Alle Einheitsfeiern seit 1990: Gastgeberstädte, Mottos und Besucher

Die zentrale Feier zum Tag der Deutschen Einheit wechselt jedes Jahr den Ort: Gastgeber ist das Land, das gerade die Bundesratspräsidentschaft innehat. Von 1990 bis 2026 sind es – die bevorstehende Feier in Bremen eingerechnet – 37 zentrale Feiern in 19 verschiedenen Städten. Hier finden Sie alle Gastgeber mit Mottos und belegten Besucherzahlen, die Regeln hinter der Reihenfolge, Porträts besonderer Jahrgänge und einen Ausblick auf 2027.

Wie der Gastgeber bestimmt wird

Wo Deutschland den 3. Oktober offiziell feiert, richtet sich nach einer festen Tradition. Der Bundesrat beschreibt sie knapp: Das offizielle Fest zum Tag der Deutschen Einheit „findet immer in dem Land statt, das die Bundesratspräsidentschaft innehat“. Wer den Gastgeber verstehen will, muss also wissen, wie die Präsidentschaft im Bundesrat vergeben wird.

Bundesratspräsidentschaft und Königsteiner Abkommen

Jedes Jahr zum 1. November wechselt der Vorsitz im Bundesrat; die Amtszeit reicht bis zum 31. Oktober des Folgejahres. Gewählt wird aus dem Kreis der 16 Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten – allerdings nicht frei, sondern in einer festen Reihenfolge. Darauf haben sich die Regierungschefs der Länder am 30. August 1950 in Königstein im Taunus verständigt, im sogenannten Königsteiner Abkommen.

Maßstab ist die Einwohnerzahl: Den Anfang macht das bevölkerungsreichste Land, nach der Präsidentschaft des kleinsten Landes beginnt der Zyklus von vorn. Die Absprache sorgt laut Bundesrat dafür, dass die Besetzung des Amtes von parteipolitischen Erwägungen und wechselnden Mehrheiten losgelöst ist. Seit 1990 gilt sie auch für die neuen Länder, die per Zusatzvereinbarung der Ministerpräsidenten in den Turnus aufgenommen wurden.

Mit 16 Ländern dauert ein Durchlauf 16 Jahre: Auf Bremen als kleinstes Land folgte jeweils Nordrhein-Westfalen als bevölkerungsreichstes – 1994/1995, 2010/2011 und nun erneut 2026/2027. Weil das Amtsjahr am 1. November beginnt, liegt der 3. Oktober stets am Ende einer Präsidentschaft: Bremen etwa führt den Vorsitz vom 1. November 2025 bis zum 31. Oktober 2026, die Einheitsfeier vom 2. bis 4. Oktober 2026 fällt in die letzten Wochen dieser Amtszeit.

Woher die Mottos kommen

Jede Präsidentschaft stellt ihr Amtsjahr unter ein Leitmotiv. Es sei „guter Brauch, dass jede Bundesratspräsidentschaft unter einem Leitmotiv steht“, sagte Stanislaw Tillich 2015 in seiner Antrittsrede als Bundesratspräsident – das sächsische lautete „Brücken bauen“. Dieses Leitmotiv prägt in der Regel auch die Einheitsfeier: Das saarländische Motto „Zukunft durch Wandel“ stand 2025 sowohl über der Präsidentschaft als auch über dem Fest in Saarbrücken.

Gut zu wissen: Wechsel mitten im Amtsjahr

Scheidet eine Regierungschefin oder ein Regierungschef vorzeitig aus, bleibt die Präsidentschaft beim Land. Laut der Präsidentenliste des Bundesrates amtierten 1991/92 nacheinander Alfred Gomolka und Berndt Seite (beide Mecklenburg-Vorpommern), 1998/99 folgte Roland Koch auf Hans Eichel (beide Hessen). Gerhard Schröder (Niedersachsen) schied am 27. Oktober 1998 aus dem Amt – dem Tag seiner Wahl zum Bundeskanzler.

