Was feiern wir am 3. Oktober?
Stell dir vor, mitten durch deine Stadt würde eine hohe Mauer gebaut. Deine Großeltern wohnen auf der einen Seite, du auf der anderen – und besuchen dürft ihr euch kaum noch. So ging es vielen Familien in Deutschland. Denn unser Land war in zwei Staaten geteilt: die Bundesrepublik Deutschland im Westen und die DDR im Osten.
Am 3. Oktober 1990 schloss sich die DDR der Bundesrepublik an – Deutschland war wieder ein Land. Seitdem ist der 3. Oktober der Tag der Deutschen Einheit, unser Nationalfeiertag. 2026 fällt er auf einen Samstag, und die Deutsche Einheit hat ihren 36. Geburtstag. Das große Bürgerfest findet diesmal vom 2. bis 4. Oktober in Bremen statt.
Die Menschen in der DDR haben sich ihre Freiheit ohne Gewalt erkämpft.
Warum war Deutschland geteilt?
Die Geschichte beginnt mit dem Zweiten Weltkrieg, den Deutschland unter dem Diktator Adolf Hitler begonnen hatte. Im Mai 1945 war der Krieg in Europa zu Ende. Deutschland hatte ihn verloren.
Nun bestimmten vier Siegermächte: die USA, Großbritannien, Frankreich und die Sowjetunion. Sie teilten Deutschland in vier Besatzungszonen – wie einen Garten mit vier Beeten und vier verschiedenen Gärtnern. Berlin lag mitten in der sowjetischen Zone und wurde extra in vier Sektoren geteilt.
Bald stritten die Siegermächte. In den drei Westzonen entstand eine Demokratie mit freien Wahlen. Die Sowjetunion wollte in ihrer Zone einen Staat nach ihrem Vorbild, in dem eine einzige Partei die Macht hatte. Diesen Streit zwischen Ost und West nennt man Kalten Krieg. So entstanden 1949 zwei deutsche Staaten:
| Merkmal | Bundesrepublik Deutschland | DDR |
|---|---|---|
| Entstanden aus | den drei Westzonen | der sowjetischen Zone |
| Gegründet am | 23. Mai 1949 | 7. Oktober 1949 |
| Hauptstadt | Bonn | Ost-Berlin |
| Wer bestimmte? | gewählte Regierung, freie Wahlen | die Partei SED, keine freien Wahlen |
West-Berlin gehörte zum Westen, lag aber mitten in der DDR – wie eine Insel im Meer. Übrigens: Obwohl „demokratisch“ im Namen der DDR stand, war sie keine Demokratie, sondern eine Diktatur.
Wie war das Leben mit der Mauer?
Viele Menschen waren mit dem Leben in der DDR unzufrieden und gingen in den Westen. Bis 1961 hatte die DDR etwa ein Sechstel ihrer Einwohner verloren – als würde von sechs Kindern an deinem Gruppentisch eines wegziehen.
Der 13. August 1961: Berlin wird geteilt
Um das zu stoppen, ließ die DDR-Regierung in der Nacht zum 13. August 1961, einem Sonntag, West-Berlin abriegeln: erst mit Stacheldraht, wenige Tage später mit einer Mauer. Sie wurde rund 155 Kilometer lang, umschloss West-Berlin ganz und stand 28 Jahre. Dahinter lag ein bewachter Grenzstreifen mit Wachtürmen.
Getrennte Familien
Viele Menschen konnten Verwandte und Freunde auf der anderen Seite nicht mehr besuchen, manche jahrelang nicht. Wer in der DDR lebte, durfte in der Regel nicht in den Westen reisen. Besuche aus dem Westen waren später möglich, wurden aber streng kontrolliert. Am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin waren die Menschen beim Abschied so traurig, dass die Grenzhalle „Tränenpalast“ genannt wurde.
