000 Menschen.