Die Staffelstab-Übergabe

Sichtbares Zeichen des Wechsels ist die symbolische Staffelstab-Übergabe. Sie findet traditionell während der Einheitsfeier statt, also einige Wochen vor dem formalen Amtswechsel am 1. November. 2025 überreichte die saarländische Ministerpräsidentin Anke Rehlinger am 3. Oktober im Bundesratspavillon in Saarbrücken den Staffelstab an Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte. Am 3. Oktober 2026 gibt Bovenschulte ihn in Bremen an Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidenten Hendrik Wüst weiter; die formelle Wahl im Bundesrat ist für den 16. Oktober 2026 angesetzt.

Für die Beteiligten ist das mehr als Protokoll. Manuela Schwesig, Bundesratspräsidentin 2023/24, sagte in ihrer Antrittsrede: „Es war ein bewegender Moment für mich, während der Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit in Hamburg den Staffelstab zu übernehmen.“

Festakt, Gottesdienst und Bürgerfest

Jede Einheitsfeier besteht aus zwei Teilen, die sich beim Zugang deutlich unterscheiden:

  • Ökumenischer Gottesdienst und Festakt am 3. Oktober: Beide Veranstaltungen sind geladenen Gästen vorbehalten, 2026 in Bremen etwa Vertreterinnen und Vertretern der Verfassungsorgane von Bund und Ländern, Gästen aus Politik, Wirtschaft, Kultur und den Religionen sowie Bürgerdelegationen aus den Ländern. Der Gottesdienst wird gemeinsam von der evangelischen und der katholischen Kirche gestaltet. Beide werden live im Fernsehen übertragen.
  • Bürgerfest: Das mehrtägige Fest rund um den 3. Oktober ist öffentlich und kostenlos – 2026 dauert es vom 2. bis 4. Oktober. Bundesrat, Bundestag, Bundesregierung, Bundesverfassungsgericht und alle 16 Länder präsentieren sich mit eigenen Pavillons und Ständen; dazu kommen Bühnen, Konzerte und Mitmachangebote.

Welche Programmpunkte in diesem Jahr in Bremen geplant sind, lesen Sie auf unserer Seite zum Bürgerfest 2026.

Die Besonderheit von 1990

Das Jahr 1990 fällt aus dem Muster. Der 3. Oktober 1990 war kein Jahrestag, sondern der Tag der Vereinigung selbst, und gefeiert wurde in Berlin in staatlicher Regie: Um Mitternacht wurde vor dem Reichstagsgebäude zu den Klängen der Freiheitsglocke die Bundesflagge gehisst; nach Darstellung der Bundesregierung feierten dort Hunderttausende. Am Tag selbst lud Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum Staatsakt in die Berliner Philharmonie. Den Vorsitz im Bundesrat hatte in diesem Amtsjahr übrigens ohnehin Berlin – mit dem Regierenden Bürgermeister Walter Momper (1. November 1989 bis 31. Oktober 1990).

Die erste Feier im heutigen Sinn – ausgerichtet vom Präsidentschaftsland zum Jahrestag – folgte 1991 in Hamburg. Hintergründe zu den Ereignissen von 1990 finden Sie auf unserer Seite zur Deutschen Wiedervereinigung, alles zum Feiertag selbst unter Feiertag am 3. Oktober.

Alle Einheitsfeiern 1990–2026 im Überblick

Die folgende Tabelle nennt für jedes Jahr das Gastgeberland, die Stadt, das Motto und die Besucherzahl. Das Gastgeberland ergibt sich aus der offiziellen Liste der Bundesratspräsidentschaften. Mottos und Besucherzahlen stehen nur dort, wo wir sie in Reden, Mitteilungen oder auf den Seiten des Bundesrates und der Gastgeber belegen konnten – sonst steht ein Strich. Für die meisten Jahre bis 2014 konnten wir weder Mottos noch Besucherzahlen in offiziellen Quellen belegen.