Die Stasi – eine geheime Polizei
Die DDR-Regierung hatte eine Geheimpolizei, die Stasi. Sie wollte herausfinden, wer gegen die Regierung war: Sie hörte Telefonate ab, öffnete Briefe und brachte manche Menschen dazu, Nachbarn oder sogar Freunde auszuspionieren. Wer offen Kritik übte, konnte ins Gefängnis kommen. Viele trauten sich deshalb nicht, ihre Meinung zu sagen.
Trotzdem war nicht jeder Tag traurig: Kinder gingen zur Schule, spielten und fuhren in den Urlaub – nur eben nicht überallhin. Mehr zum Alltag findest du unter Geschichte der DDR.
Ein trauriges Kapitel
Manche Menschen versuchten, über die Mauer zu fliehen. Das war lebensgefährlich, denn Grenzsoldaten schossen auf Flüchtende. Mindestens 140 Menschen haben an der Berliner Mauer ihr Leben verloren. Gedenkorte wie an der Bernauer Straße in Berlin erinnern an sie.
Wie ist die Mauer gefallen?
1989 wollten viele Menschen in der DDR nicht länger schweigen. Sie wünschten sich Reisefreiheit, Meinungsfreiheit und freie Wahlen. Auch in Nachbarländern wie Polen und Ungarn änderte sich viel, und Tausende verließen die DDR über Ungarn.
„Wir sind das Volk!“
In Leipzig trafen sich Menschen montags zum Friedensgebet in der Nikolaikirche und gingen danach auf die Straße. Ab dem 4. September 1989 wurden daraus regelmäßige Montagsdemonstrationen, bald auch in anderen Städten. Am 9. Oktober 1989 zogen rund 70.000 Menschen um die Leipziger Innenstadt – so viele, wie in ein großes Fußballstadion passen. Sie riefen „Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“. Das hieß: Die Menschen im Land sollen bestimmen, nicht allein die Regierung. Polizei und bewaffnete Kräfte standen bereit, griffen aber nicht ein. Deshalb spricht man von der Friedlichen Revolution.
Der 9. November 1989: Die Mauer ist offen
Am Abend des 9. November 1989 las Günter Schabowski aus der DDR-Führung auf einer Pressekonferenz eine neue Reiseregel vor. Auf die Frage, ab wann sie gelte, sagte er: „Sofort, unverzüglich.“ Tausende Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner eilten zu den Grenzübergängen. An der Bornholmer Straße ließen die Grenzer sie als Erstes durch, bis Mitternacht waren alle Übergänge in Berlin offen. Menschen aus Ost und West lagen sich in den Armen. Später schlugen „Mauerspechte“ Stücke aus der Mauer. Mehr dazu: Mauerfall 1989.
Wie wurde Deutschland wieder eins?
Bald riefen viele Menschen: „Wir sind ein Volk!“ Am 18. März 1990 durften sie in der DDR zum ersten Mal frei wählen. Am 1. Juli bekam die DDR die D-Mark, das Geld der Bundesrepublik. Am 23. August beschloss die Volkskammer, das Parlament der DDR, den Beitritt zur Bundesrepublik.
Die Einzelheiten regelt der viele Hundert Seiten dicke Einigungsvertrag vom 31. August 1990. Darin steht zum Beispiel, dass Berlin Hauptstadt ist und der 3. Oktober ein Feiertag. Im Zwei-plus-Vier-Vertrag vom 12. September 1990 stimmten auch die vier Siegermächte zu.
Um Mitternacht zum 3. Oktober 1990 wurde vor dem Reichstagsgebäude in Berlin die schwarz-rot-goldene Flagge gehisst. Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wurden Bundesländer der Bundesrepublik, und Berlin war wieder eine Stadt. Seitdem hat Deutschland 16 Bundesländer. Mehr dazu: Deutsche Wiedervereinigung.
Zeitleiste für Kinder
Kleines Lexikon und Wissensfragen
Schlag wichtige Wörter nach und teste dann dein Wissen: Ein Klick auf die Frage zeigt die Lösung.