Zentrale Feiern zum Tag der Deutschen Einheit 1990–2026 (Stand: 19. September 2026)
JahrGastgeberlandStadtMottoBesucher
1990BerlinBerlin– (Staatsakt zur Vereinigung)Hunderttausende am Reichstag
1991HamburgHamburg
1992Mecklenburg-VorpommernSchwerin
1993SaarlandSaarbrücken
1994BremenBremen
1995Nordrhein-WestfalenDüsseldorf
1996BayernMünchen
1997Baden-WürttembergStuttgart
1998NiedersachsenHannover
1999HessenWiesbaden
2000SachsenDresden
2001Rheinland-PfalzMainz
2002BerlinBerlin
2003Sachsen-AnhaltMagdeburg
2004ThüringenErfurt
2005BrandenburgPotsdam
2006Schleswig-HolsteinKiel
2007Mecklenburg-VorpommernSchwerin
2008HamburgHamburg
2009SaarlandSaarbrücken
2010BremenBremen
2011Nordrhein-WestfalenBonn
2012BayernMünchen
2013Baden-WürttembergStuttgart
2014NiedersachsenHannover
2015HessenFrankfurt am Main„Grenzen überwinden“
2016SachsenDresden„Brücken bauen“
2017Rheinland-PfalzMainz„Zusammen sind wir Deutschland!“
2018BerlinBerlin„Nur mit Euch“
2019Schleswig-HolsteinKiel„Mut verbindet“
2020BrandenburgPotsdamEinheitsEXPO: „30 Jahre – 30 Tage – 30mal Deutschland“
2021Sachsen-AnhaltHalle (Saale)
2022ThüringenErfurt„Zusammen wachsen“
2023HamburgHamburg„Horizonte öffnen“über 700.000
2024Mecklenburg-VorpommernSchwerin„Vereint Segel setzen“200.000
2025SaarlandSaarbrücken„Zukunft durch Wandel“400.000
2026BremenBremen„Viele Stärken – ein Land“erwartet: rund 400.000

So lesen Sie die Tabelle

  • Länder und Städte: Das Gastgeberland ist für jedes Jahr durch die Präsidentenliste des Bundesrates gesichert. Die Stadt belegen für die meisten Jahre Reden – etwa des Bundespräsidenten beim Festakt (1990, 1994, 1998, 2000, 2002, 2004, 2008, 2010, 2013, 2020), der Bundesratspräsidentinnen und -präsidenten (2011, 2014–2020, 2022–2025) oder der Bundeskanzlerin (2021). Für einige frühe Jahre (1992, 1993, 1995–1997, 1999, 2001, 2003, 2005–2007, 2009) sowie für 2012 stützt sich die Stadt auf allgemeine Nachschlagewerke; in all diesen Fällen handelt es sich um die jeweilige Landeshauptstadt.
  • Mottos: Angegeben ist das Leitmotiv, unter das die jeweilige Präsidentschaft ihr Amtsjahr und die Feier gestellt hat. 2015, 2016 und 2022 ist es ausdrücklich als Leitmotiv der hessischen, sächsischen beziehungsweise Thüringer Präsidentschaft belegt. Für 2020 steht das Konzept der EinheitsEXPO in Potsdam, wie es Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke beschrieb.
  • Besucherzahlen: Weil das Bürgerfest offen und ohne Eintritt zugänglich ist, gibt es keine verkauften Karten, die man zählen könnte. Die Zahlen stammen aus den Bilanzreden der Bundesratspräsidentinnen und -präsidenten (2023: Peter Tschentscher, 2024: Manuela Schwesig, 2025: Anke Rehlinger) und sind als Größenordnung zu verstehen. Für 2026 nennt der Bremer Veranstalter eine Erwartung, noch keine Bilanz.
  • 1990: Die Angabe „Hunderttausende“ bezieht sich auf die Feier in der Nacht zum 3. Oktober vor dem Reichstagsgebäude, nicht auf ein Bürgerfest heutiger Art.

Wo der Festakt stattfand – eine Auswahl

Der Festakt am 3. Oktober findet meist in einem Konzert- oder Theaterhaus der Gastgeberstadt statt. Belegt sind unter anderem diese Orte:

  • 1990: Berliner Philharmonie (Staatsakt)
  • 1994: Congress-Centrum Bremen
  • 2002: Konzerthaus am Gendarmenmarkt, Berlin
  • 2013: Liederhalle, Stuttgart
  • 2015: Alte Oper, Frankfurt am Main
  • 2016: Semperoper, Dresden
  • 2017: Rheingoldhalle, Mainz
  • 2018: Staatsoper Berlin
  • 2020: Metropolis Halle, Potsdam
  • 2022: Theater Erfurt
  • 2023: Elbphilharmonie, Hamburg
  • 2024: Staatstheater Schwerin
  • 2025: Congresshalle, Saarbrücken
  • 2026: Konzerthaus „Die Glocke“, Bremen

Besondere Einheitsfeiern im Porträt

Runde Jahrestage, prominente Reden, außergewöhnliche Umstände: Die folgenden Kurzporträts beschränken sich auf Details, die in Reden und offiziellen Mitteilungen belegt sind.

„Aus ganzem Herzen empfinden wir Dankbarkeit und Freude – und zugleich unsere große und ernste Verpflichtung.“

— Richard von Weizsäcker, Bundespräsident, Staatsakt zum Tag der Deutschen Einheit in der Berliner Philharmonie, 3. Oktober 1990

1990 Berlin: der Tag der Vereinigung

Um null Uhr erklang die Freiheitsglocke, vor dem Reichstagsgebäude stieg die Bundesflagge auf – Hunderttausende Menschen sowie die höchsten Vertreter von Bundesrepublik und DDR feierten dort. Beim Staatsakt in der Philharmonie zitierte Richard von Weizsäcker die Präambel des Grundgesetzes, die nun für alle Deutschen galt.

1991 Hamburg: der erste Jahrestag

Zum ersten Jahrestag feierte die Hansestadt, deren Erster Bürgermeister Henning Voscherau damals Bundesratspräsident war. Seine nüchterne Bilanz zitierte Peter Tschentscher 2023: „Dieses erste Jahr der Einheit war das Jahr der Ernüchterung.“ Voscherau schloss dennoch zuversichtlich: „Wir brauchen nicht verzagt zu sein.“

2000 Dresden: zehn Jahre Einheit

Den zehnten Jahrestag richtete Sachsen aus; Bundesratspräsident war Ministerpräsident Kurt Biedenkopf. Die Festrede in Dresden hielt Bundespräsident Johannes Rau. 2016 war Dresden erneut Gastgeber – mit Festakt in der Semperoper und dem sächsischen Leitmotiv „Brücken bauen“.

2010 Bremen: 20 Jahre Einheit

Beim Festakt zum 20. Jahrestag in Bremen sprach Bundespräsident Christian Wulff: „Seit 20 Jahren sind wir wieder ‚Deutschland einig Vaterland‘.“ Aus derselben Rede stammt der vielzitierte Satz: „Aber der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland.“ Bundesratspräsident war damals Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen.

2015 Frankfurt am Main: 25 Jahre

Hessen feierte nicht in Wiesbaden, sondern in Frankfurt – laut Bundesratspräsident Volker Bouffier „in der Stadt der Paulskirche, der Wiege der deutschen Demokratie“. Der Festakt fand in der Alten Oper statt, das Leitmotiv lautete „Grenzen überwinden“. Bürgerdelegationen aus allen 16 Ländern waren zu Gast.

2019 Kiel: „Mut verbindet“

Für Bundesratspräsident Daniel Günther war die Einheitsfeier am 2. und 3. Oktober in Kiel der Höhepunkt seiner Amtszeit – „ein fröhliches Bürgerfest“. In seiner Bilanzrede stellte er die Idee des „Einheitsbuddelns“ vor: „Was wäre, wenn, möglichst jeder Mensch in Deutschland am 3. Oktober einen Baum pflanzen würde?“

2020 Potsdam: 30 Jahre in der Pandemie

Zum 30. Jahrestag präsentierte Brandenburg die EinheitsEXPO in Potsdam – nach Dietmar Woidke „30 Jahre – 30 Tage – 30mal Deutschland“. Der Festakt fand in der Metropolis Halle statt. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sagte dort: „Die Pandemie steht vielem im Wege, auch dem großen Fest der Einheit.“

2025 Saarbrücken: 35 Jahre

Mit Emmanuel Macron sprach beim Festakt in der Congresshalle laut Anke Rehlinger erstmals seit mehr als 20 Jahren ein ausländischer Staatspräsident. Mehr dazu, zum Motto „Zukunft durch Wandel“ und zur Besucherbilanz lesen Sie im Rückblick 2025.

2026 Bremen: zum dritten Mal

Nach 1994 und 2010 ist Bremen zum dritten Mal Gastgeber – vom 2. bis 4. Oktober 2026 unter dem Motto „Viele Stärken – ein Land“, für das die Bremer Stadtmusikanten stehen. Alle Termine, Festmeilen und Anreise-Tipps finden Sie auf unserer Seite zum Bürgerfest 2026 in Bremen.