Kleines Lexikon
DDR
„Deutsche Demokratische Republik“: der Staat im Osten Deutschlands von 1949 bis 1990, regiert von der Partei SED.
BRD
„Bundesrepublik Deutschland“: bis 1990 der Staat im Westen, seitdem der Name für ganz Deutschland.
Mauer
Die Berliner Mauer trennte von 1961 bis 1989 West-Berlin von der DDR.
Grenze
Linie, an der ein Staat endet und ein anderer beginnt. Die Grenze zwischen DDR und Bundesrepublik war streng bewacht.
Stasi
Kurz für „Staatssicherheit“: die Geheimpolizei der DDR, die Menschen heimlich überwachte.
Demonstration
Viele Menschen gehen gemeinsam auf die Straße, um für etwas einzutreten. In der DDR war das gefährlich.
Wiedervereinigung
Getrenntes kommt wieder zusammen – wie DDR und Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.
Einigungsvertrag
Vertrag vom 31. August 1990, der regelt, wie die Einheit abläuft.
Bundesländer
Die 16 Teile Deutschlands, etwa Bayern oder Sachsen. Sie kümmern sich zum Beispiel um Schulen.
Nationalfeiertag
Der Festtag eines ganzen Landes – in Deutschland der 3. Oktober.
Wissensfragen zum Aufklappen
Was feiern wir am 3. Oktober?
Dass Deutschland seit 1990 wieder ein gemeinsames Land ist.
Welche vier Siegermächte teilten Deutschland 1945 auf?
USA, Großbritannien, Frankreich und Sowjetunion.
Welche zwei Staaten entstanden 1949?
Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR.
Wann begann der Bau der Berliner Mauer?
Am 13. August 1961.
Warum ließ die DDR-Regierung die Mauer bauen?
Damit nicht noch mehr Menschen in den Westen gingen.
Was riefen die Menschen 1989 in Leipzig?
„Wir sind das Volk!“ und „Keine Gewalt!“
An welchem Tag fiel die Mauer?
Am 9. November 1989.
Wie lange stand die Berliner Mauer?
28 Jahre, von 1961 bis 1989.
Wie viele Bundesländer hat Deutschland seit 1990?
16 – fünf davon kamen 1990 dazu.
Für Eltern und Lehrkräfte
Persönliche Erinnerungen, Karten und historische Orte machen die Deutsche Einheit greifbar – im Unterricht wie in der Familie.
Ideen für Unterricht und Zuhause
Zeitzeugen-Interview
Viele Großeltern, Nachbarn oder Bekannte haben Teilung und Mauerfall selbst erlebt – im Osten wie im Westen. Lassen Sie Kinder ein kurzes Interview vorbereiten, zum Beispiel mit diesen Fragen:
- Wo hast du gewohnt, als Deutschland geteilt war?
- Hattest du Verwandte auf der anderen Seite? Konntet ihr euch besuchen?
- Wie war deine Schulzeit, wohin bist du in den Urlaub gefahren?
- Wie hast du vom Mauerfall erfahren, und was hast du gefühlt?
- Was hat sich nach dem 3. Oktober 1990 für dich verändert?
- Hast du ein Foto oder einen Gegenstand aus dieser Zeit?
Vergleichen Sie die Antworten gemeinsam: Erinnerungen unterscheiden sich je nach Ort und Familie. Fehlen Gesprächspartner, vermittelt das Zeitzeugenbüro der Bundesstiftung Aufarbeitung Zeitzeuginnen und Zeitzeugen an Schulen.
Karte der Bundesländer
Auf einer Deutschlandkarte malen die Kinder die fünf 1990 hinzugekommenen Länder farbig an, markieren Berlin und ihren Wohnort und überlegen: Auf welcher Seite der Grenze hätten wir gewohnt? Zum Einstieg eignen sich die Arbeitsblätter für die Grundschule der Bundeszentrale für politische Bildung – zehn Blätter, etwa zur „Teilung des Klassenraums“, jeweils mit Hinweisen für Lehrkräfte.