Welche Städte am häufigsten Gastgeber waren

Zählt man die Tabelle aus – den Staatsakt von 1990 und die bevorstehende Feier 2026 eingeschlossen –, waren fünf Städte dreimal Gastgeber, acht Städte zweimal und sechs Städte einmal.

37
zentrale Feiern 1990–2026
19
verschiedene Gastgeberstädte
5
Städte waren dreimal Gastgeber
34
Feiern in Landeshauptstädten
  • Dreimal: Berlin (1990, 2002, 2018), Hamburg (1991, 2008, 2023), Schwerin (1992, 2007, 2024), Saarbrücken (1993, 2009, 2025) und Bremen (1994, 2010, 2026).
  • Zweimal: München (1996, 2012), Stuttgart (1997, 2013), Hannover (1998, 2014), Dresden (2000, 2016), Mainz (2001, 2017), Erfurt (2004, 2022), Potsdam (2005, 2020) und Kiel (2006, 2019).
  • Einmal: Düsseldorf (1995), Wiesbaden (1999), Magdeburg (2003), Bonn (2011), Frankfurt am Main (2015) und Halle (Saale) (2021).

Dass gerade Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, das Saarland und Bremen auf drei Feiern kommen, liegt am Kalender: Ihre Feiern fielen in die Jahre 1990 bis 1994, also in den Durchlauf, der schon vor der Vereinigung begonnen hatte und mit Bremen 1993/94 endete. Ab 1995 war jedes der 16 Länder in zwei vollständigen Durchläufen je einmal an der Reihe – 1995 bis 2010 und 2011 bis 2026. Auf Länderebene ergibt sich daher dasselbe Bild: Die genannten fünf Länder waren dreimal Gastgeber, alle anderen zweimal.

Drei Ausnahmen von der Landeshauptstadt

Das Bundesratsprinzip legt nur das Land fest, nicht die Stadt. In 34 von 37 Fällen lag die Feier in der Landeshauptstadt – bei den Stadtstaaten Berlin, Hamburg und Bremen ohnehin. Dreimal wich ein Land davon ab:

  • 2011 Bonn statt Düsseldorf: Nordrhein-Westfalen feierte in der Bundesstadt, dem früheren Regierungssitz. Horst Seehofer dankte seiner Vorgängerin Hannelore Kraft, sie habe „den letzten Tag der Deutschen Einheit in Bonn hervorragend organisiert“.
  • 2015 Frankfurt am Main statt Wiesbaden: Hessen wählte die Stadt der Paulskirche für den 25. Jahrestag.
  • 2021 Halle (Saale) statt Magdeburg: Sachsen-Anhalt feierte in Halle; die Bundesregierung dokumentiert die Rede von Bundeskanzlerin Angela Merkel beim dortigen Festakt am 3. Oktober 2021.

Die Reihenfolge kann sich verschieben

Die Reihenfolge ist nicht für alle Zeiten festgeschrieben, weil sie an die Einwohnerzahlen gekoppelt ist. Bis einschließlich Berlin (2002 und 2018) verliefen beide Durchläufe identisch, danach unterscheiden sie sich:

  • 1995–2010: Sachsen-Anhalt (2003), Thüringen (2004), Brandenburg (2005), Schleswig-Holstein (2006), Mecklenburg-Vorpommern (2007), Hamburg (2008)
  • 2011–2026: Schleswig-Holstein (2019), Brandenburg (2020), Sachsen-Anhalt (2021), Thüringen (2022), Hamburg (2023), Mecklenburg-Vorpommern (2024)

Schleswig-Holstein rückte also vor die drei ostdeutschen Länder, und Hamburg tauschte mit Mecklenburg-Vorpommern den Platz. Saarland und Bremen bildeten in beiden Durchläufen den Abschluss.

Rückblick 2025: Saarbrücken

2.–4. Oktober 2025

Saarbrücken · Festakt in der Congresshalle · Bundesratspavillon auf dem Tbilisser Platz

35 Jahre Deutsche Einheit unter dem Motto „Zukunft durch Wandel“. Das Saarland richtete die Feier zum dritten Mal nach 1993 und 2009 aus; Gastgeberin war Ministerpräsidentin und Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger.

Ihr Motto begründete Rehlinger in der Bilanz ihres Amtsjahres so: Man habe damit „ein Signal für die Gestaltbarkeit unserer Zukunft und für eine optimistische Grundhaltung im Wandel gesetzt“. Beim Festakt am 3. Oktober sprachen neben Rehlinger der französische Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz. Rehlinger hob hervor, dass mit Macron „zum ersten Mal seit mehr als 20 Jahren ein ausländischer Staatspräsident beim Festakt des deutschen Nationalfeiertages“ sprach. In ihrer Bilanz würdigte sie seinen „leidenschaftlichen Appell für die deutsch-französische Zusammenarbeit und ein Europa in Frieden, Freiheit und Demokratie“.

In ihrer Festrede erinnerte Rehlinger auch an die besondere Geschichte ihres Landes: „Übrigens gehören wir erst seit 1957 zur Bundesrepublik, was uns zum jüngsten der ‚alten‘ Bundesländer macht.“

Wie viele Menschen kamen?

In ihrer Bilanzrede vor dem Bundesrat am 17. Oktober 2025 sprach Anke Rehlinger von einem „Fest der Einheit in Vielfalt mit seinen 400.000 friedlichen und interessierten Besucherinnen und Besuchern aus ganz Deutschland“. Ein Rückblick des Bundesrates vom 4. Oktober 2025, veröffentlicht am letzten Festtag, hatte zunächst „weit über 200.000 Menschen“ genannt. Die Tabelle übernimmt die spätere Bilanz der Bundesratspräsidentin.

Am Nachmittag des 3. Oktober übergab Rehlinger im Bundesratspavillon den Staffelstab an Bremen; der Bundesrat wählte Andreas Bovenschulte am 17. Oktober 2025 einstimmig zum Präsidenten.

Ausblick: 2027 und die nächsten Gastgeberländer

Am 1. November 2026 übernimmt Nordrhein-Westfalen die Bundesratspräsidentschaft; Ministerpräsident Hendrik Wüst soll am 16. Oktober 2026 gewählt werden. Nach der Tradition richtet damit Nordrhein-Westfalen die zentrale Einheitsfeier am 3. Oktober 2027 aus – als bevölkerungsreichstes Land eröffnet es zugleich einen neuen 16-jährigen Durchlauf.

Gastgeberstadt 2027 noch offen

Eine offizielle Bekanntgabe, welche Stadt 2027 Gastgeber wird, haben wir bis zum 19. September 2026 weder beim Bundesrat noch bei der Landesregierung Nordrhein-Westfalen gefunden. Die bisherigen Feiern in Nordrhein-Westfalen fanden 1995 in Düsseldorf und 2011 in Bonn statt – ein Rückschluss auf 2027 lässt sich daraus nicht ziehen. Maßgeblich ist die Ankündigung der Landesregierung.

Die weitere Reihenfolge hat der Bundesrat bereits für die künftigen Geschäftsjahre veröffentlicht. Weil die Einheitsfeier jeweils in den Oktober am Ende eines Amtsjahres fällt, ergibt sich daraus – vorbehaltlich der jährlichen Wahl – diese voraussichtliche Folge der Gastgeberländer:

2027
Nordrhein-Westfalen (Amtsjahr 2026/27)
2028
Bayern (2027/28)
2029
Baden-Württemberg (2028/29)
2030
Niedersachsen (2029/30) – zum 40. Jahrestag der Einheit
2031
Hessen (2030/31)
2032
Sachsen (2031/32)

Danach folgen laut Planung des Bundesrates Rheinland-Pfalz, Berlin, Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und das Saarland; Bremen wäre im Amtsjahr 2041/42 wieder an der Reihe und damit 2042 erneut Gastgeber. Weil die Reihenfolge an die Einwohnerzahlen gebunden ist, können sich für die fernere Zukunft noch Verschiebungen ergeben.

Einen Überblick über den Nationalfeiertag und seine Geschichte bietet unsere Startseite zum Tag der Deutschen Einheit.