Gedenkorte besuchen
- Gedenkstätte Berliner Mauer (Bernauer Straße, Berlin): erhaltenes Mauerstück, dazu Angebote für Kinder und Familien wie „Wer will ‚Mauer-Experte‘ werden?“.
- Tränenpalast (Berlin): frühere Ausreisehalle am Bahnhof Friedrichstraße, Ausstellung der Stiftung Haus der Geschichte, Eintritt frei.
- Zeitgeschichtliches Forum Leipzig: Ausstellung zu Teilung und Einheit, Diktatur und Widerstand; Eintritt frei.
- Deutsch-Deutsches Museum Mödlareuth: das früher geteilte Dorf, bekannt als „Little Berlin“; Schulführungen mindestens zwei Wochen vorher buchen.
Hinweis zu sensiblen Themen
Flucht, Todesopfer und Überwachung können Kinder verunsichern. Bereiten Sie Besuche gemeinsam vor und beantworten Sie Fragen ehrlich, aber ohne belastende Einzelheiten. Öffnungszeiten und Buchungsbedingungen bitte vorab prüfen (Stand: 19. September 2026).
Empfehlenswerte Angebote für Kinder und Lehrkräfte
- HanisauLand-Spezial „Die Deutsche Einheit“ (Bundeszentrale für politische Bildung): Kapitel zu Bürgerbewegungen, Mauerfall und Einheit, Touren entlang der früheren Mauer und ein Quiz mit drei Schwierigkeitsstufen.
- logo! – Deutsche Geschichte (ZDF-Kindernachrichten): Erklärvideos und Artikel zu Mauerfall, Wiedervereinigung und DDR.
- kindersache.de (Deutsches Kinderhilfswerk): allgemeine Kinderseite zu Politik und Demokratie.
- Bundesstiftung Aufarbeitung: Unterrichtsmaterialien, Fortbildungen und Zeitzeugengespräche.
- Stiftung Berliner Mauer – Angebote für Schulen: Führungen, Workshops und Projekttage, auch für Grundschulen.
Weitere Hintergründe zum Feiertag finden Sie auf unserer Startseite.
Quellen und weiterführende Links
Alle Angaben auf dieser Seite haben wir anhand der folgenden Quellen geprüft (Stand: 19. September 2026). Maßgeblich sind im Zweifel die Angaben der jeweiligen Herausgeber.
- Lexikon: Zweiter Weltkrieg (HanisauLand, Bundeszentrale für politische Bildung)
- Lexikon: Teilung Deutschlands (HanisauLand, Bundeszentrale für politische Bildung)
- Lexikon: Berliner Mauer (HanisauLand, Bundeszentrale für politische Bildung)
- Mauer-Tour 1: Vom Grenzübergang Friedrichstraße bis zur Bornholmer Straße (HanisauLand, Bundeszentrale für politische Bildung)
- Deutschland ist vereinigt (HanisauLand, Bundeszentrale für politische Bildung)
- Die Geschichte der DDR (Bundeszentrale für politische Bildung)
- Die Friedliche Revolution (Bundeszentrale für politische Bildung)
- Die Berliner Mauer (Stiftung Berliner Mauer)
- Arbeitsblätter für die Grundschule (Chronik der Mauer, Bundeszentrale für politische Bildung)
- Chronik der Ereignisse 1989/1990 (Die Bundesregierung)
- 9. Oktober 1989: Sieg über die SED-Diktatur (Die Bundesregierung)
- 9. November 1989: Die Mauer ist offen (Die Bundesregierung)
- 31. August 1990: Unterzeichnung des Einigungsvertrages (Die Bundesregierung)
- 3. Oktober 1990: Die Einheit ist Wirklichkeit (Die Bundesregierung)
- Die Stasi (logo! – ZDF-Kindernachrichten)