Quellen und weiterführende Links

Alle Angaben auf dieser Seite haben wir anhand der folgenden Quellen geprüft (Stand: 19. September 2026). Maßgeblich sind im Zweifel die Angaben der jeweiligen Herausgeber.

Häufig gestellte Fragen: Einheitsfeiern seit 1990

Die wichtigsten Antworten im Überblick

Die zentrale Feier richtet traditionell das Land aus, das gerade die Bundesratspräsidentschaft innehat. Der Vorsitz wechselt jedes Jahr zum 1. November in einer festen Reihenfolge nach Einwohnerzahl, die auf das Königsteiner Abkommen von 1950 zurückgeht. Festgelegt ist damit das Land: Meist wird in der Landeshauptstadt gefeiert, dreimal wich ein Land davon ab – 2011 Bonn, 2015 Frankfurt am Main und 2021 Halle (Saale).

2026 ist die Freie Hansestadt Bremen Gastgeber, weil sie vom 1. November 2025 bis 31. Oktober 2026 den Vorsitz im Bundesrat führt. Das Bürgerfest läuft vom 2. bis 4. Oktober 2026 unter dem Motto „Viele Stärken – ein Land“. Nach 1994 und 2010 ist Bremen zum dritten Mal Gastgeber. Alle Details finden Sie auf unserer Seite zum Bürgerfest 2026.

Am 1. November 2026 übernimmt Nordrhein-Westfalen die Bundesratspräsidentschaft und richtet damit nach der Tradition die zentrale Feier 2027 aus. Eine offizielle Bekanntgabe der Gastgeberstadt haben wir bis zum 19. September 2026 weder beim Bundesrat noch bei der Landesregierung gefunden. Bisher feierte Nordrhein-Westfalen 1995 in Düsseldorf und 2011 in Bonn.

Berlin, Hamburg, Schwerin, Saarbrücken und Bremen waren – die Feier 2026 eingerechnet – jeweils dreimal Gastgeber. Ihre Länder waren schon zwischen 1990 und 1994 an der Reihe und danach in beiden 16-jährigen Durchläufen je einmal. Acht weitere Städte waren zweimal Gastgeber, sechs Städte einmal.

Die Zahlen schwanken deutlich und beruhen auf Angaben der Gastgeber. Laut den Bilanzreden im Bundesrat kamen 2023 in Hamburg über 700.000 Menschen, 2024 in Schwerin 200.000 und 2025 in Saarbrücken 400.000. Für Bremen 2026 erwartet der Veranstalter rund 400.000 Besucherinnen und Besucher.

Festakt und ökumenischer Gottesdienst am 3. Oktober sind geladenen Gästen vorbehalten – darunter Vertreterinnen und Vertreter der Verfassungsorgane und Bürgerdelegationen aus den Ländern. Beide Veranstaltungen werden live im Fernsehen übertragen. Das Bürgerfest rund um den 3. Oktober ist dagegen öffentlich und kostenlos.

Mit der Staffelstab-Übergabe gibt das Gastgeberland die Bundesratspräsidentschaft symbolisch an das nächste Land weiter. Sie findet traditionell während der Einheitsfeier statt, einige Wochen vor dem formalen Wechsel am 1. November. 2025 übergab Anke Rehlinger in Saarbrücken an Andreas Bovenschulte, am 3. Oktober 2026 folgt in Bremen die Übergabe an Hendrik Wüst aus Nordrhein-Westfalen.

Das Saarland feierte den 35. Jahrestag der Einheit unter dem Motto „Zukunft durch Wandel“, dem Leitmotiv seiner Bundesratspräsidentschaft 2024/25. Beim Festakt in der Congresshalle sprachen Bundesratspräsidentin Anke Rehlinger, Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzler Friedrich Merz. Nach Rehlingers Bilanz kamen 400.000 Besucherinnen und Besucher.

Am 3. Oktober 1990, dem Tag der Vereinigung, stand Berlin im Mittelpunkt: Um Mitternacht wurde vor dem Reichstagsgebäude die Bundesflagge gehisst, Hunderttausende feierten dort. Bundespräsident Richard von Weizsäcker lud zum Staatsakt in die Berliner Philharmonie. Die erste vom Präsidentschaftsland ausgerichtete Feier zum Jahrestag fand 1991 in Hamburg statt.